Stehen Sie auf Dumpingpreise oder erklären Sie sich mit den Landwirten solidarisch?

9. Februar 2020

Wer liebt es nicht, Schnäppchen nachzujagen und nach Sonderangeboten für die kommende Woche zu gucken?

Für 65 Prozent der Bürger ist das laut dem Marktforschungsunternehmen Nielsen wichtig. Doch die Leidtragenden von Dauertiefstpreisen bei Lebensmitteln sind die Bauern. Von einem Euro, den Verbraucher für Nahrung zahlen, kommen beim Erzeuger im Schnitt noch knapp 21 Cent an. Das ermittelte das Thünen-Forschungsinstitut nach Daten für 2018. Vor 20 Jahren waren es noch 25 Cent.


Kein Wunder, dass das den Landwirten „stinkt“ und sie auf die Barrikaden gehen. Die Bauern fühlen sich ausgebeutet, die Händler missverstanden. Beim Gipfel im Kanzleramt sucht die Politik nach dem Ausgleich zwischen fairer Bezahlung für Erzeuger, guten Preisen für Verbraucher und Profit für Händler. Edeka, Rewe, Aldi und die Schwarz-Gruppe mit Lidl kontrollieren laut Bundeskartellamt zusammen 85 Prozent des Lebensmittelmarktes in Deutschland. Das gibt den „großen Vier“ gewaltige Einkaufsmacht.

„Ein Verhältnis wie bei David gegen Goliath“, so Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) „So fühlen sich aktuell Erzeuger, wenn sie mit dem Handel verhandeln – Augenhöhe ist nicht gegeben.“ Das schlage sich auch in den Preisen nieder. Dabei wären 72 Prozent der Deutschen bereit, fünf Euro mehr pro Kilo für Fleisch zu zahlen, das besonders tierfreundlich produziert werde.
Unter ihnen sind 22 Prozent, die sogar bis zehn Euro hochgehen würden. Neue Gesetze wurden beim Gipfeltreffen nicht beschlossen. Vielmehr sollen Supermärkte regionale Angebote ausbauen. In einer Beschwerdestelle sollten Erzeuger Fälle unfairer Praktiken melden können.

Ich habe Verständnis für die Bauern. Ich esse kein Fleisch und keine Milchprodukte. Ich kaufe Obst nur vom Obstbauern, weil meine Tochter allergisch auf das Obst vom Discounter reagiert. Deswegen kann ich es nachvollziehen. Die Tiere müssen artgerecht gehalten werden, und die Auflagen für die Bauern werden immer größer. Ich habe drei Pferde. Ein Heuballen Bio-Qualität kostet 45 Euro. Damit komme ich zwei Wochen hin. Der Boden ist zu trocken und muss gehoben, abgetragen und neu gedüngt werden. Wir Verbraucher haben keine Macht. Die Preise müssten von der Regierung korrigiert werden – Jana Hartford mit Carlotta aus Walsrode

Mal so, mal so. Ich kaufe auch beim Discounter, mal bei Rewe, beim Aldi oder im Supermarkt. Auch beim Fleisch achte ich nicht unbedingt auf das Bio-Siegel, sondern kaufe auch mal Angebote. Klar, dass man dadurch nicht unbedingt die Landwirte unterstützt. Das Tierwohl wird vom Staat subventioniert. Den Preisanstieg würden wir alle zahlen müssen. Da bleibt uns nichts anderes übrig. Man muss auch an die Familien denken. Wir sind eine vierköpfige Familie mit zwei Kindern, und wir essen jeden Tag Fleisch – Nicole Leube mit Aaron aus Rethem-Moor

Ich kann die Landwirte verstehen. Es sollte mehr für die Bauern getan werden, und die Verbraucher sollten sich umstellen. Mein Sohn Tassilo hilft viel beim Landwirt, zum Beispiel beim Kartoffelroden, und macht nun den Trecker-Führerschein. Dadurch weiß man die Lebensmittel mehr wertzuschätzen. Wir kaufen auch am liebsten beim Landwirt. Die Produkte schmecken einfach besser und dafür gebe ich gerne einen Euro mehr aus. Wer wenig Geld hat, für den sind die niedrigen Preise aber okay. Sowohl die Verbraucher, als auch die Politik, sollten aber mehr wertschätzen, was die Bauern leisten. Doch das tun sie leider nicht – Elke Tessmann mit Tassilo und Giacomo Lück aus Bispingen

Die vier großen Discounter drücken die Preise gewaltig. Es liegt am Handel, die stecken sich die Gewinne ein und beim Erzeuger kommt nichts an. Wer weiß, was dahinter steckt? Wir Verbraucher zahlen die Preise, die vorgegeben werden. Es ist wichtig, dass das Geld dorthin kommt, wo es wichtig ist. Höhere Steuern würden daher nichts bringen, die kommen nicht bei den Landwirten an. Es hilft, wenn man die Lebensmittel direkt vor Ort, zum Beispiel im Hofladen, kauft. Das machen wir auch oft und zahlen einen entsprechenden Preis dafür. Den Qualitätsunterschied merkt man am Geschmack – Regina und Wilfried Beutner aus Bad Fallingbostel

Wir gucken auf den Preis, aber wir kaufen beim Bauern die Eier und die Kartoffeln und zahlen ein bisschen mehr für die Qualität. Da weiß man, wo es herkommt und man merkt besonders am Geschmack den Unterschied zu Supermarktware. Ebenso kaufe ich den Spargel nicht im Supermarkt, sondern immer frisch vom Hof. Man ist zwiegespalten. Auf der einen Seite muss man eine Familie ernähren und auf den Preis achten, auf der anderen leiden die Erzeuger. Die Verbraucher sollten bewusster einkaufen und keine Lebensmittel wegschmeißen. Das passiert leider oft, weil sie so billig sind – Vanessa Haubold mit Talia aus Bomlitz

Ich muss gestehen, ich kaufe Fleisch beim Discounter, aber es ist viel weniger geworden, weil ich langsam in die vegetarische Richtung wandere. Man sieht zu viel Schlechtes über Massentierhaltung und Tiertransporte im Internet. Da versuche ich lieber, abwechslungsreich zu kochen und nicht so viel Fleisch zu essen wie früher. Wenn die Tierhaltung entsprechend ist, müssen die Landwirte auch den Preis erhöhen. 20 Cent für ein Huhn ist zu wenig. Das lohnt sich nicht. Für uns Verbraucher wird das Geld nicht mehr, aber Lebensmittel sind immer noch günstig. Es wird auch zu viel weggeschmissen – Denise Fenselau aus Walsrode

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