Foto: www.vinschgau.net

Wandern zur Wassermusik

15. Februar 2015

Waale – so heißen die künstlich angelegten Wasserläufe, die den Vinschgau wie Lebensadern durchziehen und Südtirols Westen charakterisieren wie kaum ein anderes Kulturdenkmal. Seit 900 Jahren sorgen die historischen Kanäle in der niederschlagsarmen Alpenregion für fruchtbare Wiesen und Felder. Auf knapp zwei Dutzend Wegen folgen Wanderer dem Kurs des weit verzweigten Netzes und können es dank geringer Steigungen zu jeder Jahreszeit entdecken.

Besonders reizvoll aber ist eine Waalweg-Tour im Frühling, wenn die Schneeschmelze von den Gletschern strömt und in die Waale geleitet wird. Virtuelle Wanderkarte (maps.vinschgau.net) sowie Offline-App „Interaktive Karte Vinschgau“ (play.google.com) helfen bei der Streckenauswahl, eine eigene Ausstellung zum Thema finden Interessierte im Vintschger Museum in Schluderns. Im Vinschgau wurde der Begriff Waal (abgeleitet vom lateinischen Wort aqualis für Bach) im 12. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt.

Ähnliche Niederschlagsmengen wie in Sizilien zwangen die Bauern bereits damals, ein ausgeklügeltes Bewässerungsnetz zu konzipieren. Als nie versiegende Quelle dienten die umliegenden Gletscher, von denen das Wasser jeweils im Frühling „eingekehrt“ wird. Bis ins 19. Jahrhundert kultivierten die Vinschger Landwirte so ihre Weinberge, Obstwiesen und Getreidefelder. Um die Instandhaltung der Kanäle und die gerechte Verteilung des Wassers kümmert sich seit je der Waaler.

Für die problemlose Verrichtung seiner Arbeit sind die parallel verlaufenden Wege – heute reizvolle Wanderstrecken – einst angelegt worden. Mittlerweile haben moderne Bewässerungsanlagen das historische System beinah überall ersetzt. Der letzte Waal, der im Vinschgau errichtet wurde, ist der „Latschander“ von 1873 und bis heute in Betrieb. Ein schmaler Pfad gleich daneben führt eineinhalb Stunden auf knapp sieben Kilometern Länge durch die Weinberge von Latsch nach Kastelbell. Mit freiem Blick auf die Ortlergruppe schlängelt sich der leicht zu begehende „Oberwaalweg“ in etwa eineinhalb Stunden über die Malser Haide.

Ebenso aussichtsreich ist der „Tscharser Waalweg“ im unteren Vinschgau: Nach gut zehn Kilometern und etwa drei Stunden Gehzeit ab Kastelbell erreichen Wanderer Reinhold Messners Schloss Juval. Kurz davor passieren sie eine der letzten Waaler-Hütten der Region: Von hier kontrolliert der 75-jährige Adolf Gerstl zweimal täglich den Wasserlauf. Wer sich noch genauer informieren will, besucht die Dauerausstellung „s‘Wosser zum Wassern“ im Vintschger Museum in Schluderns (vintschgermuseum. com).

Unmittelbar hinter dem Museum verläuft der „Quairwaal“, von dem ein Teilstück mit Waalerhütte, Waalschelle und Erklärungstafeln versehen ist. Infos unter www.vinschgau.net oder Tel. +39 0473 62 04 80.

(jeh/so)

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