Wie halten Sie es mit der Tierliebe?

29. August 2021

Die neu entdeckte Tierliebe scheint ein Nebeneffekt der Corona-Krise zu sein.

Tierheime verbuchen eine ungekannte Nachfrage nach Hunden, Katzen und Kaninchen, und der Markt für junge Legehennen scheint weitgehend leer gefegt zu sein, seit das Huhn im eigenen Garten voll im Trend liegt. Das mag neben der Corona-Krise auch an den wiederkehrenden ekligen Eier-Krisen liegen, aber zumindest haben die Menschen jetzt offenbar mehr Zeit, sich um Haustiere zu kümmern. Doch viele, die im Lockdown auf den Hund oder die Katze gekommen sind, stellen erstaunt fest, dass die niedlichen Vierbeiner auch nach dem Homeoffice weiter ihren Auslauf benötigen und Gassi gehen müssen.

Nun fürchten die Tierheime eine Abgabewelle mit dem Ende des Shutdowns. Zudem boomt der illegale Welpenhandel. 25 Prozent mehr Hunde sind vergangenes Jahr neu registriert worden, meldet die Tierschutzorganisation Tasso, die Europas größtes kostenloses Haustierregister betreibt. Aber woher kommen die vielen Hunde? Die Tierheime melden zwar einen Anstieg der Anfragen, aber keinen Anstieg bei den Vermittlungen, sagt Lea Schmitz, Sprecherin des Deutschen Tierschutzbundes. „Die Tierheime schauen zurzeit besonders genau hin“, sagt Schmitz.
Rückgaben seien traumatisch für die Tiere. Es werde für jedes Tier ein Für-immer-Zuhause gesucht und die Lebenssituation der künftigen Halter abgefragt. Dafür hätten sich in der Corona-Zeit Einzelgespräche etabliert, zu denen nur ernsthafte Interessenten eingeladen werden. Die „Laufkundschaft“ müsse in der Pandemie ausbleiben. Man sollte vor allem bedenken, dass es sich bei der Anschaffung eines Tiers meist um eine Verantwortung für ein bis zwei Jahrzehnte handle und nicht nur für den Moment von Homeoffice oder Kurzarbeit.

Ich habe 20 Mutterschafe sowie über 30 Lämmer. Für die Nutztierhaltung ist es wichtig, dass die Tiere Auslauf und frische Luft haben. Wir schlachten die Tiere beim professionellen Schlachter, wo sie für den Eigenbedarf und den Verkauf verarbeitet werden. Unser Garten ist bienenfreundlich gestaltet. Da wird nicht jedes Unkraut rausgezupft und auf der Wiese wird kein Unkrautvernichter verwendet. Wir sind auch gegen Grünlandumbruch, da es dem Tierwohl sehr schadet. Es fängt bei den Maulwürfen an und geht bis zu den Insekten. Durch den Umbruch kann keine vielfältige Wiese entstehen. Ich hatte auch schon mal Wolfsrisse bei den Schafen. Doch wir müssen damit leben. Problemwölfe sollten aber bejagt werden dürfen – Hartmut Wallin aus Schwitschen

Tierliebe wird bei uns im Haus ganz groß geschrieben! Eine Katze ist uns zugelaufen und eine alte Katze auf drei Beinen auch. Nun haben wir sieben Katzen, einen Hund und drei Pferde. Ein Pferd kommt vom NABU und sollte zum Schlachter. Ich bin halber Vegetarier, „das Gemüse muss durch Schwein gegangen sein“. Bienen sind kein Problem, aber der Wolf schon. Der gehört einfach nicht in unsere Zivilisation. Mein Fleisch kaufe ich regional und das bedeutet für mich nicht weiter als zehn Kilometern entfernt. Ebenso holen wir die Eier nur aus der Freilandhaltung, möglichst von Hobbyhaltern wie unserem Nachbarn – Ralf Nötzel aus Armstorf

Seit Kurzem haben wir einen zweiten Familienhund dazubekommen. Unsere Kinder haben ihn sich zur Gesellschaft für den anderen gewünscht und gehen nun auch regelmäßig mit den Hunden Gassi. Wir essen seit sieben Jahren vegan – die Kinder ab und an auch mal Käse- und Milchprodukte. Die Umstellung auf vegan hat sich positiv auf die Gesundheit ausgewirkt. Wir waren seit Jahren nicht mehr krank. Unser regionales Obst und Gemüse ist genauso gut und förderlich für die Gesundheit und geschmacklich toll. Viele Süßigkeiten, die in Tüten präsentiert werden, kann man selbst machen und sind dazu noch gesund. Wir haben in unserem Garten viele Kräuter angebaut und eine bunte Blumenmischung, die von den Insekten begeistert angenommen wird – Susanne Hastedt aus Brockel

Ich rege mich sehr über die Massentierhaltung, unter anderem große Hühnerställe, auf und setzte mich dagegen ein. Die Ställe werden ohne Bürgerbefragung gebaut. Das Modell „freie Bodenhaltung“ ist vorbildlich! Daher kaufe ich nur Eier aus Freilandhaltung. Ebenso achte ich beim Fleisch- und Wurstkauf darauf und frage nach, wo die Tiere herkommen. Aus der Region, das ist mir ganz wichtig. Ich setze mich auch für den Gnadenhof in Wittorf ein und spende regelmäßig Futter. Wir hatten 16 Jahre lang einen Hund und eine Katze. Doch nun gehe ich auf die 80 zu und könnte mich nicht mehr um ein neues Tier kümmern. Im Garten habe ich einen Biotopteich, außerdem wächst alles durcheinander – Büsche, Stauden und Blumen. Da sind viele Vögel und Bienen zu Gast – Irene Becker aus Visselhövede

Wir mögen Tiere, essen aber auch Fleisch in Maßen. Ich achte auf jeden Fall auf das Tierlabel. Wir haben in unserem Garten viele bienenfreundliche Pflanzen, wie unter anderem Lavendel. Auf der Weide unseres Nachbarns stehen Pferde und Schafe, die mit unseren Äpfeln gefüttert werden. Ich halte nichts von übertriebener Tierliebe, wenn den Tieren Mäntelchen und Mütze angezogen wird, das muss nicht sein. Unsere Kinder hatten früher Kaninchen und Meerschweinchen. Wir hatten leider das Pech, dass das Kaninchen vom Hund zu Tode gejagt wurde. Ein Tier schränkt ein und braucht Hege, Pflege und Fürsorge. Dem würde ich heute nicht gerecht werden können – Sabine Kirchner mit Enkel Paul Tiede aus Visselhövede

Wir haben eine Katze und nun, durch unglückliche Umstände noch zwei Katzen dazubekommen. Eine hat die Tierärztin abgeholt. Die Tiere werden bei uns alle verwöhnt. Sowohl extreme Tierliebe, als auch das Gegenteil sind nicht gut. Doch wenn man ein Tier hat, muss man sich darum kümmern. Unsere Katzen können sich frei bewegen und können kommen und gehen, wie sie wollen. Sie sind gechipt, kastriert und geimpft – alles, was nötig ist. Man hat eben eine Verantwortung. Wir sind keine Vegetarier, kaufen aber unser Fleisch dort, wo man weiß, wo es herkommt. Es muss aber nicht Bio sein. Unsere Katzen bekommen schon mal Leckerlis vom Tisch, und unser Garten ist bienenfreundlich gestaltet – Edgar und Renate Jaworski aus Visselhövede

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