Wertschätzung von Lebensmittel – kennen Sie „Das gelbe Band“ ?

18. Oktober 2020

Herbstzeit ist auch Erntezeit für Äpfel, Birnen und Zwetschgen.

Nicht jeder hat einen Garten, und nicht alle haben die Möglichkeit, Obstbäume in ihren Garten zu pflanzen. Andernorts fallen die Früchte ungepflückt und überreif auf den Boden. Dabei ist das Obst ungespritzt, sehr gesund und günstig. Damit überschüssige Früchte nicht verderben, nehmen landesweit viele Obstbaumbesitzer an dem Ernteprojekt von ZEHN (Zentrum für Ernährung und Hauswirtschaft Niedersachsen) „Gelbes Band“ teil.

Markiert mit dem gelben Band stehen Obstbäume allen Selbstpflückern zu Verfügung. Diese dürfen ohne Rücksprache mit Eigentümern abgeerntet werden. Eine Aktion, die auch in Visselhövede und den umliegenden Ortschaften möglich und machbar ist!
Das, was mit Aufwand verbunden ist, praktizieren manche kleine Orte schon seit Jahren unbürokratisch. So dürfen sich alle in der Obstbaumallee bedienen und Zwetschgen, Kirschen, Äpfel oder Birnen in haushaltsüblichen Mengen ernten. Nur wenn die Leute „den Hals nicht voll bekommen“ oder für ihre Pferde eimerweise die Äpfel mitnehmen, haben die Dörfler etwas dagegen, und es kommt Unmut auf. Im Internet hat übrigens jeder zusätzlich unter www.mundraub.org die Möglichkeit, seine Obst- oder Nussbäume, sogar Kräuter, einzutragen. Hier sind alle Pflückstationen regional verzeichnet. Damit sich freigegebene Bäume und Sträucher in der eigenen Umgebung leichter finden lassen, listet auch das ZEHN alle teilnehmenden Standorte auf der Website www.zehn-niedersachsen.de/gelbesband auf.

Eine super Aktion! Das Obst ist da! Es wäre schade, wenn es vergammelt. Da muss man einfach zugreifen. Ich fahre jeden Tag mit dem E-Rad nach Visselhövede zur Arbeit. Auf dem Rückweg nach Kirchwalsede lege ich in Wittorf immer einen Stopp ein und sammle an einem Baum die Äpfel für die Rückfahrt auf. Man könnte auch den Verein „Vissel for future“ mit ins Boot holen, gerade weil es hier um Nachhaltigkeit geht. Ich würde die Pflückstellen auch auf einer Hinweistafel markieren. Viele haben gar nicht die Kapazitäten, in ihrem Garten einen Obstbaum aufzustellen. Anderen ist das Aufsammeln zu lästig oder sie haben zu viele Früchte über. Das wäre doch für alle eine Win-Win-Situation – Christian Oddoy aus Kirchwalsede

Ich habe schon kiloweise Obst aufgesammelt. Wir haben einen eigenen Obstgarten in Nindorf. Die Aktion „Das gelbe Band“ ist interessant. Wir bringen unsere Äpfel und Birnen zur Mosterei auf den Hof Rießel nach Nindorf und nach Hiddingen zu Carstens. Dafür erhalten wir Apfelsaft. Als Landwirtin weiß ich die Lebensmittel zu schätzen. Wir müssen gesund leben. Ich vermarkte auch den Zuckermais. Aufgrund von Corona durften wir dieses Jahr nicht in Hamburg verkaufen. Deshalb haben wir den Mais nach Bremen gebracht, da dort die Auflagen nicht so streng sind. In Deutschland sind die Lebensmittel viel zu günstig. Die Einstellung zur Landwirtschaft und deren Arbeit müsste sich ändern und mehr wertgeschätzt werden. Wenn man bedenkt, wie schon alleine alles mit dem Wetter zusammenhängt, kann man froh und dankbar sein, dass man überhaupt noch etwas erntet – Elke Twiefel aus Nindorf

Es ist schlimm, wenn man sieht, was zurzeit alles mit der Landwirtschaft passiert. Die Auflagen werden immer höher, und die Bauern bekommen nichts für ihre Ware. Ich hatte früher wenig Geld und habe mich über jeden Apfel gefreut, den ich aufsammeln durfte. Heute muss man aufpassen, dass kein Polizist hinter einem steht. Ich finde es auch traurig, dass das Containern verboten ist. Es ist eine einfache Geschichte und man tut keinem damit weh. Es ist besser die Lebensmittel zu verwerten, als sie wegzuschmeißen. Das Containern sollte unterstützt werden. In Frankreich geht es, warum nicht bei uns? Wir sind eine Wegwerf-Gesellschaft. Wenn ich die Möglichkeit habe, sammle ich auch das Obst auf. Warum denn nicht? Ich verstehe auch nicht, warum das Gemüse EU-genormt sein muss. Die krumme Gurke schmeckt genauso gut, wie eine gerade, man kann sie essen – Cornelia Nymark aus Lehrden

Es gibt viele ältere Menschen, die kaufen zu viel auf Vorrat ein, weil es für sie eine Zeit gab, wo sie hungern mussten. Dann schaffen sie es nicht, alles aufzuessen, und es verdirbt. Ich selbst gucke schon, was ich einkaufe und wie viel. Die Umstellung von einem Vier-Personen- auf einen Zwei-Personenhaushalt war nicht ganz einfach. Wenn bei uns ein Apfel oder Brötchen übrig ist, wird es an die Vögel verfüttert. Die Gemüseschalen bekommt der Nachbar für seine Kaninchen. Bei uns gegenüber, auf dem Grundstück der LandData, gibt es jede Menge Obstbäume. Da sammle ich Äpfel und Birnen auf zum Essen, für Apfelmus oder für den Kuchen. Es ist ungespritztes Obst und wenn es keiner aufsammelt, vergammelt es. Es sind Lebensmittel! Das ist bei vielen in Vergessenheit geraten. Es sollte hier mehr zum Sammeln animiert werden – Susanne Schumacher aus Visselhövede

Ich kaufe für die Wochenmärkte immer so ein, dass es mit dem Verkauf auf meinem Marktstand hinkommt. Wenn etwas übrig bleibt, geht es Ende der Woche zur Tafel. Am Donnerstag bekommt es die Tafel in Wildeshausen, und am Sonnabend geht das Obst nach Bruchtorf. In Deutschland ist mancher das Futter nicht wert, was er isst. Was die Erzeuger bekommen, interessiert keinen Menschen. Wenn die Milch zehn Cent mehr kosten würde, wäre das für jeden Haushalt gerade mal 50 Cent mehr in der Woche. Durch die Niedrigpreise sterben viele kleine Landwirtschaften. Das ist das fatale! Das Essen kommt dann aus dem Ausland. Dann haben wir den „Kram“ und wissen nicht, was drin steckt. Irgendwann merken die Menschen, dass man Metall nicht essen kann – Ralf Nötzel aus Armstorf

Ich persönlich schmeiße fast gar keine Lebensmittel weg. Wir kaufen für unseren Drei-Personen-Haushalt auch nicht so viel ein, sondern planen immer so, dass es aufgegessen wird. Da achten wir sehr drauf. Oder es gibt mal einen Tag „Resteessen“. Ich selbst kaufe sehr gerne auf den Wochenmärkten ein, weil ich weiß, dass die Ware hier frisch und sehr gut ist. Die Lebensmittel in Deutschland sind zu günstig. Für gute Ware würde ich auch mehr zahlen, wenn ich weiß, dass die Tiere gut gehalten wurden. Bei Schweinefleisch und auch beim Geflügel gibt es nur die Haltungsform Stufe I oder Stufe 4. Dazwischen gibt es nichts. Die Landwirte sollten mehr darauf achten und die Ställe entsprechend herrichten, dass die Tiere artgerechter gehalten werden. Wenn, dann hole ich meine Wurst und das Fleisch nur vom Schlachter. Außerdem beziehe ich von einem befreundeten Jäger das Wild – Dirk Siewert aus Bad Fallingbostel

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