Foto: Ellen Ersing

Wechselnde Winde hinter jeder Landzunge

12. Juli 2015

Alle Möglichkeiten des Wassersports am See von Vassivière in der französichen Region Limousin

Pays de Vassivière. Bei dem Wort „Stausee“ denken viele an ein künstliches, eher langweiliges Gewässer mit Ufern, die durch wechselnde Wasserstände oft steinig, schlammig und trostlos wirken.

Nichts von alledem am Lac de Vassivière in der französischen Region Limousin am westlichen Rand des Zentralmassivs: Wie gemalt schmiegt sich die eintausend Hektar große Wasserfläche zwischen die Hügel, seit das Flüsschen Maulde im Jahre 1950 hier aufgestaut wurde. 40.000 Menschen können so ganzjährig durch Wasserkraft mit Strom versorgt werden. Durch den Staudamm bildeten sich Halbinseln und drei Inseln, von denen zwei durch Dämme und Brücken vom Seeufer zugänglich sind. Wer mit der Größenangabe von 1000 Hektar nichts anfangen kann: Die Strandlänge rundum beträgt 45 Kilometer.
Der See von Vassivière hat sich über die Jahrzehnte zu einem vielfältigen Wassersportrevier entwickelt.

Das beginnt mit familienfreundlichen Bade- und Schwimmmöglichkeiten, wobei kleine Buchten auf natürlichem Wege versandet sind, während man bei den größeren per Lkw ein wenig nachgeholfen hat. Es gibt auch einen offiziellen FKK-Strand, dessen Besucher in Frankreich Naturisten genannt werden. Die Krönung an Größe sind zwei Ausflugsschiffe zu Rundfahrten, auf denen nicht nur die Geschichte des Sees zum Zwecke der Stromgewinnung, sondern auch die Natur rundum erklärt wird – überwiegend bewaldet und mit einer reichen Pflanzen- und Tierwelt gesegnet. Zu bestimmten Zeiten verwandelt sich eines der beiden Schiffe in ein schwimmendes Restaurant.
Zwischen Badegästen im Gummiboot und auf dem Passagierdampfer bevölkern alle Arten von Wasserfahrzeugen den See: Tret- und Ruderboote werden ebenso verliehen wie Kanus. Zwei Zonen sind für das in Frankreich beliebte Wasserskifahren ausgewiesen, Surfer setzen bei windigem Wetter bunte Farbtupfer auf die blaue Fläche, in der sich das Grün der Bäume widerspiegelt. An sechs Stellen am Seeufer kann man sein auf dem Trailer eigenes mitgeführtes Boot kostenfrei zu Wasser lassen, ob  mit Motor oder Mast.
Gerard Duchez hat seine sieben Meter lange Jacht am Steg des örtlichen Segelclubs vertäut. Das Boot hat die ideale Größe für dieses Gewässer, ist wendig, so dass der Mensch am Ruder leicht auf die wechselnden Windrichtungen reagieren kann – eine schöne Herausforderung für jeden erfahrenen Segler: Hier geht’s nicht einfach geradeaus wie auf dem Bodensee oder auf dem offenen Meer, schon hinter der nächsten baumbestandenen Landzunge kann sich der Wind ändern, warten womöglich Böen oder eine Flaute.

Jeden Sonntag den ganzen Sommer über messen sich die Anhänger der Fortbewegung mit Hilfe aufgespannter Tücher in einer Clubregatta.
Der Lac de Vassivière ist alles andere als überlaufen, wozu seine nicht eben zentrale Lage beiträgt. Die Gegend ist sehr dünn besiedelt, Limoges, die nächste Großstadt und Verwaltungszentrum des Limousin, liegt mehr als sechzig Kilometer entfernt.

So gibt es rund um den großen See nicht mehr als 160 Hotelbetten und 76 Privatunterkünfte, außerdem Ferienhäuser und einige Campingplätze.
Dabei muss man nicht unbedingt Segler, Surfer oder Paddler sein, um sich am Ufer und in den Wäldern rund um den See wohlzufühlen. Man kann angeln, reiten, Rad fahren und wandern, und wer seinen Rucksack nicht selbst tragen möchte, mietet sich einen geduldigen Packesel, der einem obendrein Zelt und Kochgeschirr schleppt (www.anes-de-vassiviere.com, auch auf deutsch).

Mit zwei Übernachtungen auf Campingplätzen lässt sich so der See umrunden, jederzeit ein Bad nehmen – im Sommer erwärmt sich das nasse Element in Ufernähe auf mehr als zwanzig Grad: pure Natur zu Wasser und an Land.
Informationen: www.lelacdevassiviere.com
Dr. Bernd-Wilfried Kießler

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