Foto: Ulla Kanning

Vorhang auf für Tórshavn

29. Januar 2017

Kleine Hauptstadt von heiterer Gelassenheit – Gediegene Lebensqualität im Meer

Seenebel wabert zwischen der vorgelagerten Insel Nólsoy und den Hängen über der Hauptstadt der Färöer-Inseln. Vom Hotel Føroyar aus, das sich grasgewachsen an den Hang hoch über Tórshavn schmiegt, sind Nebelhörner zu hören, ansonsten bleibt die Stadt im Verborgenen. Keine pulsierende Hauptstadt liegt unter der Nebeldecke, eher eine Metropole von skandinavisch-heiterer Gelassenheit, die das Alte spielerisch mit dem Modernen kombiniert. Darin liegt ein besonderer Reiz, den diese Stadt ausmacht.

Ihre Anfänge finden sich auf der Landzunge Tinganes, wo die Wikinger den Grundstein für die Stadt legten und sie nach dem Kriegsgott Thor benannten. Dort befinden sich noch heute der Sitz der Landesregierung und die rekonstruierte Siedlung Reyni mit teerimprägnierten Häuschen, die vor ein paar Jahren zum Wohnen wiederentdeckt und liebevoll aufgepäppelt wurden. Von hier aus enwickelte sich um den großen Hafen eine der kleinsten Hauptstädte der Welt mit Musik, Kunst, Kultur, Gastronomie und Einkaufserlebnissen.

Auf den Straßen geht es gemächlich zu, drei von insgesamt vier färöischen Ampeln regeln den Stadt-Verkehr und die roten Busse des Bezirks Tórshavn können umsonst genutzt werden. Rund 20.000 der insgesamt 49.500 Färöer wohnen in der Hauptstadtregion. Die Regierung ist bemüht, jungen Insulanern nach Studium und Ausbildung in der ganzen Welt ein Wiederkommen schmackhaft zu machen, unter anderem mit dem Bau bezahlbarer Wohnungen.

Die Färöer gehören zu Dänemark, sind aber politisch autonom. Sieben Parteien entsenden 33 Mitglieder ins Insel-Parlamament, das seine Sache anscheinend gut macht: Die Insulaner lieben ihre Heimat, sind aber freundlich und weltoffen. Ihre Besucher finden eine gute Infrastruktur vor, Bleiben für jeden Geldbeutel, ein großes Angebot an Dingen regionaler Herstellung wie handgestrickte Wollkleidung. Zahlreiche musikalische Events prägen das kulturelle Leben auf den Inseln übers Jahr und eine gastronomische Palette von höchstem Niveau erwartet verwöhnte Gaumen. Das Fischrestaurant „Barbara“ etwa in der Altstadt bietet in urigem Ambiente Fisch und Muscheln von einmaliger Frische.

Wenn sich der Nebel gar nicht lichten will, empfiehlt sich ein Besuch im Nationalmuseum Tjódsavn, das im gepflegten Stadtpark liegt. Modernes Kunsthandwerk findet sich in der alten Ölfabrik am Hafen und in umliegenden Speichern.

Im Hafen liegt der alte Schoner „Nordlysid“, der regelmäßig Ausflugsfahrten unternimmt. Auf dem Landwege sind um Tórshavn märchenhaft schöne Ausflugsziele zu erreichen, wie der Ort Kirkjubøur, dem kirchlichen und kulturellen Zentrum der Inseln im Mittelalter mit Ruine der St.-Magnus-Kathedrale, der Dorfkirche aus dem Jahre 1111 und einem Pachthof, der in 17. Generation geführt wird. „Vier Jahreszeiten an einem Tag“ lautet die Umschreibung der Färöer für ihr Wetter.Während auf dieser Seite der grasbewachsenen Hänge die Sonne scheint, zieht sich über Tórshavn der Vorhang wieder zu. Nebel und Wolken kommen und gehen wie sie wollen. Die vielleicht kleinste Hauptstadt der Welt aber entwickelt sich jenseits des Vorhangs weiter und ist mit allem, was sie ausmacht, längst in der heutigen Zeit angekommen.

Ulla Kanning

 

 

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