Woran liegt es, dass die Innenstädte ausbluten?

16. Oktober 2016

Das Kaufverhalten der Menschen hat sich in den vergangen zehn Jahren rasant verändert.

Ausgiebig bummeln und shoppen, stundenlang Hose, Jacke, Pullover und Kleider anprobieren und von der Freundin oder dem Gatten begutachten lassen, dann noch ins Schuhgeschäft, die passenden Treter finden. An der Buchhandlung wird auch haltgemacht. Zum Abschluss hat man sich dann ein gemütliches Kaffeetrinken oder je nach Tageszeit, eine schmackhafte Mahlzeit nach dem Einkaufsbummel verdient. Die Wirklichkeit sieht leider anders aus.

Längst wird nicht mehr nur in den Geschäften gekauft, sondern zunehmend über das Internet. Der Online-Handel ist eine rasant wachsende Branche. Im vergangenen Jahr stieg der Umsatz nach Zahlen des Versandhandel-Branchenverbandes um satte 41,7 Prozent. Der Handelsverband Deutschland (HDE) rechnet damit, dass der Verkauf über das Internet im letzten Jahr neun Prozent vom Gesamtumsatz im Einzelhandel ausmachte. In zehn Jahren dürften es geschätzte 25 Prozent sein.

Junge Unternehmen, wie bei einer Marke „bei der man vor Glück schreit!“,  legten im vergangenen Jahr beim Umsatz um mehr als 50 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro zu. 13 Millionen Kunden bestellen mehr oder weniger regelmäßig und schicken in etwa die Hälfte – einmal anprobiert – wieder zurück. Manche Innenstädte versuchen den Trend mit Aktionen, wie „Moonlight-Shopping“ oder Markttagen wie „Apfelmarkt“, Bauern- oder Kürbismärkte auszugleichen und so auch die jungen Kunden wieder in die Innenstadt zu locken.

Wir kaufen sehr gemischt ein. Sowohl in der Innenstadt als auch auf dem Land. Lebensmittel besorgen wir überwiegend beim Discounter. Frisches Fleisch in der Stadt. Zum Schoppen geht es in die Boutiquen ins Einkaufscentrum in der Innenstadt nach Solingen. Beratung ist mir relativ egal und nicht nötig. Entweder passt das Teil oder nicht. Produkte, die nicht wesentlich teurer sind, würde ich im Fachgeschäft kaufen. Aber ich bin nicht bereit, 30 Prozent mehr dafür zu bezahlen. Und das ist leider oft der Fall. Online bestelle ich nur Schuhe – Kim Zeymer aus Solingen

Es ist schade, dass die Städte aussterben. Es geht etwas verloren. Besonders kleine traditionelle Familienbetriebe leiden darunter. Aber die Kunden wollen oft kurze Wege und alles unter einem Dach haben und fahren daher eher in die Einkaufszentren. Wenn möglich, kaufe ich vor Ort. Das Angebot, die Auswahl und die Qualität ist gut. Die spätere Generation wird die Entwicklung nicht bereuen, denn sie ist damit aufgewachsen und kennt es nicht anders. Irgendwann wird alles nur noch Online gekauft – Stefan Robben aus Walsrode   

Es ist mir in den letzten Wochen aufgefallen, dass in Walsrode die kleinen Boutiquen weniger geworden sind. Es hat viel mit dem Internet zu tun. Viele junge Leute bestellen Online. Wir haben nur noch zwei Buchhandlungen. Ich gehe gerne in die Buchhandlung, sitze gemütlich im Sessel und kann mich in das Buch einlesen. Man kann auch dort seine Bücher bestellen und die sind schneller da, als über das Internet. Gut finde ich auch die neue Boutique in der Moorstraße. Die Verkäuferinnen wissen, was sie machen und beraten ehrlich – Jana Schumacher aus Hodenhagen

Die Beratung ist gut in den Geschäften. Freundliche, nette Verkäuferinnen, die immer lächeln. Besonders, wenn es über die Garantie geht, ist es wichtig, vor Ort einzukaufen. Daher gehe ich gerne in der Innenstadt einkaufen. Bestellen und zurückschicken ist mir zu kompliziert. Da schaue ich mich lieber im Geschäft um und kann mich von der Qualität überzeugen. Die Leute, die über das Internet bestellen, gehen nicht gerne raus oder haben keine Zeit. Einfach mal Shoppen, so zum Zeitvertreib, das wird bei mir so bleiben – Nailya Brausmann mit Evelin aus Walsrode

Wir kaufen sowohl in der Innenstadt, als auch mal auf der „grünen Wiese“ ein. Je nachdem, wie die Angebote dargestellt werden. Wir gucken gezielt in den Prospekten. Die kleinen Geschäfte können oft nicht mit dem Angebot der großen Anbieter mithalten. Die kaufen ganz anders ein. Elektrogeräte – vom Fernseher bis zur Waschmaschine – würde ich auf jeden Fall immer in Fachgeschäften kaufen. Bei Kleidung erfüllen die kleinen Geschäfte hier oft nicht die Wünsche der Frauen. Der Trend wird nicht aufzuhalten sein. Es geht alles über den Preis – Reiner Hansen aus Walsrode

Wenn das Angebot in den Boutiquen auch für große stabile Frauen erweitert werden würde, würde ich auch in der Innenstadt kaufen. Früher hat man das alles vor Ort oder in Fallingbostel bekommen. Aber das ist nicht mehr der Fall. Ich bestelle alles beim Versandhandel. Das einzige, was ich vor Ort kaufe, sind Schuhe und Socken. Mein Sohn hat Schuhgröße 52 und hat sich in Amerika mit fünf Paar Schuhen eingedeckt. Die Geschäfte sollten sich mehr auf die Kunden einstellen. Viele junge Leute kaufen nur noch Online – Ellen Klenz aus Walsrode

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