Foto: Rainer Waldinger

Verwöhngefühl im Saanenland

8. November 2015

Ferienregion um Gstaat in der Schweiz wirbt mit heimeliger Chalet-Atmoshäre

Ein Hauch von Glamour weht schon länger durch die Region: Zusammen mit neun weiteren Dörfern gehört Gstaad zu den Orten, die über 1000 Meter hoch im Saanenland in den Schweizer Bergen liegen. Typisch sind nicht zuletzt die fast alle im ländlichen Stil aus Holz errichteten Häuser, die eine heimelige Chalet-Atmosphäre vermitteln.

Schon seit dem 19. Jahrhundert ist die Region verstärkt zum Reiseziel geworden. Erste Tourismusvereine gründen sich 1906 in Gstaad und Saanen. Hotels öffnen. Kurpark, Kursaal, Golfanlage und Tennisplätze entstehen. 1934 nimmt an der Wispile die erste Schlittenseilbahn ihren Betrieb auf. 1946 wird am Wasserngrat der erste Sessellift eingeweiht, der auch im Sommer läuft. Das bis in die 1980er-Jahre hinein ununterbrochene Wachstum ist beispiellos. Das ehemals arme Bergtal schafft es, ein Touristenmagnet sogar für Reiche zu werden.

Viele Prominente verbrachten und verbringen hier ihre Ferien. Einträge von berühmten Jetsettern, von Schauspielern, Komponisten, Mitgliedern von Herrscherhäusern finden sich in den Gästebüchern: Tony Curtis zum Beispiel, Gunter Sachs, Curd Jürgens, Richard Burton, Elizabeth Taylor, Fürstin Gracia Patricia, Yehudi Menuhin … Sie alle, Künstler, Sportler, Firmenbosse, sollen hier, „verglichen mit mondänen Orten wie Zermatt oder St. Moritz“, die Ruhe schätzen und, so ist weiter zu lesen, vor allem die Abwesenheit von Autogrammjägern. Die Gegend um Gstaad ist alpin geblieben, punktet mit schickem Charme, diskretem Luxus, Gelassenheit und authentischen Traditionen. Ein Ort quasi als Marke. Von Oscar-Preisträgerin Julie Andrews („Mary Poppins“) ist überliefert: „Gstaad ist das letzte Paradies in einer verrückten Welt.“

Einer Welt, die sogar von höchster Hand erschaffen worden sein soll. Denn der Legende nach will Gott sich während der Schöpfung der Welt ein wenig ausruhen – und der Abdruck seiner Hand prägt dabei das Saanenland, die fünf Finger formen die Täler, im Zentrum entfaltet sich Gstaad.

„Tatsächlich glaubt man an überirdische Kräfte beim Anblick der Schönheit der Natur“, ist auf der Webseite der Tourismusorganisation zu lesen. Wälder, Wiesen, Bäche und Seen sorgen für eine beeindruckende Kulisse, umrahmt von einem teils grandiosem Bergpanorama. Allein von Gstaads Les-Diablerets-Gletschergipfel Glacier sollen 24 Viertausender zu sehen sein, darunter Mont Blanc, Matterhorn und die Berner Alpen. Größter Bergsee ist der Arnensee. Alpinisten schätzen den Sanetschsee im Süden als Hochgebirgsgewässer in über 2000 Metern Höhe. Auf dem Retaudsee nahe des Col du Pillon sind Bootsfahrten möglich.

Gstaad selbst ist seit 1999 autofrei. Hotels, Restaurants, Läden finden sich an der Promenade. Die Museen in der Region gewähren Einblicke in Kultur, Brauchtum und alte Handwerkskunst wie Scherenschnitte, Schnitzereien und Bauernmalerei. Im Sommer gibt es viele Alpfeste. Im Winter geht es in die Langlaufloipe, auf Ski- und Snowboards. Manche Skigebiete finden sich auf einem Gletscher, wo man mitunter schon im Herbst oder noch im Frühsommer Ski fahren kann. Ausflüge lohnen sich zum Schloss Greyerz, in die Cailler Schokoladenfabrik, auf den 2002 Meter hohen Le Moléson, von wo aus man vom Jura bis zum Genfer See blicken kann, nach Montreux, in den Kletter- und Abenteuerpark Aigle, in die Salzmine von Bex oder zum Wasserschloss Chillon. Oder, viel näher, in die Bissenstraße 83 an den Ortsrand oberhalb von Gstaad.

Kleine Feldwege führen zu einer Grotte, in der mehr als 3000 Laibe Hobelkäse reifen, unter ihnen historische Raritäten. Sie sind in mehreren Etagen platziert und raffiniert beleuchtet. Wir steigen 25 Meter tief über eine steile Holztreppe ins ehemalige Wasserreservoir der Gemeinde hinab. Wer in die Augen von René Ryser schaut, spürt sofort, mit welcher Leidenschaft er die nun schon rund 1000 Jahre alte Tradition der Käseproduktion weiter pflegt. „Sie stellt für die Bauern auch einen Teil ihres Einkommens dar“, sagt Ryser, Chef der Molkerei Gstaad.

„Im Sommer gehen die Bauern mit ihren Kühen auf die Alpen und produzieren dort, im Herbst wird der Käse dann verkauft.“ Hergestellt wird er auf rund 560 Alpen im Berner Oberland, 100 davon liegen im Saanenland, das zuletzt noch rund 200 Landwirtschaftsbetriebe und mehr als 7000 Kühe zählte. Alle Laibe sind mit Herstellungsdatum und -betrieb versehen. Wer will, kann über den Bauern sogar erfahren, von welcher Kuh die Milch für den Käse stammt.

Rainer Waldinger

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