Foto: Gundel Jacobi

Wo Dackel Wasti die verschwundenen Bauern sucht

19. Juni 2016

Im Tiroler Kaiserwinkl darf man auf Badetemperaturen und persönlichen Service hoffen

Schelmisch lächeln die zwei Frauen, die für einen Kurzurlaub nach Österreich gefahren sind: „Passiert man kurz hinter der Ausfahrt Oberaudorf entlang der A 93 von Rosenheim nach Kufstein die Grenze, braucht man nicht mal ein Pickerl. So funktioniert Genuss auf der ganzen Linie.“ Die zwei Grazien haben sich samt Dackel Wasti in Tirol einquartiert, aber nicht am Wilden Kaiser, der vielen Alpen-Liebhabern bekannt ist. „Wir geben dem Zahmen Kaiser den Vorzug, auch er lässt den Blick nach oben schweifen und fordert unsere Fitness heraus, denn er kratzt beinahe an der 2000-Meter-Höhe.“

Ihm zu Füßen liegt der Walchsee mitten im Kaiserwinkl. Ein Ort der Entspannung und gleichzeitig eine Gegend für Entdeckungen ist dieser touristische Verbund aus den überschaubaren Orten Kössen, Walchsee, Schwendt und Rettenschöss. Sie liegen entlang eines breiten Tals, über das der Blick stets mit reizvoller Weitsicht schweift – eingerahmt von einer schier kitschig schönen Bergkulisse. Das ganze Jahr über dreht sich alles um den See und die unzähligen Wanderwege: von gemütlichen Gängen auf der Ebene bis hin zu Touren, die Schwindelfreiheit erfordern.

Glaubt man den Einheimischen, tummeln sich außer im tiefen Winter beinahe immer Menschen im Wasser. Dies könnte daran liegen, dass der See als einer der wärmsten gilt, zwar nicht weltweit, aber immerhin in Tirol. Am besten lässt es sich mit einem beherzten Hand- oder Fußeintauchen feststellen, ob die beschworenen 24 Grad vorhanden sind und somit einem Bad nichts im Wege steht. Oder aber man hat einen vierbeinigen Vortester dabei, der in der Regel auch keine Pfütze links liegen lassen kann – ohne hindurchzuwaten.

Einer Sage zufolge ist der Walchsee vor langer Zeit entstanden, weil sich zwei Bauern nicht einig werden konnten, wem der Wald gehört, an dessen gegenüberliegenden Rändern sie wohnten. Als sie wieder einmal unter den Baumwipfeln wegen der Besitzverhältnisse kämpften, brach ein heftiges Gewitter aus, und nach einem mächtigen Knall trat Stille ein. Am Platz des Streites entstand eine Quelle, der Wald verschwand zugunsten des Sees; die beiden Zank-Bauern waren nie mehr gesehen.

Friedlich bringen die Landwirte heutzutage ihre Milch in die Sennereien, man hat eine große Auswahl unterschiedlicher Heumilch-Käsesorten, die zusammen mit den Kräutern auf der Zunge zergehen. Raffiniert: Jede Käserei hat ihre eigene Spezialität, wer auf Schnittlauch steht, kommt an einem Besuch in der Schwendter Sennerei nicht vorbei. Dackel Wasti zieht es mehr ins Gasthaus: Das Kössener Traditionshaus „Erzherzog Rainer“ aus dem Jahre 1416 besticht von außen mit seiner Lüftlmalerei und hat solche typischen Gerichte wie Brezensuppe oder Marillenknödel auf der Speisekarte – ein herzliches „Griaß di“ als Willkommensgruß gibt es in nahezu jedem Gasthof. Kulinarik ist das eine – Wellness und persönlicher Service das andere. Im Hotel Seehof, das zu Kössen gehört, aber am Walchsee liegt, lautet die Devise der Familie Münsterer in dritter Generation: „Alle Sinne verwöhnen!“ Schwimmbad, Saunalandschaft, Massagen und Kosmetik – vorher vielleicht ein Tennismatch oder ein Ausritt auf hauseigenen Ponys und Pferden. Am Frühstücks- und Abendbüfett kann man sich schon satt sehen, was aber schade wäre, denn selbst ein verlängertes Wochenende reicht nicht aus, um alles durchzuprobieren.

Immer wieder wird man magisch vom See angezogen, in gut eineinhalb Stunden lässt er sich umrunden. Danach erweitert sich der Radius in die höheren Lagen – und immer wieder ertappt man sich dabei, die Geister der verschwundenen Bauern von einst zu suchen. Wasti schnüffelt jedenfalls unentwegt.

Gundel Jacobi

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