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Stofflöwe statt Elektroauto

22. Januar 2017

„Emma Hicksmaus“ erhielt ein Angebot von der Autoindustrie – heraus kam ein Stofflöwe

Ein großer Brief mit Prospektmaterial und dem Leasing-Angebot für ein Elektro-Automobil wurde Mitte Dezember per Post an den Heimat- & Fährverein in der Oterser Fährstraße zugestellt. Empfängerin: „Frau Emma Hicksmaus“. Die „wohnt“ allerdings nicht in der Fährstraße, sondern im Dorfladen am Steinfeld und – ist keine Autofahrerin, sondern eine kleine Stoffmaus, die einen Ehrenplatz nahe der Dorfladen-Kasse hat.

Mit „Bonjour Frau Hicksmaus“ begann der Werbebrief, mit dem der Geschäftsführer der Deutschland GmbH eines französischen Pkw-Herstellers Emma Hicksmaus ein Elektro-Auto für eine monatliche Leasing-Rate von nur 199 Euro monatlich anbot. Emma Hicksmaus war ganz entzückt, hatte sie doch erstmals Post erhalten und dann gleich vom Chef einer Autofirma mit Sitz im fernen Köln.

Emma Hicksmaus sitzt tagein-tagaus hoch oben auf dem Regalschrank an der Dorfladen-Kasse und belauscht die netten Gespräche der Dorfladen-Mitarbeiterinnen mit den vielen Kunden. Deshalb ist Emma immer gut informiert, was im Dorf so läuft und die Menschen in Otersen haben Emma sogar eine eigene Internetseite bei www.otersen.de gewidmet, weil sie coole Aktionen für Kinder im Dorfladen durchführt. Keck wie es sich für eine richtige Dorfladen-Maus gehört, antwortete Emma Hicksmaus der Autofirma.

Die kleine Maus berichtete dem Geschäftsführer in Köln von vielen tollen Dingen im Dorf, in dem die Elektromobilität schon 1997 mit der Inbetriebnahme der Solar-Allerfähre Einzug gehalten hat. Der Dorfladen „von Bürgern für Bürger“ blieb auch nicht unerwähnt und Emma berichtete von der Idee, in der Energie-Region Aller-Leine-Tal ein Elektro-Auto als Dorf-Auto zu nutzen.

„In dieses tolle, zukunftsorientierte Dorf würde doch ein Elektro-Dorfauto gut passen – oder? Gerne würde ich, die kleine Emma Hicksmaus aus dem Dorfladen, den fleißigen Menschen ein Elektro-Auto schenken“ schrieb Emma dem Geschäftsführer in Köln. „Ich habe nur ein großes Problem. Eine Leasing-Rate von monatlich 199 Euro für ein Elektro-Auto kann ich nicht bezahlen. Ich habe ja leider kein Einkommen und muss mich von den Brot- und Brötchenkrümeln im Dorfladen und von den Käse-Resten ernähren“, schrieb Emma Hicksmaus weiter und beendete ihren Brief mit einer Hoffnung: „Vielleicht können Sie mir ja helfen und ein besonderes Angebot für eine besondere Emma Hicksmaus in einem besonderen Dorf mit besonderen Menschen machen“.

Nach Weihnachten kam der 2. Brief aus Köln an Emma Hicksmaus, diesmal nicht vom Geschäftsführer, sondern nur von einer „beauftragten“ Frau. Ein „besonderes Angebot“ für ein Elektroauto gab es nicht, stattdessen nur einen kleinen blauen Stoff-Löwen. Ein Löwe, viel kleiner als eine Dorfladen-Maus – und dann noch ein blauer Löwe? Sind Löwen in Frankreich etwa blau und haben eine weiße Halskrause? Emma Hicksmaus hatte die kleine Mäuse-Stirn voller Fragezeichen. Gefallen fand Emma jedenfalls nicht an ihrem viel zu kleinen Stofftier-Kollegen.

„Der bekommt keinen Ehrenplatz neben mir auf dem Dorfladen-Schrank“, teilte Emma am Donnerstag den Dorfladen-Mitarbeiterinnen mit. Emma zeigte sich auch sichtlich enttäuscht, dass ihr Wunsch nach einem elektrischen Dorf-Auto nun nicht erfüllt wurde.

„Erst wollen die einer Maus ein Auto verkaufen und dann schicken sie einen blauen Mini-Löwen“, schmollte sie. Ihren Plan für ein elektrisches Dorf-Auto will Emma auf jeden Fall in den nächsten Jahren realisieren. Beim Dorfladen-Fest im Sommer soll ein Autohaus ein Elektro-Auto vorstellen – ein Autohaus aus Verden, nicht aus Köln!

Aus vielen Gesprächen im Dorfladen hat Emma einen wichtigen Grundsatz gelernt: „Wer weiter denkt – kauft näher ein“. Das sieht auch Emmas Mutter Sandra Klockmann so, die die Dorfladen-Maus erschaffen und für den besonderen Platz im Dorfladen gesorgt hat.

(stl/so)

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