Foto: TVB Wilder Kaiser/Chris Thomas

Wandern und Wellness in Bilderbuchkulisse

17. April 2016

Auf Schusters Rappen mit allen Annehmlichkeiten der Natur und der Verwöhnkunst der Spezialisten an Herd und Massagetisch

„Die Füße ganz vorn ran, dann hinten den Hebel runterdrücken“, Daniela befestigt die Schneeschuhe lieber selbst an den Füßen der Schneewanderer, bevor die Fragestunde intensiver wird. Es gab sicherlich schon Wintergäste, die ihre Schuhe falsch herum angeschnallt haben. Heute ist das nicht der Fall. Es sind nur vier Deutsche mit auf den Startpunkt gekommen, den die erfahrerene Wanderführerin für die Expedition mit den Klappschuhen ausgesucht hat.

Am Horizont hebt sich hinter den Wäldern in der weißen Schneelandschaft eine Alm hervor, die besser mit dem Fernglas als mit dem bloßen Auge zu sehen ist. „Da geht’s jetzt hin“, lässt Daniela die Katze aus dem Sack und verängstigt die Mitstreiter, deren Bekanntschaft mit Erderhebungen bei der Höhe eines Maulwurfshügels endete. Doch dann marschiert das Quintett in Richtung Wilder Kaiser. Der Gebirgszug hebt sich malerisch vor dem blauen Himmel ab, was einige Skifahrer dazu bringt, sich vom Ellmauer Tor hinab genüsslich in das Tal gleiten zu lassen. Das Ellmauer Tor, so erklärt Wanderspezialistin Daniela ist eine Lücke zwischen zwei Bergspitzen des namengebenden Zuges der Region.

Die Bergspitzen des Wilden Kaisers sehen wie Wächter auf das Treiben zu ihren Füßen, wo gerade fünf Schneeschuhwanderer wie im Entenmarsch in kleinen Schritten an Höhe gewinnen. Gut gelaunt entlang eines malerischen Baches, der sich wie die Spur der Wanderer durch die Wälder schlängelt, zieht das Team aufwärts. Schneller als von allen Teilnehmern befürchtet, erhebt sich auf einmal wie eine rettende Erscheinung die Alm vor den Augen der fünf Leute mit den übergroßen Schuhen unter den Füßen, die ein Einbrechen in der Schneedecke verhindern sollen. Das klappt nicht immer, wenn unter den Pfaden Löcher als Überraschung lauern. Die Ortskenntnisse von Daniela lassen aber wenige Schrecksekunden zu, so dass die wesentlich schnellere Bergabroute mehr der landschaftlichen Schönheit als dem weißen Untergrund gewidmet ist.

Durch die Krallen, die sich in den Schneeschuhen befinden, lassen sich auch glatte Steigungen problemlos bewältigen und der Abstieg erfordert lediglich ein leichtes Einfühlungsvermögen in die Technik der Hilfen an den Füßen. So kann das Schneeschuhwandern richtig viel Spaß machen und begeistert sogar die Skifahrer unter den Mitgliedern der Gruppen.

Weniger auf die Hilfe an den Schuhen sind die Wanderer natürlich im Sommer angewiesen. Dann reicht festes Schuhwerk, um die Gemäldelandschaft um Ellmau, Söll, Scheffau und Going zu erforschen. Ein Geheimtipp ist dabei die Route um den Hintersteiner See, der zwischen Wäldern und Wiesen eingebettet ist. In seiner blauen Wassermasse spiegelt sich der Wilde Kaiser wie ein narzisstischer Regent von Tirol. Der See lässt sich auch von Menschen umwandern, für die das Wohnen im dritten Stockwerk schon eine sportliche Herausforderung ist. Gemütlich und ohne Hast lässt sich so die natürliche Schönheit Tirols aufsaugen und genießen.

Wen diese natürliche Art des Entdeckens der schönen Seiten des Lebens nicht ausreicht, kann in Ellmau und seinen drei angegliederten Ortschaften eines der gut sortierten Hotels genießen. In der Region verstehen es die Köche, mehr als nur einen delikaten Kaiserschmarrn und einen Topfenstrudel zu zaubern. Wer täglich mit einer anspruchsvollen Schar von Gästen zu tun hat, steigert sich offenbar in eine kreative Phase, die für reichlich Beifall von den Tischen sorgt. Ein Beispiel bester Bewirtung ist der Kaiserhof, der mit fünf Sternen dekoriert ist und dessen Küche auch Gaumen über mehrere hundert Kilometer anlockt. Da der Hausherr selbst der Küchenchef ist, überlässt er nichts dem Zufall und versucht täglich seinen Ruf zu untermauern.

Etwas weiter unten, räumlich gesehen, dürfen die Gäste die Wellnessoase für sich in Anspruch nehmen. Es kann der Eindruck nicht entkräftet werden, dass die Österreicher Weltmeister im Bauen von Wellnesstempeln sind. Auch im Kaiserhof wird diese These bekräftigt. Für die knapp 100 Gäste ist der Raum zwar in manchen Saunakabinen etwas eng, entzerrt sich aber, weil ein Teil der Besucher immer anderweitig beschäftigt ist, als sich dem gesunden Leben im Untergeschoss hinzugeben.

Mehrere Saunen, Pools und Whirlpools kennzeichnen in aller Regel die Hotels der südlichen Nachbarn. Gesäumt sind die Entspannungseinrichtungen von Pflegekabinen mit gut ausgebildetem Personal für Massagen und anderweitige Anwendungen. Auch im Kaiserhof können diese wohltuenden Errungenschaften modernen Verwöhnens gebucht werden. Wohl dem, der genügend Taschengeld dabei hat, dann wird der Aufenthalt zum Schweben wie auf Wolken.

Kurt Sohnemann

 

Foto: Kaiserhof EllmauFotos: Kaiserhof Ellmau

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