Fotos: Kurt Sohnemann

Wo die Götter der Entspannung ihren Urlaub verbringen

15. Dezember 2019

Kreta bietet Wanderfreunden eine einzigartige Landschaft und kulinarischen Genießern zahlreiche Gaumenfreuden

„Du hast wohl die Hosen voll?“ Ein einigermaßen geübter Wanderer sieht sorgenvoll auf den unsicheren Gang des Anfängers in dieser Bewegungsart. Er überlässt ihm großzügig seinen Wanderstock, um der Szenerie in dem Gelände von Kreta etwas die Dramatik zu nehmen. Der nur wenige Zentimeter schmale Pfad auf der Strecke von Loutro nach Hora Sfakion ist offensichtlich zu viel für einen Menschen, der sich im Extremfall nicht geländegängiger als ein Deichschaf fortbewegt. Die beiden kreisenden Geier mit ihrer Spannweite von über drei Metern wirken da auch nicht unbedingt beruhigend. Die fliegenden Aasfresser haben sich allerdings mit einer abgestürzten Ziege begnügt. Etwas Mut und Erfahrung gehören schon dazu, um die Wanderwege auf der griechischen Insel Kreta zu meistern. Diese belohnen dann aber durch eine einzigartige Landschaft, zumeist mit einer Fülle von blühendem Hibiskus, Oleander und Bougainville an der Strecke.
In den meisten Orten mit Hotels und anderen touristischen Einrichtungen können Wanderer geeignete Wege erfragen, die dann gekennzeichnet sind. Der Westen Kretas ist unkompliziert über den Flughafen der venezianisch geprägten Stadt Chania erreichbar. Die griechische Airline Aegean fliegt die Stadt mehrmals täglich an. Nahezu jedem Gast der Insel fällt es dann schwer, diese gastliche Stadt für Ausflüge oder andere Ziele zu verlassen. Die Altstadt der 160.000 Einwohner zählenden Metropole an der Nordküste der Insel sprüht nicht nur baulich durch die Einflüsse der Venezianer, Ägypter, Mauren und letztlich durch die minoischen Reste einer Epoche der Insel, sie ist pulsierender Mittelpunkt kretischer Lebensart.
Nicht nur in den klassischen Urlaubsmonaten haben die kleinen Restaurants, Bars und Geschäfte bis tief in den Abend geöffnet. Auch die Einheimischen nutzen gern die lauschige Wärme, die häufig noch den Spätherbst dominiert, um das Leben außerhalb der eigenen vier Wände stattfinden zu lassen. Beliebt bei den Insulanern sind die eigenen Weine ebenso wie die Produkte, die auf der Insel erzeugt werden.
Der typische kretanische Salat hat die sonnenverwöhnten Tomaten, Gurken und Oliven als Grundlage. Mit einem eigens dafür produzieren festem Brot und einer unübersehbaren Portion cremigem Schafskäse wird der Salat letztlich noch durch das bekannt hochwertige Olivenöl der Insel aufgewertet.
Für einen großen Teil des mit vielen unterschiedlichen Gewürzen angereicherten Brotes auf Kreta ist übrigens Nikos Ntourounous zuständig. Mit seinen Bäckereien versorgt er viele Städte und Ortschaften auf Kreta mit den speziellen Gebäcken.
Die Bewohner der Insel leben derweil zu 45 Prozent vom Tourismus mit steigender Tendenz. Ein ebenso großer Teil muss sich von der Landwirtschaft ernähren, die durch die unebenen Geländeformen unvergleichlich schwerer zu praktizieren ist, als auf dem europäischen Festland. Da etwa 80 Prozent aller Bäume auf Kreta Olivenbäume sind, lässt sich leicht erahnen, wo die Schwerpunkte liegen. „Wer vom Olivenöl leben will, muss sich schon eine Marktlücke suchen“, sagt Yiorgos Dimitriadis. Er produziert aus den Früchten seiner 3000 Bäume auf einzigartiger schonenden Weise ein biologisches Olivenöl, das von den Feinschmeckern auf der ganzen Welt geliebt wird. Unter dem Siegel Biolea haben Yiorgos und seine Tochter Cloe das Siegel als einziger Betrieb von der EU erhalten. Die jährlich 40.000 Liter produzierten Biolea-Öls werden zumeist nach Japan, Korea, USA, Kanada und auch an zwei Importeure in Deutschland geliefert.
Die Ölbäume, von denen die ältesten auf Kreta bereits 500 Jahre alt sind, dominieren das Bild des Inselbewuchses. Einige kleine Anbauflächen für Wein sind markant dafür, dass es keine Monokultur gibt. Nikos Karavitakis ist ein solcher Winzer, der sich um die Entwicklung der begehrten Flüssigkeit auf Kreta verdient macht. In der vierten Generation baut er Wein an und arbeitet den speziellen Charakter der Weine von Kreta heraus. Vidiano Kotsifali ist eine Rebe, die ausschließlich auf Kreta wächst und von Karavitakis für QbA-Produktionen und auch unverändert auf Flaschen gezogen wird. Während Kreta fünf Prozent des gesamten Weltmarktes mit Olivenöl abdeckt, spielt der Wein eine eher verhaltene Rolle. 35 Prozent wird auf dem lokalen Markt verbraucht, der restliche Export reicht in aller Regel gerade bis zum Festland.
Auf der ganzen Welt indes hat Petros Marinakis Samen, Ableger und Stauden gesammelt, um einen einzigartigen botanischen Garten auf Kreta anzulegen. Das spezielle Klima südlich von Chania hat dem passionierten Biologen die Möglichkeit geboten, eine bewundernswerte Fülle an Gewächsen ganzjährig im Freien gedeihen zu lassen. So entsteht zu den unterschiedlichsten Jahreszeiten im botanischen Garten von Kreta eine immer wechselnde Blütenpracht mit ihren unterschiedlichen Düften. Wer Kreta besucht, sollte es nicht versäumen, diese Anlage zu besuchen, die Petros Marinakis nach einem Brand im Jahre 2004 wieder vollständig aufgebaut hat.
Wer sich einen Überblick mit fachkundiger Führung von der nordwestlichen Seite Kretas verschaffen will, hat die Möglichkeit, eine der Jeep-Erkundungstouren zu nutzen, die von Uncharted Escapes angeboten wird. Malerische Dörfer werden auf den Touren aufgesucht, wie auch die bescheidenen Produktionsstätten für den wohlschmeckenden Schafskäse.
Kurt Sohnemann

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