Fotos: Koch

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Zwischen Hexenwasser und Gottvertrauen

16. September 2018

Am Wilden Kaiser in Tirol / Region zwischen Kufstein und Sankt Johann setzt auf Nachhaltigkeit

So kann man das auch sehen: Scheffau ist ein Kaiserreich – und drumherum, das reimt sich sogar, liegt Österreich! Wo sowieso scheinbar fast alles Kaiser ist, vor allem in Tirol: Kaiserregion, Kaiserdörfer, Kaiserwochen, Kaiserblick, Kaisergolf… Es lebe der Kaiser! In diesem Fall der Wilde Kaiser, das Kaisergebirge, zu dessen Füßen neben Scheffau auch noch die drei übrigen Kaiserdörfer Söll, Ellmau und Going liegen.
Die erst im Oktober 2017 in Scheffau eröffnete Kaiserlodge, Vier-Sterne-Superior-Niveau, 65 Doppelzimmer/Suiten, Penthouses und Appartements, 14 davon mit Zugang zum eigenen See, ist ebenfalls Kaiser. Sie zeigt, worum es nach Angaben von Hotelchefin Barbara Winkler in einem Naturraum wie dem Wilden Kaiser zwischen Kufstein und Sankt Johann eigentlich immer gehen sollte: um Nachhaltigkeit und die Verwendung natürlicher Materialien genauso wie um die Zusammenarbeit im gastronomischen Bereich mit Bauern und anderen Anbietern vor Ort. Worauf vor allem auch Chefköchin Ela Michonska setzt, der Kreativkopf in der Küche, dessen Tirolls aus Frühlingsrollen-Teig mit verschiedener Füllung wie Kürbis oder Prosciutto und Mozzarella inzwischen sogar markenrechtlich geschützt sind.
Die Söllerin Eva Krall an der Kaiserlodge-Rezeption schlägt Gästen vor, was sie im Urlaub hier alles machen können: Etwa im Dach-Spa entspannen, sich fit halten und den Blick auf die Berge genießen. Die Kinder in Philomenas Sinnenreich spielen und Spaß haben lassen. In der Kaiserschmiede beim Brotbacken oder Kranzbinden handwerkliche Fähigkeiten entwickeln oder mehr über Kräuter erfahren. Auf einachsigen Segways durch die Gegend streifen. Im Schlauchboot durch wildromantische Schluchten fahren. Beim Canyoning an Seilen sicher in sie hinabsteigen. Felswände im Kletterwald Hornpark erklimmen. Eine der Bergerlebniswelten wie Hexenwasser, Kaiser- und Zauberwelt besuchen. Moore erkunden.
Oder, wofür wir uns entscheiden: einfach nur ein E(lektro)-Bike leihen, an Rehbachklamm und Bärnstattkapelle vorbei hoch zum sagenumwobenen Hintersteiner Gebirgssee mit dem kristallklaren Wasser strampeln. Das türkisblau schimmert, und anschließend zur malerisch an der Südseite des Wilden Kaisers gelegenen Hinterschießling Alm hinüber, wo Wirt Jakob Steiner Angus-Rinder züchtet, deren Produkte man vom Schinken bis zur Salami bei einer deftigen Brotzeit genießen kann. In einem Freigehege hält er zum Streicheln für die Kinder aus den Anden stammende, wind- und wettererprobte Alpakas.
Wir wandern an der Weißache unten entlang, nutzen mit der Gästekarte den natürlich Kaiserjet genannten Pendelbus, der auf einer Strecke von etwa 15 Kilometern über die vielbefahrene Loferer Straße die Kaiserdörfer miteinander verbindet. Söll ist 2013 Europas schönstes Blumendorf gewesen. Häuser im typischen Tiroler Stil sind mit prächtigen Wandmalereien versehen. Der Heilige Nepomuk soll vor Wassergefahren schützen und helfen, das lebenswichtige Nass rein zu erhalten. In der Mauer des kleinen Friedhofs vor der Pfarrkirche lässt sich über eine hinter Gitter sorgsam angeordnete Ansammlung von mehr als 20 Totenköpfen gruseln. „Gott vergelt’s“, steht auf einer geschwungenen Tafel vor einem religiösen Gemälde in der Nische gleich nebenan. Wie Ellmau, das mit knapp einer Million Übernachtungen pro Jahr zu den Spitzenreitern im Tiroler Unterland gehört, hat sich auch Going zuletzt insbesondere durch den „Bergdoktor“ einen Namen gemacht, bekannt aus der 2008 gestarteten ZDF-Neuauflage der Serie. Seine wirklich schöne, dem Heiligen Kreuz und dem Märtyrer Laurentius geweihte Dorfkirche erstrahlt weiter in spätem Barock.
Höchste Erhebung im majestätisch-markanten Gebirgsmassiv Wilder Kaiser ist mit 2344 Metern die Ellmauer Halt. Einige der etwa 40 weiteren Gipfel von der Karlsspitze über Predigtstuhl bis hin zum Kopfkraxen sind berühmte Kletterberge. Die Region mit Kitzbühel in der Nähe ist touristisch stark vermarktet, zieht vor allem im Sommer und noch immer etwas mehr im Winter entsprechend viele Urlauber an, so dass sich für eine Reise dorthin als etwas ruhigere Jahreszeiten eher Frühling oder Herbst empfehlen. Die Sommer sind warm, die Winter niederschlagsreich. Das Klima ist kontinental-gemäßigt geprägt, kann in höheren Lagen in kälteren Jahreszeiten auch alpineren Charakter annehmen.
Günther Koch

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