Foto: Ellen Ersing

Sommerfrische ist wieder modern

23. August 2015

Auf dem Weitwanderweg längs des Lech ab Warth in Vorarlberg durch Tirol ins Allgäu

Warth. Der Anstieg zum Hochtannbergpass auf eine Höhe von 1676 Metern war einer jener Steigungen, an denen Autos noch vor fünfzig Jahren mitunter kurzfristig kochend am Straßenrand stehen blieben.

Aufgeregte Insassen mussten angesichts des entweichenden Dampfes Ruhe bewahren, da ein siedender Kühler Verbrühungen hervorrufen konnte, wenn man frühzeitig seinen Verschluss öffnete, um Wasser nachzufüllen. Solche Schreckensbilder gibt es heute auf dem Weg in die Höhe der Region Lech-Warth nicht mehr, weil die Konstrukteure die Kühlung im Griff haben.
Das lässt sich auch vom Hochgebirge sagen: Das Wort Sommerfrische hat in diesem Jahr wieder an Bedeutung gewonnen – in den Städten stieg das Thermometer im Hochsommer oft über 30 Grad an, in den Bergen blieb die Luft angenehm erträglich.

Im Sommer sieht’s hier in vielerlei Hinsicht entspannter aus: Im beliebten Skigebiet Lech-Warth brummt im Winter der Bär, in den schneelosen Monaten geht es gemütlicher zu: Freie Zimmer findet man immer, und die Gastgeber haben mehr Zeit zu einem herzlichen Empfang.
Nicht nur Rentner, sondern auch immer mehr junge Leute finden Gefallen an naturnaher Fortbewegung.

Auf ihre Kosten kommen hier natürlich Mountainbiker: Eine bequeme, aber nicht die langweiligste Art besteht darin, mit der Gondel auf den Berg zu schweben und auf dem Drahtesel wieder nach unten zu rollen. Auch Wandern kommt wieder in Mode, und Stöcke, egal, ob sie jetzt Nordic-Walking- oder Wanderstöcke genannt werden, sind in den Bergen sehr hilfreich.
Der Lechweg ist ein 125-Kilometer-Weitwanderweg durch zwei Länder und drei Regionen. Er führt von der Lechquelle beim Formarinsee auf 1793 Meter Höhe in Vorarlberg immer nahe des Flusses nach Tirol, an einer 200 Meter langen und 110 Meter hohen Hängebrücke in Holzgau vorbei. Man sollte schwindelfrei sein, wenn es einen reizt, sie zu überqueren.

Der Weg endet am Lechfall bei Füssen im Allgäu – eine der letzten Wildflusslandschaften Europas wird durchwandert.
Zwar geht es dem Wasser folgend insgesamt bergab, aber gelegentliche Steigungen auf der Strecke sind nicht zu umgehen. Sportliche Menschen mit sehr guter Kondition meistern den Lechweg in sechs Tagen, die klassische Variante für geübte Wanderer ist auf sieben Tage angelegt.

Wer gern gemütlich vorankommt und unterwegs gern längere Pausen einlegt, um die Panoramablicke zu genießen oder einzukehren, kann länger einplanen. Natürlich lassen sich auch einzelne Etappen mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden aussuchen. Das Heft „Lechweg – Ihr Begleiter” gibt dazu Hinweise und Tipps aller Art. Es liegt in den Touristeninformationen aus.
Wer lieber jeden Abend im gleichen Bett schläft und sternförmige Tagesausflüge bevorzugt, findet in den Orten Lech und Warth ein vielfältiges Angebot von Privatzimmern bis zum Fünf-Sterne-Haus. Herzlich aufgenommen wird man im Warther Hof, einem familiengeführten Wellnesshotel mit vier Sternen plus. 28 der insgesamt 72 Zimmer werden Naturkraftzimmer genannt: Decken und Wände mit Weißtanne ausgekleidet, am Boden Eichenparkett, Bio-Betten für erholsame Nächte. Als Nachttisch dient ein Zirbelholzklotz, der feinen Waldduft verströmt.

Der Blick aus dem Fenster zum Biberkopf ersetzt jedes Bild an der Wand. Der rüstige Seniorchef, der im nächsten Jahr 80 wird, führt seine Gäste kundig und unterhaltsam in die Berge.
Eine feine Sache: die im Sommer bis Anfang Oktober angebotene Lech Card, die man ab der zweiten Übernachtung erhält. Mit ihr kann man alle Seilbahnen und Sessellifte kostenfrei nutzen, ebenso die Orts- und Wanderbusse.

Als Erinnerung und Mitbringsel für die Daheimgebliebenen empfehlen sich regionale Produkte wie Bergkäse, Kaminwurzen oder Kräuterschnäpse. Wildblumen sollte man nur im Kopf mitnehmen, sie sind geschützt und müssen stehen bleiben.
Infos: www.warth-schröcken. com, www.lechweg.com, www.wartherhof.com.
Ellen Ersing

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