Was nun – hilft oder schadet der Brexit den Briten?

10. Juli 2016

Gerade die beiden größten Brexit-Befürworter in England nehmen ihren Hut und das mit fadenscheinigen Begründungen.

So möchte Hardliner Nigel Farage „sein Leben zurück haben!“ Er habe alles erreicht, was es zu erreichen gibt – der Mann, der das sagt, ist gerade mal 52 Jahre jung. Die Anhänger der rechtspopulistischen Ukip trifft sein Rücktritt völlig unvorbereitet. Bereits vor der Parlamentswahl vor einem Jahr war er schon einmal zurückgetreten, wenig später war er wieder da.

Ein echter Schock war auch der Rückzug von Boris Johnson. Er wolle sich jetzt doch lieber nicht als Premierminister bewerben, verkündete er. Schon merkwürdig: Innerhalb von wenigen Tagen hat das Brexit-Lager sein Gesicht verloren. Verdächtig war auch ein Brief von 80 Brexit-Abgeordneten an Premier David Cameron in der Wahlnacht: er möge doch bitte im Amt bleiben, ganz gleich, wie das Referendum ausgehe – Mitunterzeichner: Boris Johnson. Cameron hatte das Referendum initiiert und für einen Verbleib in der EU geworben.

Die Briten haben sich für den EU-Austritt entschieden. 51,9 Prozent stimmten für den Brexit, 48,1 Prozent votierten für den Verbleib. Die Befürworter des Brexit hatten für Großbritanniens Souveränität plädiert, vor allem, weil das Land der drittgrößte Nettozahler der Union ist. Sie forderten außerdem, die Kontrolle über die Grenzen zurückzugewinnen, den angeblichen Missbrauch der Sozialsysteme durch EU-Ausländer zu verhindern und die übermäßige Regulierung durch Brüssel bei mangelnder demokratischer Legitimität loszuwerden. Für viele Unternehmen drohen Zölle, viel Bürokratie und eine Verteuerung der hiesigen Exporte durch den Verfall des britischen Pfunds.

Die Engländer haben entschieden und müssen selbst mit dem Ergebnis fertig werden. Da sollte man nicht versuchen, sie aufzuhalten oder etwas hin und her zu schieben. Meine Prognose: Die Europastaaten werden zusammenhalten und es wird weitergehen mit der EU. Die Engländer werden Nachteile haben und wir werden das aushalten. Die EU hat viele Bürger mit ihren Entscheidungen nicht mehr erreicht und deshalb muss sie dringend reformiert werden, damit andere Staaten nicht nachziehen – Charlie Carstens aus Nindorf

Wir fahren nächste Woche nach England. Ich habe die Reise schon vor der Abstimmung gebucht und gar nicht über den Brexit nachgedacht. Da gibt es gemischte Gefühle. Ich habe mit vielen Engländern gesprochen und sie sagten mir, es sei eine komische Stimmung im Land. Viele bereuen ihre Entscheidung. Nigel Farage ist zurückgetreten. Die Ratten verlassen das sinkende Schiff. Mich verbindet viel mit dem Land und ich hoffe, dass die Menschen nicht so viel unter dem Austritt leiden. Touristen werden keinen Nachteile haben, aber es ist eine Reise ins Ungewisse – Annalena Horl mit Annika aus Walsrode

Der Brexit ist ein großer Fehler, weil das Volk nicht genau wusste, worum es eigentlich geht. Die Politik in den Ländern müsste intensiver betrieben werden, damit man sieht, welche Vorteile die EU bringt. Wir fühlen uns kosmopolitisch, doch es gibt eine bestimmte Ordnung, die für alle gleich ist. Sorgen macht der Nationalismus, der ist rückwärts gewandt und irrational. Das Votum sollte gekippt werden. Diejenigen, die die Kampagne gepuscht haben, geben auf. Sie haben die Konsequenzen nicht bedacht – Guillermina und Helmut Schöfer aus Walsrode

Ich finde die Entscheidung schwierig. Es gibt Vor– und Nachteile für beide Seiten. Gerade die Schotten wollten immer eigenständig sein und haben immer gegen England angekämpft. Nun haben sie die Chance, Eigenständig zu werden und in die EU einzutreten. Ich glaube nicht, dass andere Mitgliedstaaten nachziehen werden und auch austreten. Für uns wird sich nicht viel ändern. Dafür aber für die Engländer um so mehr. Die verantwortlichen Politiker gehen bereits. Die Situation ist schwierig – Lisa Grube aus Nienburg

Ich halte vom Brexit nichts. Der Schuss geht nach hinten los. England wird keinen Erfolg haben. Sie können nicht ohne die EU. Erst waren die meisten dafür, aber die jungen Leute und die Schotten haben sie nicht gefragt. Nun gehen sie auf die Straße und wollen in der EU bleiben. Holland will auch raus, es wird ein Schwanz ohne Ende. Ich kann mir vorstellen, dass die Preise teurer werden. Noch hält die EU die Preise konstant. Doch wer weiß, was in ein, zwei Jahren ist. Da hat Deutschland nicht mehr viel zu melden – Bodo Haack aus Walsrode

Wir Deutschen können den Austritt nicht verstehen. Doch bei den Engländern, mit ihrer Geschichte, sieht es anders aus. Gerade die älteren leben in der Vergangenheit. Die jüngeren gehen auf die Straße, weil sie sich nicht von der  EU abkoppeln lassen wollen. Sie erhoffen sich Vorteile, durch den Verbleib in der EU. Die Gefahr besteht, dass, wenn die Engländer Erfolg mit ihrem Austritt haben, andere Mitgliedstaaten wie Frankreich und Holland folgen werden. In Polen geht auch ein Rechts-Ruck durch die Regierung, die am Werk ist, und die hat mit Brüssel und der EU nicht viel am Hut – Werner Bergmann aus Fulde

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