Welche Erinnerungen haben Sie noch an Ihre Einschulung?

12. August 2018

Der Ernst des Lebens beginnt!

Einschulung 1971: Ich stehe im großen Pulk in der Aula der Grundschule Bomlitz, von 160 Mitschülern umringt, um die Darbietungen der älteren Jahrgänge anzugucken. Fünf Klassen, je 32 Schüler, einer der stärksten Jahrgänge. Die Schüler kenne ich nicht, da wir erst zugezogen sind. Viele um mich herum fangen an zu weinen. Meine Mutti steht da und schüttelt den Kopf. Okay, ich fange nicht an zu weinen, sondern schlucke tapfer die Tränen runter. Die meisten haben drei oder vier Geschwister. Den Inhalt meiner kleinen Schultüte, auf der die Streiche von Max und Moritz abgebildet sind, muss ich mit meinen drei Geschwistern zu Hause teilen. Die Süßigkeiten waren natürlich ruckzuck weg. Feier? Geschenke? Fehlanzeige! Foto? Ja, ein verwackeltes – ich mit Zahnlücke und Schultüte vor dem Eingang der Grundschule.

Einschulung 2018: Elli steht strahlend mit ihren Freundinnen in der Aula, um die Darbietungen der älteren Jahrgänge zu verfolgen. Es ist eine kleine Klasse, in die sie kommt, gerade mal 67 Kinder, die für drei Klassen zusammenkamen. Sie durfte sich drei Freundinnen aussuchen, mit denen sie in eine Klasse gehen möchte. Sie kann ihre, von der Tante selbst gebastelte Schultüte, kaum halten, die fast größer ist als sie. Die übernimmt dann später der Papa.
Zuhause bekommt sie noch eine von den Eltern und den Großeltern. Dazu noch jede Menge Geschenke von den Paten, Tanten und Onkeln. Auch ihre Schwester bekommt eine eigene Schultüte, wenn auch in einer kleineren Variante. Einen Tisch beim Chinesen zu bekommen, war nicht einfach. Fast alles war ausgebucht. Eine Anzeige in der Zeitung „Alles Gute zur Einschulung meiner Elli!“ darf ebenfalls nicht fehlen. Die Süßigkeiten werden nicht alle aufgegessen. Es sind zu viele. Dafür werden 654 Fotos und fast eben so viele Handyaufnahmen von Elli von allen Verwandten für verschiedene Soziale Netzwerke gemacht.

An meine Einschulung 1972 in die Marktschule habe ich keine Erinnerung mehr. Die erste Lehrerin hieß Frau Kuske. Das Besondere war die Schultüte mit dem Inhalt. Zu unserer Zeit gab es die Mengenlehre. Ich habe die Schulzeit sehr positiv in Erinnerung, obwohl ich immer die Kleinste war. Als meine Tochter, die jetzt 20 Jahre alt ist, eingeschult wurde, war ich entsetzt, dass wir einen „Waffenzettel“ erhielten. Da hat sich etwas verändert. Zu ihrer Einschulung war ich leider krank, aber es war trotzdem ein wichtiger Tag. Die Einschulung, in Verbindung mit Essen gehen, kenne ich gar nicht – Doris Weidmann aus Walsrode

Erst fand ich die Schule blöd, weil meine Schwester Carolin immer weinend nach Hause kam, da sie immer einer geärgert hat. Da bin ich am ersten Tag zu ihm gegangen und hab ihm gesagt, dass er das lassen soll. Als er lachte, habe ich ihn gebissen. Danach war meine Schwester kein Opfer mehr, aber ich wurde eine Woche von der Schule suspendiert. Meine Schultüte mit ganz viel Süßigkeiten, die ich sonst nie bekam, war super. Meine Mutter hatte sie selbst gebastelt. Es waren meine Großeltern und meine Schwester dabei. Heute werden die Kinder bei der Einschulung mit Geschenken überschüttet – Katharina Pooch mit Frederick aus Jeversen

Die eigene Einschulung 1957 in der Südschule habe ich nicht mehr so wirklich in Erinnerung. Ich hatte eine große blaue Schultüte. Es wurde nichts weiter gemacht. Nicht so, wie bei den eigenen Kindern. An diesem Wochenende wurde meine Enkelin Hanna in Bad Fallingbostel eingeschult. Das ist ein Unterschied von 60 Jahren – Wahnsinn! Wir
gehen erst in die Kirche. Nach der Einschulung wird bei uns auf dem Hof mit den Eltern, Geschwistern, Onkel, Tanten und was so zum Kreis der Familie dazugehört, gegrillt. Ich finde es heute teilweise übertrieben, was für ein Kult mit der Einschulung betrieben wird – Edeltraud Lange aus Honerdingen

Ich bin erstaunt, wieviel „Gedöns“ man heute um den Tag macht. Bei mir war es auch ein feierlicher Akt im April 1957. Die Eltern waren da und es gab auch eine Zuckertüte. In der war ein kleiner Silberring mit Marienkäfer. Der Lehrer hieß Radlow und er hat uns eine Geschichte vom „Heinerle im Storchennest“ vorgelesen. Als erste Hausaufgabe mussten wir dazu ein Bild malen. Meine Kinder sind jetzt um die 40 Jahre alt. Da kamen Verwandte aus Berlin zur Einschulung 1981. Es war auch etwas Besonderes, aber heute gibt man Partys und bestellt einen CateringService – Susanne Roßmann mit Aika aus Walsrode

Das ist über 60 Jahre her. Ich bin in Stapel einem 500 Einwohner großen Dorf eingeschult worden. Es war eine Ein-Klassen-Schule. Alle Schüler jedes Jahrgangs waren in einem Klassenraum. Das Beste war die Zuckertüte. Sie war ziemlich bunt. Der Inhalt bestand aus Süßigkeiten und Äpfeln. Der Lehrer hieß Turner. Es wurde ein schönes Foto vor dem Eingang der Schule gemacht, das ich heute noch habe. Es gab keine große Feier. Die Einschulungen heute sind alle so überzogen mit Party und Essen gehen – viel Kommerz. Die Leute sollten sich heute wieder an das Wesentliche erinnern – Harry Wrobel aus Bomlitz

Ich bin 1983 in Hodenhagen eingeschult worden. Die Lehrerin hieß Frau Hauer. Der Name hört sich schrecklich an, sie war so aber nicht. Es gab einen Tornister und eine hellblaue Tüte mit Stiften und Süßigkeiten. Vorher ging es in die Kirche. Das war auch bei beiden Jungs so. Da kam die Verwandtschaft und die Paten, sogar Freunde, hinzu. Wir waren beim Griechen zum Essen und es wurden viele Fotos gemacht. Julians Schultüte wurde von der Patentante selbst gebastelt. Übertrieben wird die Einschulung heutzutage nicht. Es soll eben etwas Besonderes sein. Das Leben ist später ernst genug – Christian Bartels mit Nelson und Julian aus Hademstorf

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