Fotos: uka

Ständig ist die Welt zu Besuch

19. August 2018

Campingtrends, Umschwünge und ein Großbrand

Campingplatz-Betreiber leben nur scheinbar in ihrer kleinen, selbst geschaffenen Oase. Tatsächlich haben sie ständig die Welt zu Besuch und müssen sich auf wechselnde Trends und zunehmend anspruchsvolle Urlauber einstellen. Familie Helle-Feldmann schafft das seit 50 Jahren – so lange existiert die idyllisch gelegene Camping-Anlage in einer Aller-Schleife am historischen Dorf Frankenfeld.

Die teilweise uralten Gemäuer des Rittergutes atmen Geschichte. So befand es sich seit 1330 im Besitz der einflussreichen Familie von Honstedt. Im Jahre 1879 übernahm es der Urgroßvater der jetzigen Besitzer, Landwirt Heinrich Matthias Feldmann. Cläre Helle-Feldmann, die Mutter des heutigen Besitzers, baute 1965 im Haupthaus des Anwesens zunächst Ferienwohnungen aus. Zwei Jahre später begann der Aufbau des Campingplatzes auf Nachfrage einiger Gäste. Im Frühjahr 1968 startete der Betrieb mit einem Waschhaus und zunächst 50 Stellplätzen. „Damals wandelte sich die Landwirtschaft, es wurde eine neue Einnahmequelle gesucht und die idyllische Lage des Gutes für touristische Zwecke genutzt“, erinnert sich Landwirt Jochen Helle-Feldmann an die pragmatischen Gründe der Campingplatz-Gründung.
In den 70er-Jahren kamen vor allem Motorboot-Besitzer, die nahe Wasserski-Strecke vor Augen. Schon bald mussten weitere Plätze her und ein zweites Sanitärgebäude entstand. Ein Teil der Plätze befindet sich auf dem nur im Sommer nutzbaren Werder an der Aller. „Bei Überschwemmungen wie im vergangenen Jahr müssen die Gäste von dort auf die höher gelegenen Plätze umziehen“, zeigt Annette Helle-Feldmann eine naturbedingte Problematik auf. Aber ob Schattenplatz oder pralle Sonne, Wassernähe oder höheres Hinterland – zu jedem Wunsch findet sich der passende Platz. Auch darin liegt einer der Gründe, warum es in Frankenfeld so viele Dauercamper und Wiederholungs-Urlauber gibt. Annette Helle-Feldmann selbst behält als Seele des Betriebes auf jeden Fall die Nerven und lässt sich von all den Gästen, die ganz individuelle Urlaubs-Vorstellungen im Gepäck haben, nicht aus der Ruhe bringen.

Ihr Mann und sie haben den Platz 1993 übernommen. Drei Jahre zuvor brannte bei Renovierungsarbeiten das Haupthaus des Rittergutes bis auf die Grundmauern nieder und wurde anschließend komplett neu aufgebaut. 1994 zogen die Helle-Feldmanns in das neue Gebäude ein und wettern seitdem, wie ihre Vorfahren, alle Querschläge und Schwankungen ab: Dem Camping-Boom der 60er-/70er-Jahren folgte eine Flaute, nach der innerdeutschen Grenzöffnung gab es kräftige Verschiebungen, zum Jahrtausendwechsel stagnierten die Übernachtungszahlen und in den letzten Jahren erlebt die Branche eine kräftige Wiederbelebung. „Um Pfingsten herum müssen wir für unseren Kiosk schon mal an die 500 Brötchen ordern!“, berichtet Annette Helle-Feldmann.

Paddler-, Fahrrad- oder Jugendgruppen nutzen die Anlage gern für schöne Stunden, aber auch Angler finden sich ein. „Unser größtes Gut ist die Natur!“, erklärt Jochen Helle-Feldmann. Manchen Menschen ist es auf dem Rittergut zu ruhig: „Dann passt das eben nicht zusammen!“ Wer die völlige Ruhe liebt und sucht, der bleibt gleich als Dauercamper oder kommt immer wieder für eine kurze oder längere Auszeit.

Weil ein runder Campingplatz-Geburtstag selten ist, wird das Ereignis am heutigen Sonntag, 19. August, mit einem Tag der offenen Tür gefeiert. Um 11 Uhr beginnt ein kleines Festprogramm mit live gespielter Jazzmusik (bis 13 Uhr).

Ulla Kanning

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