Wie gehen Sie mit Lebensmittel um?

20. August 2017

Jüngere entsorgen öfter Essbares als die ältere Generation.

Elf Millionen Tonnen Lebensmittel entsorgen Industrie, Handel, Großverbraucher und Privathaushalte in Deutschland jedes Jahr als Abfall, ermittelte das Agrarministerium. Pro Person und Jahr sind das nach Zahlen aus dem Jahr 2012 durchschnittlich 82 Kilogramm Lebensmittel. Dabei entsorgen Jüngere öfter Essbares als die ältere Generation, zeigte eine Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln. 92 Prozent im Alter von 21 bis 51 Jahren werfen Essen weg, knapp vier von zehn tun das sogar einmal die Woche. Dagegen wirft ein Drittel der Menschen, die vor 1945 geboren wurden, nach eigenen Angaben Lebensmittel nie in den Müll. In der Nachkriegsgeneration bis Jahrgang 1954 sind es rund 27 Prozent.  

Deutschland will bis 2030 die Lebensmittelverschwendung pro Kopf um die Hälfte reduzieren. Das Ernährungsministerium gibt über das Portal „Zu gut für die Tonne“ Tipps, wie sich in der heimischen Küche Müll vermeiden lässt. „Die Daten von Unternehmen basieren hingegen nur auf freiwillige Angaben, und Zahlen zu Abfällen der Landwirtschaft wurden gar nicht berücksichtigt“, kritisiert Oliver Huizinga von Foodwatch. Er fordert gesetzliche Vorgaben für Handel, Industrie und Landwirtschaft. „Dem Konsum dafür allein die Schuld zu geben, greift viel zu kurz“, findet auch Tanja Dräger de Teran vom WWF. Verbraucher müssten ihr Konsumverhalten hinterfragen und der Handel seine Marketingstrategien. Weltweit landet ein Drittel der produzierten Nahrung nicht auf den Tellern – dabei haben den Vereinten Nationen zufolge aktuell 795 Millionen Menschen nicht genug zu essen.

Bei uns kocht meine Mutter. Wir sind sieben Personen am Tisch, und es kommt in der Regel mit den Portionen immer gut hin. Wenn etwas übrig ist, gibt es die Reste am Abend oder die Mahlzeit wird am nächsten Tag „verlängert“. Da meine Frau und ich unregelmäßig zu Hause essen, klappt es mit dem Aufschnitt bei uns nicht so gut und es verdirbt auch schon mal etwas. Oft wird gleich, sobald das Mindesthaltbarkeitsdatum erreicht ist, die Ware in die Tonne geschmissen, obwohl es noch essbar wäre. Aber das muss jeder für sich verantworten – Christoph Baumgart aus Wittorf   

Ich schmeiße keine Lebensmittel weg, sondern koche immer nur soviel, wie wir brauchen. Wenn dann mal Nudeln übrig bleiben, naschen wir sie so weg. Gemüseschalen bekommt der Nachbar für die Schweine und die Gänse fressen die Abfälle auch. Ich koche Gemüse immer frisch für zwei Tage. Ich habe fünf Kinder und war berufstätig. Da habe ich immer für zwei Tage gekocht. Meine Kinder sind auch so erzogen, dass sie so kochen, dass nichts wegkommt. Viele sind zu unerfahren und wissen nicht, was sie kochen sollen – Rosemarie Krull aus Visselhövede 

Wir gehören nicht zur Wegwerfgesellschaft. Ich bin Jahrgang 1934 und bin es gewohnt, sparsam mit Lebensmittel umzugehen. Ich kann im Grunde nichts wegwerfen, das bezieht sich auch auf Kleidung. Wenn ich einkaufe, dann nur so viel, wie ich brauche. Essensreste werden am anderen Tag verwertet oder ich friere sie ein und hole sie bei Gelegenheit wieder raus. Wenn dann mal die Zeit knapp ist, hat man etwas parat. Grünabfälle bekommen die Tiere: Gänse, Kaninchen, Enten und Hühner – Irmgard Reinke aus Buchholz

Wir versuchen, keine Lebensmittel wegzuschmeißen. Es gelingt nicht immer. Man kauft einfach zu viel ein. Mal friere ich Reste ein oder verwerte sie für die nächste Mahlzeit. Ich koche oft zu große Mengen und habe immer noch viele Personen im Kopf, obwohl die Kinder weg sind. Mehr als eine kleine Gefriertruhe ist nicht nötig, es gibt ja alles frisch. Das ist nicht mehr so wie früher. Die ältere Generation ist da anders. Wir kochen aber auch noch alles frisch und mögen es am nächsten Tag oft nicht mehr – Stephanie Brinkmann und Ole aus Wittorf

Ich bin 1934 geboren und habe die Kriegsjahre erlebt. Ich achte Lebensmittel und schmeiße wirklich nur das weg, was verdorben ist. Es kommt mal vor, das Brot schimmelig wird. Aber ich koche nur soviel, wie ich essen kann und bin sehr sparsam. Es ist unbegreiflich, dass soviel weggeschmissen wird. „Wäre nicht der Bauer, dann hättest du kein Brot!“ Diesen Satz lernten wir noch in der Schule. Mit Plag´ und Müh´wird geerntet, und das wissen viele nicht mehr zu schätzen. Wer kann und Platz hat, sollte Gemüse anbauen – Christa Ahrens aus Visselhövede

Ich gehöre leider zu denen, die oft etwas wegschmeißen. Es tut mir dann in der Seele weh, vor allem, wenn man sieht, wie andere hungern. Vor allem wenn ich hungrig einkaufen gehe, kaufe ich mehr als nötig. Da passiert es dann mal, dass etwas schlecht wird. Übrig gebliebenes Mittagessen stelle ich in den Kühlschrank. Ich denke, dass man das noch mal essen kann, aber wir mögen es dann doch nicht mehr. Aber der gute Wille ist da. Es ist zwar nicht die Masse, aber trotzdem – Jutta Pegesa aus Visselhövede

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