Ein Kultfahrzeug mit modernster Technik – der VW Beetle. Foto: (so)

VW Beetle

9. November 2015

VW Beetle Kurt Sohnemann
Verarbeitung
Gepäckraum
Verbrauch
Leistung
Ausstattung
Sitze

Bewertung:

3.3


Etwas Nostalgie serienmäßig

„Aller Anfang ist er“ steht auf dem Schild geschrieben, das 1974 in der Zulassungsstelle hängt. Darauf abgebildet ist ein VW Käfer, denn nahezu jeder zweite Fahranfänger kommt als zwangsläufiger Gast dieser Institution mit einem „Kuchentablett“ und einem länglichen Kennzeichen zum Landkreis, um das gebraucht gekaufte Fahrzeug hier erstmals auf seinen Namen anzumelden. Auch heute verfehlt niemand die Ohren eines benzingetränkten Zeitgeistes der Wirtschaftswunderzeit, wenn er vom Käfer schwärmt.

Eine gute Idee des Herstellers, Jahrzehnte später ein auf zeitlicher Höhe agierendes Replikat von den Bändern laufen zu lassen. Denn ein Käfer läuft und läuft und läuft, wie ein Werbespruch automobiler Steinzeit verheißt. Die erste Auflage des New Beetle hat nicht optimal ins Schwarze getroffen, um die Nostalgiker zum Kauf dieser Reinkarnation automobiler Freuden loszueisen.

Das ist dann wohl eher Sache des jetzigen Modells Beetle. Er kommt den Proportionen des Ur-Käfers deutlich näher, als sein Vorgänger und entwickelt auch ohne Blumenvase am Armaturenbrett seinen Charme.

Statt einer nicht enden wollenden Fläche vor dem Fahrer bis hin zur Frontscheibe, auf der beim Vorgänger die Freunde von Balkonkästen ihre Freude hatten, ist der vergeudete Raum jetzt den Insassen zugeteilt worden.

Wie bei seinem großen Vorbild bleibt auch den Fondpassagieren vorbehalten, sich einem Training für die nächsten Yoga-Stunden zu unterziehen, wenn sie ihren Platz einnehmen und verlassen wollen. Der Käfer war nun einmal ein Zweitürer und soll es auch in seiner Jetztform bleiben. Konsequent sind die Wolfsburger in diesem Punkt geblieben, was dem Beetle einen Verkaufserfolg vornehmlich bei Singles und in Zwei-Personen-Haushalten beschert. Die beiden vorderen Sitze sind selbstverständlich sehr gut zu erreichen.

Ausschließlich bei den weit auslegenden Türen sollte man darauf achten, keine Fahrradfahrer von ihrem Gefährt zu holen oder an anderen Fahrzeugen Kerben seines Daseins zu hinterlassen. Der Rundumblick ist im Beetle natürlich weitaus besser, als einst in seiner Bauvorlage. Mehr als das neue Modell aufbietet, ist auch kaum möglich, ohne die Formgebung zu verlassen. Und das ist nun einmal die Maßgabe für die Neuauflage. Bewährt und technisch auf aktueller Höhe ist selbstverständlich der Antrieb mit allen technischen Komponenten.

Auch das Heizungssystem bedarf keiner Holzkeile im Winter und offener Ausstellfenster im Sommer, um ein einigermaßen erträgliches Klima im Innenraum zu schaffen. Hier arbeitet eine absolut verlässliche und komfortable Klimaautomatik. Der 2-Liter-Dieselmotor mit DSG-Kraftübertragung und sechs automatischen Gängen bietet einen harmonischen und elastischen Antrieb.

Auch wenn der VW-Konzern derzeit unter den Nachwirkungen einer verwerflichen Abgasmanipulation zu leiden hat, haben die Techniker im Werk eine vorbildliche Arbeit geleistet und den Diesel-Beetle zu einem konkurrenzfähigen Fahrzeug gemacht. Die 150 PS sorgen für einen kräftigen Zug der Vorderräder. Das vorbildliche Fahrverhalten macht jedem Piloten seine Aufgabe leicht, was beim heckgetriebenen Ur-Käfer noch ganz anders war.

Das gilt aber auch für die Geräuschentwicklung. Der neue Beetle säuselt trotz eines Selbstzünders unter der Fronthaube (der einstige Käfer hatte seinen Ottomotor im Heck) leise durch die Landschaft. Ein Wermutstropfen ist leider die lange Aufpreisliste, wenn der Beetle neben seiner sehr guten Verarbeitung auch noch einige Extras mit in die eigene Garage bringen soll.

Der Beetle Sport mit dem 150 PS starken Dieselmotor kostet ohne besondere Zugaben 28.425 Euro. Der Preis lässt sich schnell um 10.000 Euro anheben, wenn noch ein paar Extras hinzugenommen werden. Selbst für Klebefolien mit dem Schriftzug seines Namens nimmt VW Bares vom Käufer. Da will die Ausstattung gut geplant sein.

Kurt Sohnemann

 

 

VW Beetle Sport 2,0 TDI DSG – Hubraum: 1.968 ccm – Zylinder: 4 Reihe/Turbo – Leistung kW/PS: 110/150 bei U/min.: 3.500 – Max. Drehmoment: 340 Nm/1.750 – Höchstgeschwindigkeit: 202 km/h – Beschl. 0-100 km/h: 8,9 Sek. – Leergewicht: 1.421 kg – Zul. Gesamtgewicht: 1.880 kg – Anzahl der Sitzplätze: 4 – Verbrauch (Test): 7,1 l/100 km – Gepäckraum bis 905 l – Tankvolumen: 55 Liter – Kraftstoffart: Diesel – CO2-Ausstoß: 117 g/km (Werksangabe) – Grundpreis: 28.425 Euro

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