Foto: Sohnemann

Yamaha XJR1300

11. Mai 2015

Ein Stück Vergangenheit mit in die Zukunft genommen.

Der Ton macht die Musik – das gilt auch für die XJR 1300 von Yamaha. Wer den Schlüssel umdreht, vernimmt ein vornehm zurückhaltendes aber kerniges Blubbern der vier Zylinder. Der Dunstabzug der vier Antriebseinheiten stopft die Abluft erst in zwei Rohre, dann in eines. Auf dem Wege bis zum Enddarm der geduckten Japanerin mit dem Retrokleid bildet sich dieser Wohlklang für die Ohren.

Aber ein Bike fährt sich nun mal nicht nur mit den Ohren. Nicht unwichtiger für den Betreiber ist beispielsweise die Kraftentfaltung. Damit wäre die XJR1300 gleich in ihrem Element: 98 luftgekühlte Pferdestärken sorgen für einen Vortrieb, der besser nicht zu der Yamaha passen könnte. Schon im unteren Drehbereich steht jede Menge Kraft zur Verfügung, so dass gar keine Drehmomentorgien gefeiert werden müssen.

Die 1300er lechzt aber auch gar nicht nach sportlichen Herausforderungen. Sie ist als „Naked Bike“ eher dafür gedacht, den Sonntagsnachmittagsausflug durch ihre satte Kraftentfaltung mitzugestalten, ohne gleich die Reiter der 98 Pferde aus dem Sattel zu pusten. Wer es für nötig hält, kann natürlich bei steigendem Vorderrad die ersten Meter hinlegen und auch ansonsten durch Zugabe von Drehzahlen die Levade herbeizaubern. Nur würde das ebenso zu der Maschine passen, wie ein Spoiler zum 12er Deutz aus den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts. Die Yamaha XJR1300 mag es, allein mit ihrem Fahrer oder auch mit der Fahrerin zu sein. Deshalb ist auch die Soziusbank recht schmal ausgefallen. Ohnehin würden dort nur Personen im zweistelligen Gewichtsbereich mitgenommen werden können – und die werden immer seltener.

Da die Retro-Yamaha eine ungewöhnlich niedrige Sattelhöhe mit sich bringt, drängt sie sich für die weibliche Fraktion der Bikerwelt auf. Die tiefe Position der Maschine wirkt sich auch positiv auf die Fahreigenschaften aus. Kurven sind für die schnittige Japanerin keine ungewöhnliche Materie. Zur zierlichen Erscheinung des Motorrades passt auch der Tank in seiner Größe. Lediglich 14,5 Liter passen hinein, so dass der ständige Besuch zu den Tankstellenbereibern die Sozialkontakte nicht abreißen lässt. Allerdings sollte die Anzeige des Tankinhalts nicht allzu genau genommen werden. Hier wird sich das Gefühle sicherlich bald entwickeln, wann wirklich der Zapfhahn für neuen Lebenssaft zu sorgen hat. Der Spaßfaktor indes muss nicht getankt werden, der ist serienmäßig an Bord. Gemeinsam mit dem Zuschnitt aus dem letzten Jahrhundert dürfte genügend Freude auf der XJR1300 aufkommen.

(so)

Daten:

4 Zylinder Reihe – 1.251ccm – 72 kW/98 PS bei 8.000 U/min – max. Drehmoment 108 Nm bei 6.000 U/min – 5-Gang – Kette – 21-Liter-Tank – davon 4,5 l Reserve – Testverbrauch 4,4 l/100 km – Gewicht vollgetankt: 251 kg – Sitzhöhe 800 mm – Preis 11.250 Euro

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