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„Viele Eltern wissen noch gar nicht, dass sie Hilfe bekommen“

28. Februar 2016

Tageseltern Christiane und Klaas van Lessen betreuen kontinuierlich Kinder und unterstützen damit die Eltern

Mit einem kleinen Messer schneidet Christiane van Lessen Äpfel in kleine Stücke, legt sie in die Schale, in der schon Birnen lagen, die ebenso schnell wieder in den Mündern der Kinder verschwinden, wie sie hineingelegt werden. Es ist ruhig geworden im Raum. Gemeinsames Essen gehört für Christiane van Lessen zu den Ritualen. Um sie herum fünf kleine Kinder und ihr Mann Klaas. Der hilft mit, schenkt Saft in die Becher und unterhält sich gerade mit einer Zweijährigen, die sich gern mitteilen möchte. Nicht eines dieser anvertrauten Kinder ist ein eigenes des Ehepaares. Sie sind Tageseltern. Nicht, dass sie keine eigenen Kinder haben. Auch sie selbst haben fünf Kinder. „Die sind jetzt aber schon aus dem Alter heraus, in dem sie kontinuierlich betreut und beaufsichtigt werden müssten“, erzählt Christiane van Lessen und erntet die Zustimmung einer Tochter, von der die Szenerie interessiert beobachtet wird.

Christiane van Lessen ist sehr früh Mutter geworden, denn ihr erstes Kind ist bereits 24 Jahre alt, so dass sie das Hausfrau und Mutter sein als ihren Beruf angesehen hat. Jetzt will sie ihr Wissen in der Betreuung auch den Kindern weitergeben, deren Eltern arbeiten müssen, und sich aus finanziellen Gründen nicht dauerhaft um diese kümmern können. Tageseltern werden diese Menschen genannt, die für andere Eltern die Aufgaben übernehmen. Christiane van Lessen versieht ihre Aufgabe jetzt fünf Jahre. Zuvor hatte sie auf einem Lehrgang der VHS ihre Fähigkeiten unter Beweis gestellt. Sie darf bis zu fünf Kinder gleichzeitig betreuen, wobei ihr das Haus den Platz von 140 Quadratmetern für die Zöglinge anbietet. Zudem dürfen die Kinder auch im Garten toben. Natürlich nur, wenn das Wetter etwas einladender ist.

Da aber auch Christiane van Lessen nicht mit unendlicher Zeit gesegnet ist, bleibt ihr keine andere Wahl, als eine Vertretung zu haben, um den Eltern eine gesicherte Bleibe für ihre Kinder zu garantieren. „Was bot sich eher an, als meinen Mann einzubinden?“, beantwortet sie sich ihre Frage durch die familiäre Ergänzung selbst. Durch die Toleranz seines Arbeitgebers hat Klaas van Lessen die Möglichkeit, seine Frau zu unterstützten und auch abzulösen, wenn andere Arbeiten oder Besorgungen auf sie warten. „Das war sehr unkompliziert, weil die Kinder meinen Mann ja schon lange kennen. Er wohnt ja auch hier“, lacht sie. Klaas van Lessen indes bestätigt seine Fähigkeiten durch Geduld mit dem kleinen Zögling, der mit seinen Sorgen auf verständnisvolle Ohren stößt.

„Ich bin immer wieder überrascht, dass viele Eltern gar nicht wissen, dass ihre Kinder bis zu einem Alter von drei Jahren Anspruch auf einen Krippen- oder Tageselternplatz haben. Geregelt wird die formelle Abwicklung durch den Landkreis“, erzählt Christiane van Lessen und hilft den Eltern durch ihren Rat gern weiter, die einen Platz für ihre Kinder suchen, selbst wenn es nur für ein paar Stunden ist.

„Die Nachfrage ist zwar innerhalb der vergangenen fünf Jahre gestiegen“, aber Kapazitäten sind in vielen Fällen immer noch da“, resümiert Christiane van Lessen. In der Kreisstadt bieten sich vier Tageseltern-Stationen für die suchenden Eltern an. „Wir helfen uns untereinander, wenn es die Situation erfordert“, fügt sie an, immer das Wohl der Kinder im Auge behaltend.

(so)

 

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