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Elektrische Erfahrung von der ersten Stunde an

Nissan steigert beim Leaf e+ die Reichweite mit einer Batterieladung auf mehr als 300 Kilometer

Viele Mitbewerber haben sich nicht einmal ernsthaft mit Modellen mit elektrischem Antrieb beschäftigt, als Nissan bereits den Leaf auf der Straße hatte. Die erste Überzeugungsarbeit war vor zehn Jahren noch recht eingeschränkt, was insbesondere am Reichweitenargument scheiterte. Das sollte heute anders sein, sollte man meinen. Ist aber nicht immer so. Nissan hat jedenfalls den Leaf mehrfach mit stärkerem Herzen ausstatten müssen, um im Wettbewerb mithalten zu können. Insbesondere die Konkurrenz aus Korea macht den Japanern zu schaffen. Deshalb hat Nissan mit dem Leaf e+ eine Variante für das Fahren mit Batterie im Angebot, die es bis auf eine realistische Reichweite von knapp über 300 Kilometer (Testergebnis) bringt. Unter günstigsten Bedingungen sind es laut Hersteller sogar 385 Kilometer, aber die liegen bekanntlich selten vor.
Zwar ist Nissan mit knapp unter 30.000 Euro Verkaufspreis für den Leat Visia und 40 kW Leistung einer der günstigen Anbieter im Segment. Da ist die staatliche Förderung noch nicht einmal abgezogen. Soll der Leaf aber die derzeit optimale Leistungsbreite mit in die Garage bringen, sollte man sich von 42.050 Euro trennen können. Auch hier lässt sich noch die Förderung abziehen. Dann ist das Modell Leaf Tekna aber feudal ausgestattet und bezieht seine Leistung auf der Straße aus einer 62 kW/h-Anlage, die aus 288 Batteriemodulen besteht. 217 PS stehen als Höchstleistung zur Verfügung, wollen aber gar nicht abgerufen werden. Schließlich gilt es für eine E-Auto-Fahrt nicht, sich der Raserei hinzugeben. Die 6,9 Sekunden Beschleunigungszeit aus dem Stand auf Tempo 100 km/h sollten allemal ausreichen, um etwas sportliche Würze in die Fahrt zu bringen.
Dass bei 157 km/h Höchstgeschwindigkeit das Ende der Fahnenstange erreicht ist, stört nur dann, wenn die Insassen bewusst darauf achten. Deshalb, weil Verkehrsdichte und Beschränkungen nur selten mehr Tempo erlauben. So kann der Fronttriebler problemlos seinen Aufgaben nachgehen, die maximal fünf Passagiere (bequemer sitzen vier im Fahrzeug) zum Ziel zu bringen. Soll es auf große Fahrt gehen, muss zuvor schon eine akribische Planung vorliegen, um Überraschungen zu vermeiden. Vorsichtshalber sollten für den Leaf e+ Reichweiten von 280 km als Etappenlänge eingeplant werden. Die Ladezeiten dürfen ebenfalls nicht unterschätzt werden. Im Test ließ sich der Leaf e+ innerhalb von 50 Minuten von 31 Prozent auf 88 Prozent laden, damit sind knapp über 240 Kilometer Laufleistung hinzugeladen. An Kaffeepausen wird es bei Urlaubsausflügen nicht mangeln.
Interessanter sollte jedoch der tägliche Verkehr für den Leaf e+ sein. Das Fahrzeug lässt sich an der häuslichen Steckdose über Nacht problemlos mit Energie füllen und nimmt dann geräuschlos am mobilen Geschehen teil. Dabei lässt sich nicht selten ableiten, dass der Nissan keine überflüssige Zeit zum Aufladen braucht, wenn er in der Garage von Steckdose oder Wallbox versorgt wird.
Während der Fahrt müssen Insassen auf keinerlei Annehmlichkeiten verzichten. Ganz im Gegenteil, die Laufruhe lässt dem Premium Soundsystem von Bose alle Möglichkeiten, sich zu entfalten. Ein Multimediasystem mit 8-Zoll-Touchscreen ist ebenfalls serienmäßig an Bord des Leaf e+ wie die Steuerung der Klimaanlage und des Ladevorgangs über eine App. Der Pro-Pilot übernimmt bei Wunsch die Anpassung an die Verkehrsgeschwindigkeit. Für das Halten der Spur gibt es ebenso einen Assistenten, wie für Notbremsungen, falls sie gefordert sind. Das Spektrum der reichhaltigen Ausstattung der Tekna-Variante des Leaf reicht über Velourledersitze über ein Winterpaket mit Sitzheizungen vorn und hinten bis hin zur Kabelausstattung. Nissan hat für den Leaf ein reichhaltiges Paket geschnürt, das bei vielen anderen Anbietern den Aufpreis eines Kleinwagens erfordern würde.
Elektrofahrzeuge haben eine etwas andere Fahrdynamik als die, die von Verbrennungsmotoren angetrieben werden. Die Kraftentfaltung wird deshalb für die niedrigen Geschwindigkeiten etwas gedrosselt, um nicht gleich den Untergrund beim Start zu beschädigen. Das ist Nissan gut gelungen. Der Leaf hilft dem Gasfuß, sensibel zu sein. Erst beim bewussten Beschleunigen legt das stufenlose Automatikgetriebe die 340 Newtonmeter frei, die aus der laminierten Litium-Ionen-Batterie fließen. Der Testverbrauch lag bei knapp über 21 Kilowattstunden für hundert Kilometer, also um den üblichen Bereich für Familienfahrzeuge.

Kurt Sohnemann

Technische Daten: Nissan Leaf e+ Tekna
Elektromotor – Leistung kW/PS: 160/217 – 62 kWh-Batterie
1-Gang Stufenlose Automatik – Frontantrieb – Max. Drehmoment: 340 Nm
Höchstgeschwindigkeit: 157 km/h – Beschl. 0-100 km/h: 6,9 Sek.
Leergewicht: 1.756 kg – Zul. Gesamtgewicht: 2.140 kg
Gepäckraumvolumen: 385-420 Liter – Verbrauch (Test): 21,2 kW/100 km
Ladekabel: Typ 2 und Hausstrom – Reichweite (Test): 301 km
Ladezeit (CHAdeMO): 55 min. – Effizienzklasse: A+ – CO2-Ausstoß: 0 g/km
Grundpreis: 42.050 Euro

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Frisch aus der Wellness-Kur – der Nissan Juke Tekna

Der Crossover-SUV präsentiert sich im aktuellen Modelljahr mit verbesserter Motorabstimmung und geringerem Verbrauch

Nichts ist offensichtlich so gut, als dass es nicht noch etwas besser gemacht werden könnte. Jedenfalls hat Nissan bei seinem Modell Juke für das aktuelle Modelljahr nochmals dort nachgebessert, wo es sinnvoll erscheint.
Da wäre beispielsweise die Motorabstimmung, die jetzt zwar etwas weniger Power aus den drei Zylindern lockt, dafür aber merklich am Verbrauch spart. Das ist bereits passiert, bevor die Preise an den Zapfsäulen in die Höhe geschossen sind. Nissan weiß offensichtlich, was seine Kundinnen und Kunden zu schätzen wissen. Dazu gehört aber auch Bewährtes. Der Nissan Juke ist seit seiner Geburt in einer Klasse aktiv, die aktueller nicht sein könnte. Die Modellform Crossover-SUV führt die Beliebtheitsskala derer an, die Rückenbeschwerden nicht nur vom Hörensagen kennen und gern optimale Aus- und Einstiegswinkel haben. Der Juke bringt diese mit und ist zudem noch mit so guten Sitzen bestückt, dass auch lange Fahrten unter seinem Dach keine Strapazen sind.
Kleine Retuschen an der Karosserie und ein übersichtlicheres Interieur mit neuen Sicherheitskomponenten in den Assistenzsystemen sind die Folge weiterer Aufwertungen des Juke. Er zählt ob seiner extravaganten Form seit Beginn seines Daseins zu den Lieblingen von Frauen und Personengruppen, für die Einheitsformen nicht das Maß aller Dinge sind.
Im Fahrbetrieb macht der Juke einen gewohnt gelassenen Eindruck, der weder als Rennfahrzeug missbraucht werden will, noch nach Kurven lechzt. Nissans Topseller will komfortabel genug sein, um den Familien ein geeigneter Partner zu sein. Auch richtet er sich dank seiner Konzeption nach den Bedürfnissen junger Familien und Alleinlebender, die nicht täglich Kaviar vom Wildlachs auf dem Tisch stehen haben. Bei einem Durchschnittsverbrauch von 5,8 Litern Superbenzin im Testbetrieb ist der Juke ein Suppenkasper der Tankwarte. Trotzdem reicht die Leistung für alle Alltagsansprüche aus. Wer nicht schneller als mit 180 Stundenkilometern über die Autobahn fahren will oder sich Beschleunigungsduelle an den Ampeln liefern muss, wird mit dem Juke sehr zufrieden sein.
Während auf den vorderen Sitzen reichlich Platz für Fahrer und Beifahrer eingeräumt ist, könnte es im Fond etwas eng für groß gewachsene Personen werden. Deshalb ist es ratsam, die Rückbank für die Kinder einzuplanen, obwohl das Platzangebot im überarbeiteten Modell merklich zugelegt hat. Das Gepäck indes hat nicht nur einen ebenen Ladeboden ab der Kofferraumkante. Es kann zudem auch unterhalb der herausnehmbaren Bodenplatte noch verstaut werden. Damit ist auch für den hintersten Bereich noch Raumzuwachs entstanden.
Einzig das manchmal etwas unkoordiniert schaltende siebengängige Doppelkupplungsgetriebe überraschte zuweilen im Testbetrieb. Das waren aber Ausnahmen und trüben nicht das Gesamtbild der gut abgestimmten Getriebestufen, die ein seichtes Dahingleiten erlauben. Wer den gut ausgestatteten Juke Tekna für sich nutzen möchte, sollte sich auf dem Weg zum Händler 30.000 Euro in die Tasche stecken. Ist eine so hochwertige Ausstattung nicht so notwendig, genügen auch 19.990 Euro für den Deal.
Etwas besser könnte die Übersicht nach hinten vom Fahrerplatz aus sein. Aber da hat Nissan mit Kameras vorgesorgt, um keine toten Winkel entstehen zu lassen. Nur sind diese nicht in der Grundausstattung enthalten. Wohl aber bringt die Variante Tekna eine Fülle von Sicherheits- und Wohlbefindlichkeitsaccessoires mit in die Garage, die ihren Preis wert sind. Das Spektrum reicht von einem ausgereiften Audio-System über den adaptiven Geschwindigkeits- und Abstand-Assistenten bis zur Klimaautomatik mit Sitzheizung.

Kurt Sohnemann

Technische Daten: Nissan Juke Tekna
Hubraum: 999 ccm – Zylinder: 3 Reihe Turbo – Leistung kW/PS: 84/114
7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe – Max. Drehmoment: 200 Nm/3.000 U/min.
Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h – Beschl. 0-100 km/h: 11,8 Sek.
Leergewicht: 1.186 kg – Zul. Gesamtgewicht: 1.725 kg
Anhängelast gebr.: 1.250 kg – Gepäckraumvolumen: 422-1.305 Liter
Frontantrieb – Kraftstoffart: Super
Verbrauch (Test): kombiniert 5,8 l/100 km
Effizienzklasse: B – CO2-Ausstoß (WA/WLTP): 114 g/km
Grundpreis: 29.690 Euro