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7. Mai 2018

Ärztliche Behandlung vor dem Bildschirm

Ach, was waren das noch für Zeiten! Man lag als Kind krank mit Mumps darnieder und spät abends kam der Doktor persönlich ans Krankenbett und man wusste: „Bald ist alles wieder gut!“. Und wo er schon mal da war, zeigte Papa ihm auch gleich sein Hühnerauge und es wurde noch ein Rezept ausgeschrieben. Doch welcher Arzt macht heutzutage noch Hausbesuche?

Noch ist es Ärzten verboten, ihre Patienten übers Internet zu behandeln. Doch bald könnte auch hier die Technik Einzug halten. Wenn dann ein neuer Patient kommt, vibriert nur kurz das Telefon. Auf dem Bildschirm erscheint eine Kurzmitteilung, automatisch erstellt von einem Computer, darin nicht einmal der Name des Kranken, nur ein Code, dazu die Zeitspanne, wann der Patient den Arzt sprechen möchte. Wenn der Zeit hat, tippt er eine Antwort in sein Telefon und drückt auf „Senden“: Ja, 13 Uhr. Sein Patient hat dann einen Termin, und der Arzt wird sich rechtzeitig an den Schreibtisch setzen, das moderne Notebook einschalten, die Kamera ausrichten, sich Kopfhörer aufsetzen und auf den Anruf warten. So wie hier in Baden-Württemberg beschrieben, könnte auch schon bald bei uns die Zukunft aussehen.

Der Vorteil: Wenn Ärzte ihre Patienten über das Internet behandeln würden, wenn sie via Smartphone Krankheiten erkennen und Rezepte ausstellen könnten, müssten die Menschen bei Erkältung und Fieber nicht mehr kilometerweit zum Hausarzt ins übernächste Dorf fahren oder für ein neues Rezept zum Internisten in die nächstgrößere Stadt. Sie könnten zu Hause bleiben, im Bett oder auf der Couch, um ihr Haus nur dann zu verlassen, wenn es etwas Ernstes ist oder etwas, bei dem der zugeschaltete Arzt nicht weiterkommt. So malen es sich die Befürworter der Fernbehandlung aus, nicht zuletzt, weil der Landarztmangel eines der drängendsten gesundheitspolitischen Probleme dieser Legislaturperiode ist. Fernbehandlung, so sehen es die Optimisten, könnte sogar Leben retten, weil die Notaufnahmen der Kliniken dann nicht mehr überlastet wären mit Bagatellfällen, weil sich dann die Krankenhausärzte um die wirklichen Notfälle kümmern könnten.

Wir wohnen 15 Kilometer von Köln entfernt und haben noch einen guten Doktor im Nachbarort. Es ist eine Gemeinschaftspraxis und da ist immer einer der Ärzte da. Ein „Hausbesuch“ über Computer halte ich für schwierig, das kann ich mir nicht vorstellen. Aber es ist immer noch besser, als gar kein Arzt. So ist wenigstens jemand da, mit dem man über das Problem im Notfall reden kann. Bei uns sind die Notfallpraxen im Krankenhaus überlaufen, da viele bei jeder Kleinigkeit gleich ins Krankenhaus rennen, statt zum Arzt zu gehen – Renate Mosch aus Bergheim

Das Problem ist die medizinische Versorgung auf den Dörfern, die könnte besser sein. Viele Arztpraxen können nicht mehr besetzt werden. Es fehlt auch an Spezialisten. Viele haben lange Wartezeiten, bevor man überhaupt dran kommt. Aber eine Ferndiagnose über den Computer wäre keine Alternative zu einem Hausbesuch. Wir machen schon viel über den Computer, aber wenn man die älteren Herrschaften sieht, die können nicht mal eben so online betreut werden. Bei den Krankenkassen herrscht jetzt schon eine Zwei-Klassen-Gesellschaft – Wolfgang Dierking aus Walsrode

Das kann ich mir vorstellen. Es gibt bei uns die Auflage, dass das Erstgespräch persönlich geführt werden muss. Aber ansonsten brauche ich nicht unbedingt die „körperliche“ Nähe. Es wäre für uns alle günstiger, denn die Kosten werden allgemein von den Krankenkassen-Mitgliedern getragen. So würde der Arzt mehr Patienten in der Zeit schaffen. Ich habe hier in Walsrode kein Problem mit langen Wartezeiten, außer beim Hautarzt. Hier ist es anders als auf dem Dorf. Mittlerweile kann sich der Patient bei Bagatellen selbst krankschreiben und für drei Tage abmelden – Dr. Christopher Lehmann aus Walsrode

Nein, das geht gar nicht. Ein persönliches Gespräch sollte immer sein, und das ist am Computer nicht gegeben. Allerhöchstens im Notfall, wenn keiner zu erreichen ist. Aber auch sonst würde ich immer ins Krankenhaus fahren. Bei Fachärzten bekommt man sowieso schlecht einen Termin und dann muss man auch noch lange Wartezeiten einplanen. Aber bei meinem Allgemeinarzt warte ich höchstens mal ein halbe Stunde. Das geht noch. Wir sind mit drei Ärzten in Schwarmstedt gut bestückt. Viele Ärzte gehen ins Ausland, weil sie hier nicht genug verdienen. Man müsste ihnen einfach mehr Geld bieten – Peter Kalisch aus Schwarmstedt

Ich finde es total blöd. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass man dabei eine vernünftige Diagnose stellen kann. Viele würden sich auch so einen Krankenschein erschleichen und viele ältere Menschen haben nicht die Möglichkeit und den Zugriff auf Computer oder einen Laptop. Fürs Walsroder Krankenhaus benötigt man eine stabile Gesundheit. Da sind fünf Stunden Wartezeit in der Aufnahme keine Seltenheit und dann kommt ein Arzt, der kein Deutsch spricht. Es gibt hier auch zu wenig Fachärzte. Viele verdienen nicht genug und gehen ins Ausland – Christa Schmidt aus Walsrode

Ich kann mir vorstellen, bei kleineren Sachen den Arzt über Computer zu konsultieren. Im Notfall würde ich direkt ins MVZ (Medizinisches Versorgungszentrum) fahren. Die Damen im Vorzimmer belegen die Termine doppelt und dreifach. In der Zeit, die wir hier hätten warten müssen, sind wir nach Bremen und zurück gefahren und das ohne Anmeldung! Besonders schwer ist es, einen Termin beim Facharzt zu bekommen. Am besten man wird nicht krank und nicht älter. Die deutschen Ärzte sind einfach unterbezahlt. Viele gehen ins Ausland – Ilka und Carsten Sick aus Hodenhagen

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