Wie gedenken Sie der Toten?

24. November 2019

Am heutigen Sonntag steht „Totensonntag“, im Kalender, an Gedenken der Verstorbenen.

Die Kinder ziehen aus, die Eltern bleiben in der Heimat zurück. Immer mehr Ältere entscheiden sich daher für eine Urnenbeisetzung. Denn wer soll später das Grab pflegen, wenn die Kinder weit weg wohnen?

Nach Angaben der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover lag der Anteil der Einäscherungen in Niedersachsen 1990 noch bei 11,6 Prozent. Mittlerweile hat sich dieser Wert fast verfünffacht – so waren 2015 schon etwa 50,5 Prozent der Beisetzungen in der Landeskirche Urnenbestattungen. Feuerbestattungen lägen im Trend, stellte deren Sprecher Benjamin Simon-Hinkelmann fest.
Ein entscheidendes Argument für eine Urnenbeisetzung ist die Pflege der Grabstelle. Viele Männer und Frauen wollen ihre Angehörigen nach dem Tod nicht die Arbeit an ihrem Grab zumuten. Dazu komme, dass die Grabpflege mit regelmäßigen Friedhofsbesuchen für Freunde und Familie der Verstorbenen oft gar nicht möglich sei, weil sie weiter entfernt wohnen würden.
Urnengräber auf Friedhöfen seien auch kleiner und pflegeleichter als eine Gruft oder ein Grab, das bepflanzt werden müsse. Auch Rasengräber würden deswegen in Niedersachsen zunehmend beliebter. In Niedersachsen starben im vergangenen Jahr exakt 96.165 Menschen. Fast die Hälfte – 41.797 gehörten der evangelischen Kirche an, 5516 der katholischen Kirche. Viele Menschen entscheiden sich zudem dafür, Verträge über eine Grabnutzung gleich mit einer eingeschlossenen Grabpflege abzuschließen. Dieser Trend hat sich in den vergangenen 20 Jahren entwickelt. Dies sei auch vorteilhaft für die finanzielle Planung, da der Kunde Risiken ausschließen kann.

Durch den Tod meiner Frau im März bekommt man eine ganz andere Einstellung zum Tod. Plötzlich ist da eine Leere. Wir waren 48 Jahre verheiratet. Da fällt man in ein Loch. Für mich ist jeder Sonntag Totensonntag. Ich gehe zur Kirche und anschließend zum Friedhof und unterhalte mich mir ihr. Das meiste habe ich für mich geregelt. Meine Frau liegt in Meinerdingen. Dort ist auch für mich ein Platz reserviert. Es gibt ein Urnenbegräbnis mit Namensplakette, um den Angehörigen nicht zusätzlich etwas aufzubürden. Und ein Lied habe ich auch schon ausgesucht – Reinhard Wendt aus Walsrode

Ich gehe jede Woche regelmäßig zum Friedhof, da mein Sohn vor Jahren tödlich verunglückt ist. Es ist gegen die Natur, wenn Kinder eher gehen. Ich selbst habe auch schon alles geregelt. Wenn wir soweit sind, gehen wir „schwimmen“. Wir lassen uns verbrennen und die Asche kommt in die Nordsee bei Helgoland. Wir haben schon alles beim Bestatter festgelegt. Es wird über einen Treuhandfond finanziert. Ich habe noch zwei weitere Kinder, aber denen möchte man das nicht zumuten, die Gräber zu pflegen. Ich war 30 Jahre lang im Rettungsdienst tätig und weiß, wie schnell es anders gehen kann – Werner Asche aus Walsrode

Meine Oma liegt in Damm bei Rostock. Wenn wir da sind, wird das Grab auf jeden Fall gepflegt. Ansonsten kümmert sich die Verwandtschaft darum, die noch vor Ort wohnt. Meine anderen Verwandten leben Gott sei Dank noch. Ich selbst habe noch nichts geregelt, aber für meine Eltern ist schon alles gesichert, auch hinsichtlich Bankvollmacht und Patientenverfügung. Man spricht nicht gerne darüber, aber es ist ab einem gewissen Alter wichtig. Vor dem Totensonntag werden bei uns traditionell keine Beleuchtungen und keine Lichter für die Adventszeit angemacht. Leider ist das oft nicht mehr überall so – Doreen Booth mit Shanon Polus aus Walsrode

Ich habe schon eine Mappe aus dem Beerdigungsinstitut, aber noch nichts ausgefüllt. Das schiebe ich noch vor mir her. Aber irgendwann muss man sich damit befassen. Der Gedanke an den Tod ist weit weg. Ich werde mich aber nicht verbrennen lassen, ein Rasengrab möchte ich aber schon. Es geht ja keiner mehr zum Grab. Mein Vater ist vor 17 Jahren verstorben. Ich pflege immer sein Grab, da ich in Walsrode wohne und es keine Belastung ist. Ich gehöre eben noch zu der Generation und kenne es nicht anders. Der Tod gehört zum Leben. In Meinderdingen ist der Friedhof schön gestaltet, da kann man sich wohlfühlen – Ingrid Barnett aus Walsrode

Meine Frau und ich wollen eine Urnenbeisetzung, damit später keiner mit dem Grab Arbeit hat. Unsere Eltern liegen in Walsrode und Bomlitz. Das Grab der Schwiegereltern in Walsrode pflegt die Schwägerin, das in Bomlitz übernehmen wir. Es ist aber ein Urnengrab. Da kann man nicht viel machen. Da der Rasen immer gemäht wird, darf man keine Vase oder Keramik darauf stellen. Lediglich Blumen oder ein Gesteck. Aber das haben wir schon erledigt. Wir wollen es später auch so pflegeleicht wie möglich haben und haben mit den Kindern schon darüber gesprochen und sie als Betreuer eingesetzt – Martin Eggersglüß aus Bomlitz

Für viele ältere Menschen ist die Grabpflege sehr wichtig. Vielleicht wird es für mich auch mal wichtig, wenn man selbst älter wird und sich damit beschäftigt. Ich kann mir vorstellen, dass man dann vielleicht eine Anlaufstelle zum Trauern braucht. Ich habe schon zwei Friedwald-Bestattungen erlebt und die waren sehr schön. Das wünsche ich mir auch. Ansonsten habe ich noch keine Vorsorge getroffen. Die Eltern leben zum Glück noch, sie wohnen weiter weg und sind über 80 Jahre alt und recht fit. Sie haben alles geregelt und möchten später verbrannt werden – Elke Heinemann aus Walsrode

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