Foto: Sohnemann

Triumph Tiger Explorer

28. September 2014

137 Pferde auf der Welle lassen das Reisen zur Freiluftfreude werden.

„Wenn wir schon mit deinem Motorrad verreisen müssen, dann möchte ich es wenigstens bequem haben“, dem Biker klingt noch die Maßgabe in den Ohren, die aus dem eigenen Lager vor dem Motorradkauf unüberhörbar als Kriterium ausgewiesen wurde. Damit erst gar kein Gefechtslärm innerhalb der eigenen vier Wände aufkommt, der Etat nicht überstrapaziert wird und der sportliche Effekt auch nicht auf der Strecke bleibt, kommt der Vizepräsident des heimischen Haushalts mit der Triumph Tiger Explorer nach Hause, geht mit ihr an den Start und wird lobend in den Vorstand des Familienfuhrparks berufen.

Wer seiner Sozia eine angenehme Reise bescheren will, sich selbst dabei auch austoben möchte, sitzt auf der Tiger Explorer. Die Enduro von Triumph hat alle Attribute, die ein Bike haben muss, um salonfähig auf jeder Ebene zu sein. Natürlich werden Griffheizung und auch die gewärmten Backen des Hinterns nicht verschmäht. Auch die 137 kräftig anpackenden Pferde aus den drei Zylindern der Tiger werden nicht verachtet, wenn diese das Bike samt der beiden Passagiere wie im Spiel die Berge hoch zieht. Einen höllischen Sound sollten die Empfänger der Open-Air-Freude nicht erwarten. Die Tiger ist dezent abgestimmt wie ein Klavier vor der Mondscheinsonate. Nichts klingt aufdringlich, sonor und ohne Ärgernisse in Wohngegenden aufzuwerfen, zieht die Tiger Explorer ihre Bahnen.

Zum Anlassen sollte der Fahrer etwas Geduld aufbringen, weil sich der Tiger erst schnurrt, wenn er sich das auch ganz gut überlegt hat. Die Zündung spricht erst nach ein paar Verzögerungssekunden an. Das kann dann hinderlich sein. wenn der Motor nach dem Ampelstopp erst wieder angeworfen werden muss und seine Bedenkzeit fordert. Dann aber greifen die PS deutlich aber seidig in das Hubraumvolumen von 1.215 Kubikzentimeter. Das Fahrwerk ist trotz seiner komfortablen Abstimmung noch sportlich genug, den Kurven ein hohes Maß an Spaß abzuverlangen. Nur etwas achtsam sollte der Biker in engen Kurven sein. Dann neigt die Tiger durch ihr Gewicht und den hohen Schwerpunkt leicht dazu, ins Kippen zu geraten. Die Hand am Gaszug und den Fuß am richtigen Gang zu haben, ist dann nicht unwichtig. Wer mit der Tiger Explorer länger unterwegs ist, hat sich auch bald daran gewöhnt, sie in die Kurven kippen zu lassen. Das hat seinen Spaßfaktor und ist praktisch.

Wenn die Kardanwelle die Leistung auf das Hinterrad überträgt, fällt auf, dass der Krafttransport seidig und ohne bockige Eigenschaften passiert. Es ist eben ein Motorrad für die gepflegte und komfortable Reise. Wenn nur die Sitzbank in der Serienausstattung noch etwas weicher abgestimmt wäre. Es gibt sie allerdings gegen Aufpreis mit Gelfüllung. Darauf sollte niemand verzichten, der das komfortable Maximum der Triumph auskosten will.

Die Koffer sind nicht nur großzügig gehalten, sie transportieren auch in praktischem Format. Da sie schwimmend aufgehängt sind, greifen sie auch bei hohen Geschwindigkeiten nicht in die Balance des Bikes ein. Durch die Multifunktionsanzeige der Tiger Explorer ist der Fahrer bequem in der Lage, die Daten abzufragen, die er während der Fahrt wissen möchte. Sogar die Gänge werden ihm angezeigt. Ein Service, der sich nicht selten positiv bemerkbar macht. Die Auslage der Spiegel und deren Sichtfeld nach hinten darf als vorbildlich gewertet werden. Weder Kleidung noch irgendwelche uninteressanten Landschaftsteile stören bei den Blicken nach hinten. Nach wie vor besticht die gute Lichtanlage der Triumph Tiger Explorer. Sie zählt zu den Besten, die je für Motorräder entwickelt wurde. Zur Sicherheit trägt natürlich auch das ABS der Tiger bei, die die immerhin bis zu 481 Kilogramm sicher zum Stehen bringen.

Nicht nur die Vorderradbremse fällt positiv auf. Auch die Hinterradbremse ist nicht nur zum Fußabstellen an das Motorrad gebaut worden. Mit ihr lassen sich hervorragend Geschwindigkeiten anpassen und die Fuhre halten, wenn die Ampel an ab- oder ansteigenden Strecken verbaut wurde. Im Fazit lässt sich feststellen, dass die Tiger Explorer dann empfehlenswert ist, wenn der Fahrer eine gehobene Dosis Komfort gewohnt ist, sich sportlich geben möchte und der Spaß auf solider Basis gründen soll. Der Preis von 13.940 Euro ist vertretbar, zumal er deutlich unter dem vergleichbarer Modelle aus München liegt. Die Dreizylinderkultur sollte dem Biker zudem liegen.

(so)

Triumph Tiger Explorer

3 Zylinder Reihe, 1.215 ccm, 101 kW/137 PS bei 9.300 U/min, max. Drehmoment 111 Nm bei 7.300 U/min, 6-Gang, Kardan, ABS, 20-Liter-Tank, Testverbrauch 6,5 l/100 km, Leergewicht 259 kg, Länge 2.248 mm, Sitzhöhe 837-857 mm. Preis 13.940 Euro

 

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