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Was vollkommen ist, soll so bleiben

10. Juni 2018

Seit 30 Jahren ist Heinz-Günther Eggers aus Groß Heins passionierter Imker. Doch dies war nicht immer so, denn als kleiner Junge machten ihm die Bienen Angst. Das war allerdings, bevor er lernte, mit den kleinen Geschöpfen zu kommunizieren. Heinz-Günther Eggers erinnert sich: „Mein Vater war Imker, doch als kleiner Junge flößten mir die Bienen großen Respekt ein und so stand ich immer ängstlich am Fenster und schaute nach draußen, wenn mein Vater die Bienenwaben leerte“, erzählt Eggers. „Als mein Vater schwer erkrankte und sich nicht mehr um die Bienen kümmern konnte, wanderten nach und nach die Völker ab und ich sah, wie traurig ihn das machte.“

Er war Anfang 30 und im Verwaltungsdienst tätig, als er mit seinen Kollegen darüber sprach. Zwei waren selbst Imker und nahmen ihn mit zu ihren Bienenstöcken und so verlor er nach und nach die Angst vor den Bienen und wurde regelrecht „süchtig“ nach der Imkerei. „Ich habe viele Schicksalsschläge im Leben nur durch die Bienen überstanden. Sie haben mir Halt gegeben in schwierigen Zeiten.“ Dass Heinz-Günther Eggers mit seinen Bienen kommunizieren kann, nimmt man ihm sofort ab, wenn man die Geschichten hört, die er voller Liebe über „seine Bienen“ erzählt. „Bienen leben seit Jahrhunderten auf der Erde und haben sich nicht verändert. Der liebe Gott hat hier etwas Vollkommenes erschaffen, und deshalb muss es auch nicht verbessert werden“, so Eggers.

„Eine Biene ist wie kein Geschöpf von Grund auf böse oder greift grundlos an. Wird das dunkle Brummen zu einem hellen Sirren und halten die Bienen entsprechend ihre Flügel auseinander, weiß ich, dass ich im Weg stehe und gehe einfach zur Seite.“ Auch am Einflugloch erhält Eggers Kenntnisse über das Vorkommen im Inneren des Bienenkorbes. „Ein guter Imker muss den Korb nicht öffnen, um zu sehen, was drinnen los ist. Für die alten Korb-Imker früher war das selbstverständlich.“

Heinz-Günther Eggers ist dabei, seine Imkerei von den heute üblichen Magazinen auf die Korb-Imkerei umzustellen, da diese mehr im Einklang mit der Natur steht. Im Gegensatz zu einem üblichen Imker-Magazin kann ein Bienenkorb zwar nur einmal im Jahr geerntet werden und bringt dann mit rund 12,5 Kilo Honig auch nur 30 bis 50 Prozent des Ertrages eines Magazins, doch dieser ist dann auch sehr viel reichhaltiger an Inhaltsstoffen, weil das ganze Jahr über gesammelt wurde und gilt als besondere Delikatesse. „Es gibt einige türkische Männer, die von weit her kommen und diesen Honig kaufen, ohne nach dem Preis zu fragen, da er potenzfördernd sein soll“, schmunzelt Eggers.

Selbst aus Argentinien, Korea und Florida kommen Besucher und andere Imker, um Informationen über die Korb-Imkerei zu erhalten. Auch die Landwirte in der Umgebung vertrauen auf sein Urteil: „Heinz, wir wollen Heu machen, was sagen denn deine Bienen? Bleibt es trocken?“ Da der Imker und seine Bienen sich nie irren, bedanken sich die Bauern mit der Aussaat einer speziellen Blütenmischung, die Anfang Mai ausgesät wird, damit die Bienen in der blütenarmen Zeit ab Ende Juli genügend Nektar sammeln können.

Wer mehr über die interessanten Insekten und die Imkerei wissen möchte, kann dies bei einer Führung in Heinz-Günther Eggers Imker-Museum in Groß Heins, in dem sich beachtliche 109 Bienenkörbe und über 2.000 Exponate, die er in der ganzen Welt gesammelt hat, befinden. Ob Wespen- oder Hornissennester – auch für Kinder ist der Besuch interessant. An eigens für Kinder gebauten Stationen können diese beispielsweise sehen, wie eine Honigschleuder funktioniert. Am langen Besprechungstisch kann eine Pause gemacht werden und sogar eine Toilette, die innen wie eine Wabe gestaltet ist, gibt es hier. Die alten Buchten der Kartoffelscheune sind dabei in verschiedene Themenbereiche wie Bienenkorb-Flechterei oder Arbeitsutensilien von früher und heute unterteilt.

„Eine Führung dauert rund eineinhalb Stunden, aber die Themen ergeben sich immer aus den Fragen, die die Besucher stellen“, berichtet Heinz-Günther Eggers. Offizielle Öffnungszeiten hat er keine, eine Führung kann ab zwei Personen telefonisch vereinbart werden unter Telefon (04237) 380 oder Mobil (0172) 4343765.

(chi)

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