Warum sind die Deutschen nicht glücklicher?

26. März 2017

Warum zählen wir Deutschen dann laut „World Happiness Report“ nicht zu den glücklichsten Menschen? Stattdessen sind es die Norweger – die das glücklichste Volk der Welt stellen. Dicht auf den Fersen in Sachen Glück sind ihnen die nordischen Nachbarn aus Dänemark und Island. Finnland landet hinter der Schweiz auf Platz Fünf, und auch Schweden schafft es noch in die Top Ten.

Oft sind es die kleinen Alltagsfreuden, die die Wikinger-Nachfahren glücklich machen. Zum Beispiel, einfach den Sonnenschein  genießen oder den Frühling, der im Anmarsch ist, die Natur oder mit Freunden zusammen zu sein. Was die Norweger so glücklich macht ist, dass die meisten keine großen Sorgen haben. „Wir sind ein reiches Land. Wir haben viele Ressourcen und ein hohes Einkommen“, sagt der Soziologe Anders Barstadt vom norwegischen Statistikamt. Hinzu kommen sehr geringe Einkommensunterschiede, wenig Armut und Arbeitslosigkeit.

Wer Arbeit und eine gesunde Familie hat, nimmt sich eher als glücklich wahr oder sieht zumindest keinen Grund, es nicht zu sein. Experten zufolge hängt das Glücksempfinden der Menschen vor allem von den Faktoren Fürsorge, Freiheit, Großzügigkeit, Ehrlichkeit, Gesundheit, Einkommen und gute Regierungsführung ab. Die Nordmänner vertrauen nicht nur den Behörden, der Polizei und der Justiz mehr als die Menschen in anderen Ländern, sondern auch einander. Trotz der Dunkelheit im Norden, sind laut Statistik nur wenige Norweger depressiv. Deutschland stagniert auf Platz 16, vor Großbritannien und Frankreich.

Wenn man arbeitet und Kinder hat, ist man im Dauerstress. Dadurch sind die  meisten Menschen heutzutage einfach nur genervt. Die Norweger erhalten im Bereich Familie viel mehr Unterstützung. Hierzulande sind die Chefs viel mehr profit- und gewinnorientiert. Man muss viel arbeiten, um einen gewissen Lohn zu erhalten und um einen gewissen Standard zu halten und das setzt einen unter Druck. Wir zahlen viel Steuern, aber bekommen vom Staat keine Unterstützung. Ich arbeite 35 Stunden die Woche in der Krippe, das ist sehr stressig – Jessika Kuhlmann mit Josephin aus der Wedemark

Ich fühle mich wie ein Norweger. Es geht uns gut. Ich sehe nichts, worüber wir uns beschweren könnten und wundere mich, wie viel wir doch zum Meckern finden. Die Meckermentalität liegt in unserer DNA. Dabei ging es uns noch nie so gut. Wir haben fast Vollbeschäftigung und seit 70 Jahren Frieden. Im Moment erleben wir, wie gut unsere Demokratie ist und dass sie nicht selbstverständlich ist, siehe Türkei. Ich möchte auch nicht mit den Amerikanern tauschen. Aber vielleicht sind wir so erfolgreich, weil wir immer mehr und höher hinaus wollen – Bernd Joachim aus Walsrode

Die Leute sind untereinander unzufrieden und wissen noch nicht mal, wie gut es ihnen geht. Wir haben wirklich alles und könnten zufrieden sein. Man muss nur mal Augen für die Natur haben. Jungen Leuten fehlt es heute an Dankbarkeit. Man kann es ihnen aber nicht verübeln. Es ist eine schnelllebige Zeit. Die Globalisierung überrascht, da fehlt das Miteinander, wie Sportveranstaltungen, die kleinen Kneipen, der Kaufmannsladen an der Ecke, einfach das soziale Miteinander und die Wertschätzung. Ich selbst bin froh, dass ich einigermaßen gesund bin und morgens meinen Kaffee trinken kann – Manfred Brandenburg aus Walsrode 

Heute bin ich glücklich, weil die Sonne scheint. Die Norweger sind vielleicht auch das schlechte dunkle Wetter gewohnt. Daher macht es ihnen nichts aus. Wenn das Wetter schlecht ist, ist es trotzdem dort gemütlicher als in Deutschland. Aber jeder ist für sein Glück verantwortlich, und es kommt auf die innere Einstellung an. Es liegt vielleicht daran, dass wir ziemlich viel arbeiten. Da liegt der Stressfaktor sehr hoch. Geld bringt auch nichts, wenn man im Job unglücklich ist. Das wirkt sich auf das Umfeld aus. Mit der Familie und Freunden zusammen sein, das soziale Umfeld macht glücklich – Jette Plehn aus Walsrode

Die Deutschen sind allgemein unzufrieden mit sich. Dabei kommt man mit einem Lächeln viel weiter. Außerdem sind wir sehr zurückhaltend. Im Restaurant würde sich nie jemand an einen Tisch zu Fremden setzen. Das soziale Miteinander ist hier anders. Man sollte mehr auf die Menschen zugehen. Ich habe kein Problem damit. Ich werde 87 Jahr alt und bin damals geflüchtet. Wir haben nie verzagt und nie aufgegeben, sondern angepackt und aufgebaut. Man kann nicht darauf warten, dass andere einem helfen und glücklich machen. Man kann auch mit wenig auskommen und muss nicht auf andere neidisch sein – Annelise Ray aus Beetenbrück

Ich bin Polin und lebe seit drei Jahren in Deutschland. Ich bin sehr glücklich hier. Ich lerne Deutsch und habe eine Arbeitsstelle. Im Moment bin ich zu Hause und im Mutterschutz. Das macht mich sehr glücklich. Wenn mein Sohn zwei Jahre alt ist, werde ich wieder arbeiten gehen. Deutschland ist super, das ist meine Einstellung! Uns geht es gut. Selbst Arbeitslose erhalten Geld zum Ausgeben. Auch in meinem Bekanntenkreis sind alle glücklich und zufrieden. Es liegt nicht am Geld, denn Geld allein macht nicht glücklich. Es ist eher eine Charaktereinstellung, dass man Wünsche auch mal zurückstellt – Justyna Bzowzowska mit Jakob aus Walsrode

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