Warum werden wir Deutschen immer inaktiver und was tun Sie dagegen?

23. September 2018

Immer mehr Menschen aus reichen Ländern bewegen sich nicht genug.

Auch in Deutschland ist die Zahl der Menschen, die zu wenig Sport treiben, gestiegen. Um mehr als 15 Prozent ist die Zahl derjenigen gestiegen, die sich laut Forschung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nicht ausreichend körperlich betätigen. 2016 bewegten sich demnach 42,2 Prozent der Deutschen nicht genug. Unter den wirtschaftlichen vergleichbaren Staaten sind nur die Portugiesen, Neuseeländer und Zyprioten bequemer. Weltweit betrug der Anteil der körperlich inaktiven Menschen im Jahr 2016 27,5 Prozent – lediglich ein Prozent weniger als 15 Jahre zuvor. Menschen in reicheren Ländern sind dabei meist weniger aktiv (rund 37 Prozent) als Menschen in ärmeren Ländern (rund 16 Prozent). Die WHO hat sich zum Ziel gesetzt, die körperliche Aktivität der Menschen bis 2030 deutlich zu steigern.
Doch wenn sich die aktuellen Trends nicht verändern, wird das Ziel bis 2025 nicht erreicht. Es müssten dringend Maßnahmen getroffen und entsprechende Anreize geschaffen werden, damit sich die Menschen mehr bewegen. Körperlich ausreichend aktiv ist, wer sich in der Woche 150 Minuten bewegt oder 75 Minuten Sport treibt.
Um durch Sport oder Bewegung die Gesundheit zu verbessern, sollten sich Erwachsene laut WHO allerdings doppelt so viel bewegen. Die WHO sieht die Politik in der Pflicht, die körperliche Aktivität der Bevölkerung zu fördern. In einem Aktionsplan schlägt die WHO unter anderem vor, die Sicherheit für Fußgänger und Fahrradfahrer im Straßenverkehr zu verbessern und für mehr Sportangebote und Sportstätten zu sorgen.

Ich gehe jeden Mittwoch für zwei Stunden zum Fußballtraining und am Wochenende geht’s zum Spiel. Ich spiele seit Kurzem bei den 2. Herren Vorbrück Walsrode in der 2. Kreisklasse. Mein Vater hat mich früher nie mit dem Auto irgendwohin gebracht. Auch bei schlechtem Wetter bin ich immer mit dem Fahrrad gefahren. Jetzt fahre ich Auto. Man wird bequem. Früher hat man mehr draußen an der frischen Luft gespielt. Heute ist es seltener geworden, da sitzen die Kinder im Haus bei Online-Spielen. Da sind die Eltern gefordert – Samuel Kohlmetz aus Walsrode

Ich habe viel Bewegung durch meinen Job als Heilerziehungspfleger. Wir versuchen viel, mit den Bewohnern zu unternehmen, damit sie am Leben teilhaben können. Auch Sport, im Rahmen ihrer Möglichkeiten, gehört dazu. Es gibt ein vielfältiges Angebot. Die Sportangebote sind weit gefächert und die Hobbies, wie unter anderem therapeutisches Reiten, werden unterstützt. Die Deutschen werden immer bequemer und der innere Schweinehund siegt oft. An Angeboten hapert es nicht. Ich selbst fahre in meiner Freizeit Rad und gehe, wenn es klappt, einmal die Woche ins Fitnessstudio – Guido Schneider aus Walsrode

Durch meinen Job als Polizeibeamtin laufe ich am Tag rund acht Kilometer. Ich arbeite auf dem Flughafen Bremen, da sind die Wege lang. Die Kilometerzahl wurde durch einen Schrittzähler bestätigt. Es sind sogar manchmal mehr Kilometer bei Einsätzen oder beim Sicherheitscheck im Gepäckkeller. Kollegen auf großen Flughäfen nutzen schon „Segways“. In meiner Freizeit fahren wir Rennrad. Es ist traurig, dass die Deutschen immer inaktiver werden. Viele Kinder sind auf den PC fixiert und „Mama-Taxi“ fährt sie direkt vor die Schule. Dadurch werden sie auch unselbstständiger. Ich wurde nie zur Schule gefahren – Michaela Eickhoff aus Düshorn

Durch meinen Beruf als Artistin trainiere ich täglich. Durch die Geburt meines vierten Kindes hatte ich allerdings 18 Monate Pause. Daher müssen noch zehn Kilo runter. Je schwerer ich bin, desto schwerer habe ich es auch bei meiner Artistennummer am Trapez. Die Kinder sitzen heute viel mehr vor dem Fernseher oder der Playstation. Leider kommen auch immer wenige Kinder in der Freizeit zu uns zum Zirkus, um nachmittags mit unseren Kindern zu spielen. Unsere Kinder sind den ganzen Tag draußen und sind aktiv – Karina Köhler mit Alechandro aus Visselhövede

Ich radle viel und gehe jeden Tag spazieren. Auch nach der Mittagspause geht’s raus und manchmal noch abends eine Stunde. Bewegung und frische Luft, mehr brauche ich nicht. Wenn das jeder macht, bräuchten wir keine Ärzte. Im März 2019 werde ich 80 Jahre alt. Ich will auch kein Auto fahren, sondern fahre überall mit dem Rad hin. Die Familie ist aber da und bietet es mir immer an, wenn mal etwas ist. Ich habe schon früher als Kind immer auf dem Hof geholfen, war immer aktiv und habe gearbeitet. Das fehlt heute vielen – Elisabeth Florian aus Walsrode

Einmal die Woche gehe ich zum Yoga. Durch unseren landwirtschaftlichen Hof bin ich täglich körperlich gefordert und bewege mich viel an der frischen Luft. Doch beim Yoga finde ich den nötigen Ausgleich. Da werden auch andere Muskeln beansprucht und der Rücken gestärkt. Ebenso übt man sich in Achtsamkeit und der Atemtechnik. Das kann man auch im Alltag anwenden. Inaktivität ist menschlich. Der Mensch ruht sich lieber aus, als aktiv zu sein. Viele können sich schlecht überwinden, weil sie nicht wissen, wie gut es ihnen tut. Oft kommt die Einsicht zu spät – Anja-Catrin von Eller-Eberstein aus Hütthof

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