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Wendemanöver „auf dem Bierdeckel“

12. September 2021

Wendemanöver „auf dem Bierdeckel“ Thomas Riese
Verarbeitung
Gepäckraum
Verbrauch
Leistung
Ausstattung
Sitze

Bewertung:

2.8


Der Suzuki Ignis Dualjet Hybrid fühlt sich im Stadtverkehr am wohlsten und ist ein Paradebeispiel für gute Raumnutzung

Sollte sich jemand für die optimale Mischung aus Sebastian Vettel und Michael Schumacher halten, zählt er ganz sicher nicht zur Zielgruppe, die der Suzuki Ignis anspricht. Der kleine Japaner ist eher ein ganz großer in Sachen klein sein. Dabei müssen die Insassen nicht auf viele Annehmlichkeiten verzichten, die sie auch von großen Fahrzeugen gewohnt sind. Die Sportlichkeit gehört nicht zu den herausragenden Elementen des Ignis. Da ist es ganz gut, wenn man beim Überholen von anderen Verkehrsteilnehmern das Vaterunser nicht ganz aus dem Gedächtnis verloren hat. Es kann eine zähe Angelegenheit werden.
Beim Anfahren und Beschleunigen wird der Suzuki Ignis in seiner Grundkonstellation zwar von dem 12V Akku unterstützt, der seine Energie weitgehend aus den Bremsvorgängen bezieht, diese wirkt sich aber vornehmlich bei geringen Geschwindigkeiten aus. Schon das Design des nur 3,70 Meter langen Ignis macht klar, wo der Lebensraum des Fahrzeugs sein soll. Er ist ein echter Stadtbewohner. Bei einem Wendekreis von nur 9,4 Metern lässt er sich problemlos in Parklücken manövrieren, wo die Mehrheit bereits kapituliert.
Eigentlich fehlt dem Ignis nichts, was ein Auto von modernem Zuschnitt haben sollte. Er bietet die Bequemlichkeit beim Ein- und Ausstieg an, den ein SUV haben muss. Eigentlich ist er auch ein kleiner SUV, nimmt dabei gern in Kauf, dass er beim Elchtest nicht zu den Gewinnern gehören muss. Braucht er auch nicht, er soll ja nicht rasen, er soll Freude verbreiten, wenn er sich durch sein bevorzugtes Biotop schlängelt, während andere Fahrerinnen und Fahrer in ihren Karossen hupend im Gedränge aufgehalten werden.
Eine weitere positive Eigenschaft darf sich der Suzuki Ignis auf die Fahnen schreiben: Wer im Fond sitzt, muss selbst mit einer lichten Größe von 1,80 Meter nicht eingeengt leben. Bei vier erwachsenen Insassen lässt der Ignis keine innere Enge zu, derweil die Rückbank um über 16 Zentimeter nach hinten verschoben werden kann. Zwar ist dann nur noch für 260 Liter Gepäck Platz. Der aber reicht für zwei Premium-Bierkästen oder etwa 30 Schuhkartons. Der Ignis hat im Stadtgefüge restlos überzeugt. Zu den positiven Begleiterscheinungen des Mild-Hybrids gehört, dass der Verbrauch niedrig gehalten wird. Das Leichtgewicht bringt mit 935 Kilogramm nicht viel auf die Waage und kam im Drittelmix beim Test auf lediglich 4,7 Liter Verzehr. Das ist weniger, als Suzuki in den Papieren angegeben hat und unterstreicht die Glaubwürdigkeit des Konzerns.
Luft nach oben gibt es noch in der Dämmung der Geräusche. Auch ohne auf der Autobahn zu sein, verbreitet der Ignis einen Sound, der häufig das DAB-Radio übertönt. Das Entertainment-System ist über einen 7-Zoll-Bildschirm regelbar und vorbildlich leicht zu handhaben. Es reagiert aber auch auf Sprachsteuerung, wenn der Dialekt es zulässt.
Da Suzuki beim Ignis alle Register der Platzoptimierung gezogen hat, sogar den Akku unter dem Fahrersitz verbannte, um keinen Platz zu verlieren, ist das Thema Ablage etwas stiefmütterlich weggekommen. Hier wünschten sich Fahrerin und auch Fahrer etwas mehr Kreativität, wenn die kleinen Utensilien des Alltags mit auf die Reise sollen.
Neben dem unverwechselbaren Aussehen und der ansprechenden Außenhülle dürfte auch der schmale Verbrauch dafür sorgen, dass der Ignis einen Platz im Herzen und in der Garage finden sollte. Das Stadtfahrzeug gehört trotz der angemessenen Ausstattung aber nicht zu den Billigangeboten. Die Individualität hat ihren Preis ab 15.520 Euro.
Kurt Sohnemann

Technische Daten: Suzuki Ignis Dualjet Hybrid
Hubraum: 1.197 ccm – Zylinder: 4 Reihe – Leistung kW/PS: 61/83
Frontantrieb – 5-Gang-Getriebe – Max. Drehmoment: 107 Nm/2.800 U/min.
Höchstgeschwindigkeit: 165 km/h – Beschl. 0-100 km/h: 12,8 Sek.
Leergewicht: 935 kg – Zul. Gesamtgewicht: 1.330 kg
Anhängelast gebr.: 1.000 kg – Gepäckraumvolumen: 260-1.100 Liter
Tankinhalt: 32 Liter – Kraftstoffart: Super E10 – Verbrauch (Test): 4,7 l/100 km
Effizienzklasse: B – CO2-Ausstoß (WA): 110 g/km – Euro 6
Grundpreis: 15.520 Euro

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