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Verbraucher wollen Transparenz

3. September 2017

Im Durchschnitt isst jeder Deutsche 233 Eier pro Jahr – doch welche Eier kann man noch mit ruhigem Gewissen essen?

Gerade mal einen Monat ist es her, dass der Fipronil-Skandal die Verbraucher in Deutschland aufgeschreckt hat. Wieder ein Lebensmittel-Skandal, der verunsicherte und die häufig gestellte Fragen aufwarf, was man eigentlich überhaupt noch ohne Bedenken essen könne. Das haben auch die regionalen Betriebe im Heidekreis zu spüren bekommen. Obwohl sie vom neuesten Skandal nur am Rande betroffen sind, haben sich bei den heimischen Geflügelbetrieben die Nachfragen von besorgten Bürgern gehäuft.

Ralph Wildung vom Biohof-Wildung im Bomlitzer Ortsteil Wenzingen öffnete seinen Biohof für zahlreiche Kunden, die seinen Betrieb sehen wollten und viele Fragen stellten. Er habe auch eine Information an alle seine Kunden rausgeschickt, berichtet der engagierte Biobauer. „Wir reinigen unsere Stallungen selbst und wissen was wir einsetzen und was drin ist.“ Die großen Farmen würden Reinigungskolonnen beauftragen, die durch den Stall durchgingen und weiter zum Nächsten zögen. „Wir sind ein kleinerer Betrieb und haben durch unsere Regionalität eigentlich vom neuesten Skandal nur profitiert.“

Das berichtet auch Carsten Poppe aus Frankenfeld-Hedern, der unruhige Zeiten hinter sich hat. Mit Beginn der Krise hätten sich Hunderte von besorgten Kunden bei ihm gemeldet. Das Ganze habe einen „Rattenschwanz“ von Kontrollen nach sich gezogen. Poppe selbst hatte auch Kontrollen beauftragt. Der Absatz an den Lebensmitteleinzelhandel habe sich noch nicht ganz normalisiert. „Manche haben gar nicht bestellt und andere das Doppelte der üblichen Menge.“ Doch am Ende des Tages gehe er als regionaler Lieferant sogar eher noch gestärkt aus der Krise hervor, ist sich Poppe sicher.

In Deutschland wurden im vergangenen Jahr über 19 Milliarden Eier verbraucht. Das entsprach einem Pro-Kopf-Verbrauch von 233 Eier. Rund 70 Prozent des Bedarfs wird in Deutschland produziert. „Die Lücke wird von den Holländern geschlossen. Im Kern ist die Fipronil-Krise ja auch eine niederländische Krise“ bestätigt Friedrich-Otto Ripke, Präsident des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG). In Niedersachsen seien lediglich vier Legehennenbetriebe und ein Junghennenbetrieb im Bezirk Weser-Ems betroffen gewesen.

Tatsächlich haben in Belgien und vor allem in den Niederlanden viele Betriebe ein Desinfektionsmittel eingesetzt, das das Insektizid Fipronil enthielt, welches zur Bekämpfung von Milben eingesetzt wird. Die Tiere nahmen den Stoff über das Geflügel und die Haut auf. In der Folge landeten, die mit dem Insektizid verseuchten Eier aus den Niederlanden in großen Mengen in deutschen Supermärkten. Und schon waren auch die deutschen Verbraucher betroffen. Die verseuchten Eier verschwanden aus den Supermarktregalen und die Verbraucher wurden aufgefordert, die durch den aufgedruckten Code identifizierbaren Eier auszusortieren und zurückzugeben. Kein Wunder, dass zahlreiche Verbraucher auch im Heidekreis sehr verunsichert waren und sich genau informieren wollten, welche Eier sie mit ruhigem Gewissen noch verzehren durften.

(dl)

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