(Foto: Wrobel)

Zwischen Geschichte und Genuss

15. Januar 2017

Kulinarisch-historischer Trip von Belfast nach Derry – beeindruckenden Landschaften begegnen

von Katharina Wrobel

Es herrscht emsiges Treiben und in der Luft liegt der Duft von frisch gebrühtem Kaffee und Scones, dem von den britischen Inseln stammenden Gebäck. Schon am frühen Morgen drängen sich Hunderte Menschen durch die St.-Georges-Markthalle in Belfast. Überall wird gekostet, über Köstlichkeiten gefachsimpelt oder einfach nur genossen. Schnell wird klar: Den Iren ist gutes Essen wichtig. Das war nicht immer so. „Durch den politischen Konflikt hatten die Menschen andere Sorgen, als sich um ihre Ernährung Gedanken zu machen“, sagt Mary Blake vom Tourismus Büro Derry. Heute wachse eine moderne Generation auf, die die Foodszene neu für sich entdeckt – und das nicht nur in Irlands Metropole Belfast. Traditionen treffen auf moderne Slowfood-Kunst. Besonders lokale Produkte und Erzeuger sind auf dem Vormarsch und arbeiten mit den Gastronomen Hand in Hand.

Und so finden Gourmets in der Markthalle von Belfast alles, was das Genießerherz begehrt und sich für ein deftiges Frühstück oder einen leckeren Lunch eignet: Ob liebevoll dekorierte Cupcakes, traditional Belfast Baps (irische Brötchen), beispielsweise mit Schinken, Ei und Würstchen belegt, hausgemachte Marmeladen, Chutneys oder Fudge (Karamellbonbon). Das Marktgebäude selbst wurde zwischen 1890 und 1896 gebaut und gilt als eines der meist besuchten Plätze von Belfast.

Ein Publikumsmagnet ist auch das 2012 eröffnete Titanic-Museum. Schon vor Betreten des Museums sieht man an dem modernen Bau, worum es geht – denn die Architektur erinnert stark an die vier Schiffsbuge der Titanic. Im Inneren wird den Besuchern ein interaktives Erlebnis geboten. Auch, wenn die Geschichte der Titanic den meisten bekannt sein sollte, so wird sie anhand von Hörstationen, Spezialeffekten und interaktiven Touchscreens auf neue Art erlebbar gemacht. Umgeben von Leinwänden hat der Besucher die Möglichkeit, in einer 3D-Höhle durch die verschiedenen Decks der Titanic zu fahren. Von trockener Museumsatmosphäre ist hier keine Spur.

Die Geschichte der Stadt Belfast wird derweil am besten bei einer Stadtrundfahrt erlebbar. Die blutige Geschichte prägt die Stadt. Die zahlreichen „Murals“ – riesige Wandbilder mit politischen Botschaften, die auch Peace Walls genannt werden – zieren das Stadtbild. Beeindruckend sind die Wohnviertel, die noch heute Protestanten und Katholiken voneinander trennen. Doch Belfast hat auch eine bunte Seite – mit engen malerischen Gassen, die mit Blumentöpfen verziert sind, und einem lebendigen Nachtleben. Einen Gin-Cocktail als Aperitif sollte man auf jeden Fall in der altehrwürdigen, prunkvollen Cocktail Bar im Merchant Hotel genießen, denn er gilt als Spezialität des Hauses. Anschließend geht es dann in Berts Jazzbar oder in das ausgezeichnete Sternerestaurant Ox weiter. Hier werden die Gäste von Stephen und Brittany mit junger, regionaler und saisonaler Küche in legerem Industrie-Vintage-Ambiente verwöhnt.

Ein Muss jeder Irland-Reise ist freilich eine Fahrt entlang der wunderschönen Küste. Von Belfast ins rund 115 Kilometer entfernte Derry fährt man via Autobahn normalerweise nur anderthalb Stunden. Empfehlenswerter ist jedoch die längere Route entlang des Meeres. Das dauert inklusive Stopps zwar doppelt so lange, man würde ansonsten jedoch die Sehenswürdigkeiten und Aussichtsplattformen zwischen den beiden Städten verpassen. Und davon gibt es wirklich viele: So können Reisende beispielsweise einen Stopp im Walled Garden und am Glenarm Castle machen, einen Kaffee im Hafen von Carnlough trinken, durch Cushendalls – den Ort, in dem Hollywoodstar Liam Neeson gerne seine Familie besucht – fahren, entlang der Strecke tolle Strände, Pferde und Schafe beobachten und an der berühmten mittelalterlichen Ruine Dunluce Castle auf den Spuren der Fantasy-Fernsehserie „Games of Thrones“ wandeln. Ein Highlight auf der Strecke ist der Giant’s Causeway, östlich des kleinen Städtchens Bushmills rund 80 Kilometer von Belfast entfernt. Seit 1986 gehört er zur Unesco-Welterbestätte. Etwa 40.000 gleichmäßig geformte, rund 60 Millionen Jahre alte Basaltsäulen zieren den faszinierenden Küstenabschnitt.

Nach rund drei bis vier Stunden Fahrt und den tollen Sehenswürdigkeiten erreicht man schließlich Derry oder auch Londonderry genannt. Auch in der Stadt mit den zwei Namen wird die Geschichte Irlands erlebbar. Derry nennen die Katholiken den Ort, Londonderry ist die protestantische Variante. Der Namensstreit um die zweitgrößte Stadt in Nordirland ist noch heute ein Politikum. Sie wird auch „The Walled City“ („die von Mauern umgebene Stadt“) genannt. Die Stadtmauern sind bis heute erhalten. Wer die Stadt kulinarisch erleben will, kann sich in der „Walled City Brewery“ ein vor Ort gebrautes Craftbeer schmecken lassen. Zu empfehlen ist die fruchtig-süffige Sorte „Boom“. Nach dem Bierchen lässt sich gut weiterziehen in eines der vielen Restaurants, Coffeeshops und Pubs. Regelmäßig finden Foodfestivals mit lokalen Produzenten und ihren Produkten in Derry statt. Wer von dieser spannenden Reise noch ein Mitbringsel für die Lieben zuhause braucht, wird sicher im Derry Craft Village im Herzen der Stadt fündig.

 

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(Foto: Wrobel)

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