Wie stehen Sie zu Halloween?

3. November 2019

Mancherorts wird versucht, den Kommerz zu verteidigen.

„Hat Halloween den Reformationstag besiegt?“, fragte einst Margot Käßmann. Oh nein! Die Frage ist doch, worum es geht. Bei Halloween ist Kommerz pur das Thema. Und es gibt scheinbar kein Entkommen. Halloween-Deko, -Kostüme, -Party, -Filme. Diesen Spuk kennen wir seit rund 25 Jahren. Ab 1994 wurde gezielt die Werbetrommel dafür gerührt – und das sehr erfolgreich. Inzwischen ist Halloween für die deutsche Süßwarenbranche das drittwichtigste Fest nach Weihnachten und Ostern. 2002 wurde ein Umsatz von zwölf Millionen Euro erreicht, zehn Jahre später bereits ein Umsatz von 30 Millionen Euro – ein gigantisches Geschäft also.

Es gehe um christliches Brauchtum, an dem ja die Katholiken im Land Allerheiligen feiern und der Heiligen gedenken. „All Hallow‘s Eve“ ist der Ursprung, das Fest, das irische Auswanderer in die USA mitbrachten. Mittlerweile gibt es Auflagen, die Halloween-Partys um Mitternacht zu beenden, weil der Klamauk ausartet. Die Aufforderung „Süßes oder Saures“ bleibt oft nicht lustig, sondern wird zur Bedrohung. Scheiben werden eingeschlagen, Autos zerkratzt, Eier geworfen – alles im Namen des Geisterkultes.
Soziologen sprechen inzwischen von einer Karnevalisierung der deutschen Gesellschaft nach dem Motto: Gut ist nur, was mir Spaß macht. Da hat es der Reformationstag schwer. Martin Luther hatte durchaus Spaß am Leben. Aber er hat gerungen um den Sinn des Lebens und um seine Beziehung zu Gott. Wer aber etwas gegen Halloween sagt, wird zum Spaßverderber.

Ich finde das Fest ganz gut. Ich hab mich früher als Kind mal als Sensenmann, mal als Zombie verkleidet und selbst Süßigkeiten gesammelt. Die Vorbereitungen waren immer prima. Halloween gehört mittlerweile bei uns dazu. Wir sind Multi-Kulti und der Brauch ist bei uns eingeflossen. Wir sollten offen gegenüber anderen Feste sein. Das heißt nicht, dass unsere Feste eingehen. Bei uns auf dem Dorf kommen wenig Kinder an Halloween. Aber wenn, dann macht man das mit. Zur Halloween-Party nach Wittorf habe ich es dieses Jahr leider nicht geschafft – Till Delventhal aus Visselhövede

Ich bin nicht so für Halloween. Es liegt am Alter. Irgendwann ist man raus. Aber ich gönne den Kindern den Spaß, wenn sie klingeln und verkleidet herumlaufen. Früher war ich auch in Wittorf bei der Halloweenfeier. Doch ich hab mich nie verkleidet. Warum gefeiert wird, wissen die wenigsten genau. Es macht einfach Spaß, dabei zu sein. Wenn ich eigene Kinder hätte, würde ich auch mit denen um die Häuser ziehen. Ich gebe auch Süßes, wenn geklingelt wird. Es wäre aber nicht schlecht, wenn die Kinder den Grund erklärt bekämen, warum Halloween stattfindet – Rebecca Knieper mit Patenkind Mila aus Visselhövede

Ich kannte es nicht, bevor ich 2002 hierherzog. Die Kinder kamen an die Tür und forderten „Süßes oder Saures“ und waren richtig niedlich als kleine Geister verkleidet. Die Mütter standen etwas abseits und haben aufgepasst. Da wir keine Süßigkeiten hatten, gab es Äpfel und Birnen. Doch seitdem sind wir darauf vorbereitet und halten Süßigkeiten zum Aussuchen parat. Ich finde es in Ordnung, dass es hier gefeiert und zelebriert wird. Muttertag kommt ja auch aus Amerika. In Nindorf gibt es einmal im Jahr die Eiersucher. Jeder hat sein Fest, das er gerne feiert. Warum dann nicht auch Halloween? – Waltraut Hahnefeld aus Visselhövede

Ich finde es nicht schlimm, wenn hier Halloween gefeiert wird. In Wittorf zur Party war ich noch nie mit. Es passte zeitlich nie. Als Kind bin ich mit Freunden jedes Jahr verkleidet von Haus zu Haus und habe „Süßes oder Saures“ gefordert. Wir durften – trotz Schulzeit – immer länger aufbleiben. Wir haben uns verkleidet und uns vorher Sprüche überlegt. Die Leute waren immer sehr nett und gaben Süßigkeiten oder Obst. Zu uns kommen wenig Kinder an Halloween an die Tür. Aber wenn, dann bekommen sie auch eine Kleinigkeit. Es ist einfach ein schönes Fest, um böse Geister zu vertreiben – Nele Böttcher aus Schwitschen

Es soll jeder machen, wie er möchte – ganz nach Lust und Laune. Für mich ist es nichts, weil ich mich allgemein nicht gerne verkleide. Das ist nicht mein Fall. Es ist lustig anzusehen, aber für mich nichts. Bei uns wurde noch nie zu Halloween geklingelt, aber wenn, dann würde ich auch etwas spendieren, wenn die Kinder etwas fordern. Ich weiß nicht 100-prozentig genau, warum man Halloween feiert. Damit habe ich mich noch nicht beschäftigt. Ich glaube aber nicht, dass andere Feste wie das Martinssingen in den Hintergrund geraten. Es wird trotzdem gefeiert oder Laterne gelaufen – Gülcan Tulan aus Walsrode

Für die Kinder finde ich es in Ordnung. Die Erwachsenen sehen oft so aus, als ob sie das ganze Jahr Halloween feiern. Amerikanische Verhältnisse brauchen wir in Deutschland nicht. Ich habe aber nichts dagegen, wenn Kinder bei mir an der Tür klingeln. Ich habe immer Süßes im Haus. Es kommen bei uns auf dem Dorf weniger Kinder als in der Stadt. Meine Kinder sind schon groß, feierten aber nie Halloween. Das interessierte sie nicht. Aber auch andere Feste mochten sie nie feiern. Die meisten kennen nicht den genauen Hintergrund von Halloween – Sandra Meyer aus Buchholz

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