Was halten Sie vom Führerschein mit 16 Jahren?

24. Juni 2018

Die Verkehrsminister der Länder haben einen Vorschlag gebilligt, wonach Jugendliche schon mit 16 Jahren begleitet Auto fahren dürften.

Den Vorstoß hatten Schleswig-Holstein und Niedersachsen gemacht. Der Kieler Staatssekretär für Verkehr, Thilo Rohlfs, erklärte bei der Frühjahrskonferenz der Minister in Nürnberg: „Begleitetes Fahren ab 16 Jahren rückt ein Stück näher.“ Dafür müsse allerdings noch die EU-Kommission überzeugt werden. Bislang gelte in der EU für den Autoführerschein das Mindestalter 17. Laut Rohlfs wird der EU-Führerschein-Ausschuss im Herbst zu dem Thema tagen. Experten erhoffen sich vom begleiteten Fahren einen Rückgang der Verkehrsunfälle von jungen Erwachsenen. Unter anderem die Deutsche Verkehrswacht feiert das begleitete Fahren als Erfolg. 2004 wurde es in Niedersachsen gegen Widerstände als Modellversuch eingeführt. Ein Jahr später machte der Bundestag den Weg frei für eine einheitliche Regelung in Deutschland.

Die Teilnehmer im niedersächsischen Modellversuch hatten nach ihrer Begleitphase 28,5 Prozent weniger Unfälle verursacht als Fahranfänger einer Kontrollgruppe, die den Führerschein regulär mit 18 Jahren erworben hatten. Erfahrungen sammeln, Routine entwickeln, Unfallrisiko senken: Das war die Idee vom begleiteten Fahren ab 17 Jahren. Der ehemalige Modellversuch ist zu einem Vorzeigeprojekt geworden, das nun immer mehr Jugendliche anzieht. Beim BF17 können Jugendliche ihre Führerscheinprüfung bereits kurz vor dem 17. Geburtstag absolvieren, um dann ein volles Jahr begleitet fahren zu können. Bisher lag in der Altersgruppe der 18- bis 25-jährigen Autofahrer das größte Unfallrisiko, verglichen mit anderen Altersgruppen. Auch wenn der Schulungsaufwand in den Fahrschulen ständig gesteigert wurde, sind Führerscheinneulinge bei ihren ersten Alleinfahrten verschiedenen Gefahren ausgesetzt, zum Beispiel durch mangelnde Fahrpraxis oder Selbstüberschätzung.

Meine drei Kinder haben mit 17 Jahren den Führerschein gemacht, und ich habe sie von Anfang bis Ende begleitet. Es hängt auch vom Charakter ab. Unsere Jüngste wollte immer nur Gas geben, hatte keine Angst vor der Autobahn und fuhr nur links. Sie ist letzte Woche 18 Jahre alt geworden. Von daher ist das begleitete Fahren mit 17 Jahren sehr von Vorteil. Mit 16 finde ich es zu früh, da genügt der Moped-Führerschein. Bei uns auf dem Dorf fährt kein Bus. Da mussten wir die Kinder immer fahren – Katrin von Fintel aus Neuenkirchen

Ich habe meinen Führerschein mit 16 Jahren begonnen. Ich fand es gut, dass ich so noch ein Jahr mit meinen Eltern fahren konnte. Das hat viel gebracht. Dabei habe ich mehr gelernt als in der Fahrschule. Am Anfang war meine Mutter sehr nervös, aber je länger ich fuhr, umso entspannter wurde sie. Man kam in Situationen, die in der Fahrschule gar nicht passieren. Ich kann es nur empfehlen. Auch das Fahren mit meinen Vater war sehr lehrreich. Er war entspannt und ich fühlte mich im Straßenverkehr einfach sicherer mit ihm an der Seite, als komplett alleine zu fahren – Katrin Schechtel aus Walsrode

Ich finde den Führerschein mit 16 Jahren gut. Mein Sohn hat den Führerschein mit 17 Jahren begonnen. Damals bin ich mit ihm gefahren. Man sitzt als Elternteil dabei und hat mehr Kontrolle. Zum Beispiel, wenn im Herbst die Blätter fallen, kann man viel mehr auf die Gefahren aufmerksam machen. Wer als Begleitperson mitfährt, muss eingetragen sein. Als Beifahrer der Kinder bremst man automatisch mit. Aber die jungen Leute sind motiviert und wollen fahren und sind auch stolz darauf – Renate Gerber aus Walsrode

Das finde ich nicht gut. Die Fahranfänger werden immer jünger. Nächstes Jahr geht es dann schon mit 15 Jahren los. Die Jugendlichen haben noch keine Erfahrung und kein Schuldgefühl für das, was passieren kann. Sie brauchen eine gewisse Reife. Es reicht im Prinzip, wenn sie in dem Alter mit den Eltern mitfahren und Erfahrungen sammeln. Sie sind einfach zu unbedarft. Sie müssen ja nicht mit dem Auto zur Schule kommen. Da reicht das Rad oder es findet sich ein anderer Weg. Früher sind wir auch so zur Schule gekommen – Ralf Ortmann aus Stendal

Ich bin dafür. Der Verkehr wird nicht weniger, sondern mehr. Je eher die Jugend ans Autofahren herangeführt wird, umso besser. Wichtig ist eine vernünftige Ausbildung in der Fahrschule und dass sie begleitet fahren. Es ist klar, dass man sie noch nicht alleine loslassen kann. Ich komme vom Dorf. Da sitzt man schon in jungen Jahren auf dem Trecker und lernt
fahren. Je früher man Erfahrungen sammelt, umso besser. Man sollte es nicht vom Alter abhängig machen, sondern per Eignungstest – Seh- und Reaktionstest –, der dann aber auch im Alter wiederholt wird – Jörg Rath aus Walsrode

Eigentlich ganz gut, aber nur, solange die Eltern die Kinder begleiten. Die sollten auf jeden Fall dabei sitzen. Ich habe meinen Führerschein auch mit 17 Jahren gemacht. Man hat durch die Eltern viel Erfahrung gesammelt und viele Tipps bekommen. Es hat geholfen, ich fahre jetzt sicherer. Wenn der Führerschein mit 16 Jahren kommt, sollten die Eltern zwei Jahre die Kinder begleiten. Am Anfang war meine Mutter nervös, aber es war nicht so schlimm. Damit muss man einfach klarkommen – Finn Meinhold aus Bad Fallingbostel

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