Sollten im Unterricht Masken getragen werden?

30. August 2020

Seit Donnerstag heißt es für Kinder und Jugendliche in Niedersachsen wieder die Schulbank drücken.

Erstmals seit Ostern soll wieder in voller Klassenstärke unterrichtet werden. Dabei wurden kurz vor Unterrichtsneustart zunehmend Befürchtungen laut, dass Schulen wegen des Coronavirus schnell wieder geschlossen werden könnten. Der letzte „normale“ Schultag in Niedersachsen vor der Corona-Pandemie war der 13. März. Verbände wie die Lehrerorganisationen Bildung und Erziehung (VBE) forderten, dass angesichts dessen verschärfte Hygienemaßnahmen und ein verbesserter Infektionsschutz dringend geboten seien. Der Hygieneplan des Kultusministeriums reiche bei Weitem nicht aus, sagte der VBE-Landesvorsitzende Franz-Josef Meyer. Auch erste Kommunen wie Osnabrück fordern strengere Regeln zum Maskentragen, etwa nach dem Vorbild von Nordrhein-Westfalen, wo Schüler den Mund-Nasen-Schutz auch im Unterricht tragen müssen.

In Niedersachsen wird das zunächst nur da Pflicht sein, wo ein Abstand von 1,50 Meter zu anderen nicht möglich ist. Wolfgang Griesert (CDU), Oberbürgermeister der Stadt Osnabrück, und Landrätin Anna Kebschull (Grüne) schrieben in einem Brief an Ministerpräsident Stephan Weil, Sozialministerin Carola Reimann und Kultusminister Grant Hendrik Tonne (alle SPD): „Bitte führen Sie verbindlich mit Schuljahresbeginn in ganz Niedersachsen für zunächst zwei Wochen für alle Schüler und Lehrer eine Maskenpflicht in Klassenräumen während des Unterrichts ein.“ Die Osnabrücker befürchteten sonst Probleme, auch wegen der Nähe zu NRW. „Wie wollen wir Familien erklären, dass ihre Kinder in dem einen Bundesland im Unterricht Masken tragen, im anderen aber nicht?“

Im Unterricht halte ich es nicht für sinnvoll, eine Maske zu tragen. Allein schon wegen der Verständlichkeit. In den Schulgängen, auf dem Schulhof und in öffentlichen Verkehrsmitteln ist es sinnvoll. Ich gehe aufs Gymnasium in Hoya. Im Klassenraum halten wir eh den Mindestabstand an den Tischen ein und haben genug Platz und Freiraum. Vor den Sommerferien saßen wir alle getrennt voneinander auf Einzelplätzen. Die Klassen wurden in A- und B- Gruppen aufgeteilt. So hatten wir nur jeden zweiten Tag Schule. Auf dem Schulhof mussten wir keine Maske tragen. Es wurde angeraten, aber viele haben keine Maske aufgesetzt. Ich auch nicht, weil ich nur zu einer Freundin direkten Kontakt hatte, die eh immer bei uns ist. Die Lehrer sind Vorbilder und daher auch in der Pflicht, eine Maske zu
tragen – Emily Stichweh aus Hoya

Sechs Stunden lang eine Maske während des Unterrichts zu tragen, ist eine lange Zeit. Es kommt auch darauf an, wie warm es ist. Bis 20 Grad hält man das vielleicht noch aus, aber wenn es wärmer ist, nicht. Bei uns auf dem Gymnasium in Walsrode herrscht Maskenpflicht bis zum Klassenraum und auf dem Schulhof. Unterhalten kann man sich mit Maske, da geht es von der Verständigung her noch. Im letzten Schuljahr haben schon einige Lehrer generell Maske im Unterricht getragen, wenn sie etwas näher kamen, um etwas zu erklären. Sport hat nicht stattgefunden und ob es nun nach den Ferien stattfindet, wissen wir noch nicht. Ich finde ein Klassenverband ist, wie eine Familie, da muss man keine Maske tragen. Dieses Jahr waren wir nicht im Urlaub, aber ich schätze, dass die Rückreisenden sehr pflichtbewusst sind – Lina Wittenberg und Brigitte Röper aus Dorfmark

„Maskenpflicht ist so eine Sache. Selbst die Ärzteschaft sieht es unterschiedlich. Letzte Woche sagte mir mein Hausarzt, ich bräuchte im Sprechzimmer keine Maske tragen. Anderseits aber ist angedacht, in Schulen für zwei bis drei Wochen die Masken im Klassenzimmer zu tragen, um weitere Infektionen zu vermeiden. Es fehlen einfach die Erfahrungswerte und bevor eine zweite Corona-Welle kommt, ist es besser, vorsichtig zu sein. Die Ergebnisse können dann ausgewertet werden. Sicherlich ist bei Maskenträgern die Kommunikation eingeschränkt, aber ich glaube, die Kinder haben weniger Probleme damit, als die Eltern. Kinder sehen das entspannter, Eltern hinterfragen oft, und es gibt auch einige Maskenmuffel unter ihnen. Im Klassenraum sollten die Schüler so weit wie möglich auseinander sitzen. Wir müssen alle lernen damit umzugehen. Auf der Arbeit müssen wir selbst bei körperlich anstrengender Arbeit Maske tragen. Da müssen wir durch – Eckhard Allermann aus Wittorf

Das Thema hatte ich mit meinem Sohn. Er ist bei der Bundeswehr auf einem Lehrgang. Da wurde die Personenzahl reduziert und auf zehn bis 17 Personen begrenzt. Sonst sind es bis zu 30 Personen. Und es muss definitiv Abstand gehalten werden. Jedoch brauchen sie in Flensburg, Schleswig Holstein, keine Maske im Unterricht tragen. Auch hier in Niedersachsen ist es noch keine Pflicht. Da stellt sich die Frage, wie viel Schüler in einer Klasse unterrichtet werden dürfen ohne Maskenpflicht, oder die Personenzahl zu reduzieren, so wie es die Bundeswehr vorbildlich praktiziert. Die Sicherheit geht nun mal vor und mit der Zeit gewöhnt man sich daran. In den Grundschulen, besonders bei den Erstklässlern, gestaltet es sich schon schwieriger. Eine Maske signalisiert den Abstand und wer durch die Maske spricht, ist schwerer zu verstehen. Da muss man oft alles zwei Mal sagen. Es ist nicht einfach für die Schulanfänger – Ida Hubert aus Bad Fallingbostel

Ich glaube, wenn der Mindestabstand in den Klassenräumen eingehalten werden kann, kann man auf die Maske verzichten. Im Schulgebäude und auf dem Schulhof halte ich die Maskenpflicht jedoch für sinnvoll. Zum Beispiel habe ich vor den Ferien gesehen, wie jemand auf dem Schulhof seinen Kameraden auf dem Handy etwas zeigte. Da standen dann alle mit den Köpfen dicht zusammen. Meine Kinder, 14 und 16 Jahre alt, haben sich schon angewöhnt, im Supermarkt und im Urlaub, egal wo man hingeht, Maske zu tragen. Sie gehört einfach schon zum Alltag dazu. Auch in den Geschäften halte ich die Maskenpflicht für sinnvoll. So ist es auch für unsere Mitarbeiter Pflicht, eine Maske zu tragen, wenn die eng beieinanderstehen – Claudia Wolther aus Walsrode

Ich halte von der Maskenpflicht generell nicht viel und trage die Maske auch nicht gerne. Es würde reichen, wenn in der Schule der Mindestabstand von eineinhalb Meter eingehalten wird, und beim Betreten der Schule und in den Pausen Maskenpflicht herrscht – so, wie es vor den Ferien war. Ich bin Berufsschüler für Anlagenmechanik und habe einmal die Woche theoretischen Unterricht in Rotenburg. Die restliche Zeit bin ich im Betrieb. Da brauchen wir keine Maske tragen, nur wenn wir Kunden vor Ort besuchen. Das ist bei mir nicht der Fall. Ansonsten sind die üblichen Hygienemaßnahmen zu erfüllen. Aufgrund von Corona und um andere zu schützen, sind wir dieses Jahr nicht weggefahren. Hier weiß man, wie man sich coronabedingt verhalten muss. Im Urlaubsort ist das oft anders. Da wird dann nett auf die Pflichten hingewiesen. Früher hieß es Nato-Bräune, nun kann man bei Maskenträgern von Corona-Bräune sprechen – Daniel Toll aus Visselhövede

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