Stören Sie sich an der allgemeinen Betitelung „Kunde“?

18. März 2018

Die Formularsprache darf männlich bleiben

Frauen erleiden aus Sicht des Bundesgerichtshofs (BGH) keinen Nachteil, wenn sie in Vordrucken als „Kunde“ angesprochen werden, entschied der BGH am Dienstag in Karlsruhe (VI ZR 143/17). Das oberste deutsche Zivilgericht wies die Revision einer Sparkassen-Kundin aus dem Saarland zurück. Klägerin Marlies Krämer (80) fühlt sich mit männlichen Formulierungen wie „Kunde“ oder „Kontoinhaber“ nicht angesprochen und pochte auf die Ansprache als „Kundin“ oder „Kontoinhaberin“. Sie rügte einen Verstoß gegen den im Grundgesetz garantierten Gleichheitsgrundsatz.

„Es ist mein verfassungsmäßig legitimes Recht, dass ich als Frau in Sprache und Schrift erkennbar bin“, argumentierte sie. Das sieht der VI. BGH-Zivilsenat mit seinen drei Richtern und zwei Richterinnen nicht so: Mit der verallgemeinernden Ansprache in männlicher Form werde sie nicht wegen ihres Geschlechts benachteiligt. Die Anrede „Kunde“ für Frauen sei weder ein Eingriff in das Persönlichkeitsrecht noch ein Verstoß gegen den Gleichheitsgrundsatz. Die Klage der Frauenrechtlerin aus dem Saarland war schon in den Vorinstanzen erfolglos geblieben: Schwierige Texte würden durch die Nennung beider Geschlechter nur noch komplizierter, argumentierte das Landgericht Saarbrücken.

Trotz ihrer Niederlage nun auch vor dem BGH denkt die Seniorin nicht ans Aufgeben und will vor das Bundesverfassungsgericht und notfalls die weibliche Formular-Sprache vor dem Europäischen Gerichtshof durchsetzen. Marlies Krämer hat im Laufe ihres Lebens schon andere juristische Schlachten für sich entschieden: So verzichtete sie in den 90er-Jahren so lange auf einen Pass, bis sie als „Inhaberin“ unterschreiben konnte.

Kunde ist Kunde, egal ob männlich oder weiblich. Damals gab es ja noch Frau und Fräulein, das fand ich schon markanter. Ich achte gar nicht darauf, wie ich angeschrieben werde. Es wäre belastend, wenn alle Formulare umgeschrieben werden müssten. Viel Geld und unnötiger bürokratischer Aufwand. Da gibt es andere wichtigere Dinge. Das Deutschlandlied ist ein heikles Thema. Aber wir sind Deutsche. Da muss man nicht mit der Tradition brechen. Warum also umschreiben? – Petra Bockelmann aus Stöcken

Da muss ich mich wundern. Ich bin etwas älter und bin damit alt geworden. Es stört mich überhaupt nicht, wenn ich allgemein betitelt werde. Die Klägerin ist auch damit alt geworden. Wäre das Gerichtsurteil anders ausgefallen, kämen enorme Kosten auf die Allgemeinheit zu. Ich finde, es gibt wichtigere Themen und halte es für übertrieben, dass jetzt auch das Deutschlandlied abgeändert werden soll. Es ist eben ein altes Lied von Hoffmann von Fallersleben. Warum sollte es jetzt geändert werden? – Marianne Beger aus Walsrode

Ich halte mich neutral. Meine Kunden rede ich immer höflich mit „Kundin“ an, außer es geht um „Kundschaft“ im allgemeinen. Man kann in der Beziehung auch etwas sehr kleinlich werden. Genauso wie mit der Nationalhymne. Das Lied hat eine gewisse Geschichte und Tradition, das sollte so bleiben. Wenn es andersherum „Mutterland“ hieße, würde ich auch nicht protestieren, dass es geändert wird. Man sollte schon mal die Kirche im Dorf lassen – Oliver Krause aus Walsrode

Ich lege keinen großen Wert darauf, speziell als Kundin betitelt zu werden. Das ich eine Frau bin, weiß ich und hab genug Selbstbewusstsein, um darüber zu stehen. Es ist doch egal, ob „Sie“, „Er“, oder „Es“ im Formular steht. Mit einer allgemeinen Betitelung weiß jeder umzugehen. Eine Änderung würde alles nur unnötig komplizieren. Es kämen außerdem Kosten auf uns zu, die man sich sparen kann. Die Dame hat wohl nichts anderes zu tun und langweilt sich. Ich würde auch das Deutschlandlied  nicht  ändern – Bianka Lorat aus Rodewald

Es hat mich noch nie als Frau gestört, wenn auf dem Formular „Kunde“ steht. Der Protest ist übertrieben. Aber ich habe mal auf einer Geburtstagskarte „Liebe Freunde“ geschrieben. Da fühlte sich eine Freundin nicht eingeladen. Jeder hat ein anderes Empfinden. Ganz egal ist es daher nicht. Es ist auch in Ordnung, dass nun auch weibliche Namen für Wetter-Hochs verwendet werden. Albern ist die Diskussion um das Deutschlandlied, wenn es ums „Vaterland“ geht. Für uns geht das zu weit – Inge und Gerd Eickhoff aus Bierde

Für mich spielt es keine Rolle. Da würde ich umgekehrt auch keinen großen Hermann von machen, auch wenn ich für Gleichberechtigung bin. Die Bezeichnung „Kunde“ ist nicht persönlich gemeint und keine Beleidigung, sondern es steht nur auf einem Formular. Das Europaparlament verlangt doch eine allgemein gehaltene Bezeichnung. Zudem würde es viel Geld kosten, wenn alle Formulare geändert werden müssten. Ich findet es auch übertrieben, dass die deutsche Nationalhymne geändert werden soll – Seán Malone aus Hünzingen 

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