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Start in einen anspruchsvollen Beruf

16. April 2017

Heilerziehungspflegerinnen und Heilerziehungspfleger berichten aus ihrem Alltag

Profis für Inklusion und Pflege das umschreibt den Beruf der Heilerziehungspflegerin- und -pfleger am besten. Bundesweit wurde der erste Ausbildungsgang 1958 eingerichtet. An den Berufsbildenden Schulen Walsrode gehört der dreijährige Ausbildungsgang „Heilerziehungspflege“ seit mehr als 14 Jahren zum festen Angebot.

Familiäre Gründe beeinflussten bei vielen Schülerinnen und Schülern die Entscheidung, einen relativ unbekannten Beruf als Heilerziehungspfleger/in an den Berufsbildenden Schulen zu ergreifen. „Den Menschen mit Beeinträchtigung zu ermöglichen, etwas zu erleben was wir auch erleben, positiv wie negativ“, nennen Schülerinnen und Schüler als Hauptgrund für ihre Berufswahl. Andere sind über ein Freiwilliges Soziales Jahr mit dem Beruf in Berührung gekommen und wollen Vorurteile in der Gesellschaft abbauen. „Ich wollte eigentlich Erzieherin werden“, berichtet Schülerin Christin, 25 Jahre, „jetzt bin ich heilfroh, dass ich die HEP-Ausbildung gewählt habe“. Interessant ist der Beruf ebenfalls für Quereinsteiger, die mit einer bereits vorhandenen Berufsausbildung eine der Aufnahmebedingungen für die Heilerziehungspflege erfüllen. „Berufs-und Lebenserfahrung kann in diesem Bereich hilfreich sein“, verweist Lehrerin Corinna Bautsch auf die große Alterspanne der Klassen.

Der Begriff Heilen in der Heilerziehungspflege ist dabei nicht im medizinischen Verständnis gemeint, sondern bedeutet „Heil–werden“ im Sinne von „ganz und glücklich werden“. Heilerziehungspfleger assistieren Menschen mit Behinderung bei der Gestaltung von Alltag und Freizeit. Dazu integrieren sie pädagogische und pflegerische Kompetenzen. Sie begleiten Menschen grundsätzlich in allen Lebensphasen mit dem Ziel, dass diese ihr Leben so selbstbestimmt wie möglich und – mitten in der Gesellschaft – führen können. Dabei betrachten Heilerziehungspfleger /innen den Menschen ganzheitlich, mit all seinen Fähigkeiten und Schwierigkeiten und wirken im Alltag unterstützend ein, um diesen so „normal wie möglich zu gestalten“, damit Interessen selbstbestimmt erlebt werden können und die eigene Persönlichkeit weiterentwickelt wird.

„Heute ist man Assistenz und nicht mehr nur ein Förderer oder Aufpasser, wie in früheren Jahren“, beschreibt Katharina Loges (Bildungsgangleitung für Heilerziehungspflege an der BBS Walsrode) das pädagogisch aktualisierte Arbeitsfeld des ausgebildeten Fachpersonals, das seit kurzem die stattliche Anerkennung hat und somit dem Abschluss von Erzieherinnen und Erziehern gleichgestellt ist.

Schülerinnen und Schüler erfahren in ihrer Ausbildungszeit eine große Bandbreite an Wissen in Psychologie, Pflege und Pädagogik. Als Zusatzqualifikation bietet die BBS Walsrode eine Ersthelferausbildung sowie den Erwerb des Arzneimittelscheins während dieser Ausbildung an.

Zugeschnitten auf die Bedürfnisse, Bildung und Erwerbstätigkeit der zu unterstützenden Personen bieten sich z.B. Arbeitsorte mit Schwerpunkt im Bereich der Kunst und des Werkens, mit Tieren (tiergestützte Therapie), in der Hauswirtschaft oder Psychiatrie an.

Nach der Ausbildung bietet unsere Region sichere und vielfältige Arbeitsmöglichkeiten, denn die Behindertenhilfe unterhält zahlreiche Einrichtungen im Heidekreis, die innovativ und engagiert ausgebaut und weiterentwickelt wurden. „Heilerziehungspflegerinnen und Heilerziehungspflegern“ haben vor Ort sehr gute Aussichten auf Jobs und nicht nur aufgrund des demographischen Wandels und damit verbundenen Fachkräftemangels in den sozialen Berufen“, bemerkt Schulleiter André Kwiatkowski.

(re)

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