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Teilweise musste die A7 gesperrt werden

12. Mai 2019

Jörg Beck informiert nicht nur über das Leben der Ameisen, sondern siedelt auch deren Nester um

1. Vorsitzender des Fördervereins Deutsches Ameisen-Erlebnis-Zentrum e.V., Geschäftsführer der Deutschen Ameisenschutzwarte sowie 2. Vorsitzender in deren niedersächsischen Landesverband und deren Regionalgruppe Nördliches Niedersachsen, dazu ausgebildeter Ameisenheger und Ameisenschutzbeauftragter für die Landkreise Heidekreis, Rotenburg, Harburg, Verden und Teile von Lüneburg – die Liste der ehrenamtlichen Funktionen von „Ameisenvisionär“ Jörg Beck ist lang. Und so dreht sich von Frühjahr bis Mitte Oktober fast ausschließlich alles bei dem 61-Jährigen um die kleinen Krabbeltiere. „In der Saison komme ich schon auf 40 Stunden plus in der Woche“, lacht der Soltauer, dem die Faszination nicht nur äußerlich durch sein Ameisenhemd und die Kappe mit der Aufschrift „Heide-Ameise Jörg“ anzusehen ist.
„Mein ganzes Berufsleben war ich auf der Überholspur, da habe ich einen Ausgleich gesucht“, so der Diplom-Kaufmann. „Eigentlich wollte ich Biologe werden, doch das war Ende der 70er-Jahre eine brotlose Kunst.“ Daher war es folgerichtig, dass sich Jörg Beck 1996 bei der Suche nach einem Hobby im Tierreich umsah. „Ich wollte nichts so Gewöhnliches, etwas, mit dem sich nicht so viele beschäftigen.“ Somit landete er bei den Ameisen, die „mich früher schon fasziniert hatten“. Rund 20 Jahre später hat der Soltauer nicht nur seine Frau Helma mit seiner Leidenschaft infiziert und viele Gegenstände mit Ameisenmotiven gesammelt, sondern auch ein umfangreiches Wissen über die kleinen Tiere angehäuft. Dies gibt er gerne weiter, wenn er zu Vorträgen eingeladen wird oder mit dem „Ameisenmobil“ zu Veranstaltungen oder Schul-/Kindergarten-Besuchen im norddeutschen Raum unterwegs ist.
Rund 11.000 Zuhörer tauchten im vergangenen Jahr mit Jörg Beck ein in die Welt der Tiere, die ihr Zusammenleben in einem Staat perfektioniert haben. Jeweils zehn Berufe gebe es in einem Nest für den Außen- und Innendienst. Während im Nest Königinbetreuerinnen, Reinigungsdamen und Müllentsorgerinnen ihre Aufgaben haben, sind außerhalb Wächterinnen, Soldatinnen, Jägerinnen und Blattlausmelkerinnen aktiv. Männer spielen in dieser Welt kaum eine Rolle. „Sie sind eigentlich überflüssig, begatten einmal die Königin und sterben dann“, erklärt Jörg Beck. Die Königin, die eine Lebenserwartung von rund 20 Jahren hat, ist nach diesem, in ihrem Leben einmaligen Erlebnis so etwas wie eine „Gebärmaschine“, die täglich um die 100 Eier legt.
Während sich die Weg- und Wiesenameisen durch die zuletzt recht milden Winter stark vermehrt haben, stellt sich die Situation bei den hügelbauenden Arten anders dar. „Hügelnester sind weniger geworden. Dies liegt an Monokulturen, mutwilliger Zerstörung oder Unachtsamkeit“, weiß Jörg Beck. Von den 13 in Deutschland beheimateten hügelbauenden Arten stehen zwölf unter Artenschutz. Daher wird der Soltauer immer wieder gerufen, wenn es gilt, deren Nester umzusiedeln, um Bauvorhaben umzusetzen. Dies liegt zum einen sicherlich an den hohen Strafen, die bei der Zerstörung eines hügelbauenden Ameisennestes drohen, zum anderen aber seien die Menschen durch die Diskussion um das Insektensterben in jüngster Vergangenheit sensibilisiert worden. So siedelte der 61-Jährige für den A7-Ausbau zwischen Walsroder Dreieck und Bad Fallingbostel alleine 25 Nester um. Diese waren teilweise so groß, dass Schaufel und Eimer nicht ausreichten. „Teilweise musste die Autobahn sogar gesperrt werden, damit wir das Nest mit einem Bagger rausheben konnten“, erinnert sich der ausgebildete Ameisenheger. Wichtig ist dabei, möglichst viel von den Königinnenkammern mitzubekommen, damit der Fortbestand des Nestes an einem anderen Ort möglich ist. Einen neuen Standort für die Tiere zu finden, sei recht leicht, da sie für das ökologische Gleichgewicht eine große Bedeutung haben. Ameisen tragen zur Verbesserung der Bodenbeschaffenheit bei, verbreiten Samen und beseitigen Aas.
Ab sofort ist Jörg Beck regelmäßig im Walderlebnis Ehrhorn anzutreffen, das die Ameisen Erlebnis-Ausstellung beheimatet. Der Vorsitzende des 2007 gegründeten Fördervereins und seine Vereinskameraden, die bislang mehr als 75.000 Menschen in die Welt der „heimlichen Herrscher der Welt“ entführt haben, führen bis Mitte Oktober jeden Sonnabend und Sonntag von 11 bis 17 Uhr durch die Erlebnisausstellung, die die faszinierende Welt der Insekten erklärt.

(rie)

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