Sollte gutes Benehmen in der Schule beigebracht werden?

24. Mai 2015

„Benehmen“ als Schulfach, am besten gar verpflichtend?

Das hört sich zunächst nach konservativen Tugendwahn an – aber drei von vier Bürgern in Deutschland (75 Prozent) sind nach einer Umfrage dafür. 51 Prozent meinen, dass Benimm-Kurse an Schulen Pflicht sein müssten, für 24 Prozent immerhin Wahlfach. Ein obligatorisches Unterrichtsfach „Benehmen“ läge den Befragten damit mehr am Herzen als „Wirtschaft“ (48 Prozent), „Gesundheitskunde“ (42), „Suchtprävention“ (39) oder Computer-Programmierung“ (35). Die Umfrage zeigt auch, dass älteren Menschen die Unterweisung in korrekten Umgangsformen viel wichtiger ist als jungen.

Nicht nur Lehrern stellt sich da die Frage: Was soll Schule denn noch alles leisten? So einiges vom Wunschzettel der Bürger – freilich nicht „Benehmen“ – empfiehlt die Kultusministerkonferenz (KMK) aller Bundesländer schon länger als „fächerübergreifende Inhalte“ für den Unterricht. Das betreffe vor allem Fragen der politischen und wirtschaftlichen Bildung im weitesten Sinne und sei in der Regel Gegenstand mehrerer Unterrichtsfächer – um neue Pflichtfächer gehe es also hier noch nicht. „Wirtschaftliche Bildung“ oder „Verbraucherbildung“ etwa soll laut KMK stärker in den Lehrplänen der Schulen verankert werden.

Länder wie Schleswig-Holstein oder Bayern sind vorangegangen. Die Wissenschaft nimmt sich des Themas ebenfalls an. So soll nach Ansicht des hochkarätig besetzten Aktionsrats Bildung die Schule in Deutschland mehr Wert auf Persönlichkeitsentwicklung legen. Lehr- und Lernprozesse dürften sich nicht nur auf Wissensvermittlung beschränken, heißt es in einem neuen Gutachten des Gremiums um die Bildungsforscher Dieter Lenzen und Wilfried Bos. Wichtig sei mehrdimensionale Bildung um Schüler bei der Entwicklung einer verhaltenssicheren Persönlichkeit zu unterstützen.

Wenn es zu Hause nicht beigebracht wurde, braucht es in der Schule auch nicht unterrichtet werden. Man sollte auf gutes Benehmen achten. Es ist das A und O und kommt aus dem Elternhaus. Die Schule fördert die Kinder auch an den Nachmittagen. Ich selbst achte auch auf Höflichkeiten, ein gutes Miteinander und Respekt. So wie man selbst behandelt werden möchte, sollte man auch andere behandeln. Es wird leider immer mehr auf die Schulen und Erzieher abgeschoben. Eltern sind hier in der Verpflichtung – Stefan Freudenberger aus Benefeld

Stefan-Freudenberger

Das Meiste muss von zu Hause aus kommen. Aber die Kinder sind den halben Tag in der Schule. Daher muss auch dort auf einen guten Umgangston geachtet werden. Die Kinder halten sich an den Wortschatz der anderen. Zu Hause würde die Mutter einschreiten. Wir achten auch auf höflichen Umgang, wie das Grüßen beim Betreten eines Raumes, oder Bitte und Danke. Das ist uns wichtig. Wenn die Kinder das von klein auf nicht lernen, ist es verloren. Man selbst freut sich auch, wenn Kinder von sich aus grüßen – Natascha Blanke aus Benefeld

Natascha-Blanke

Eigentlich müsste man es von Haus aus können. In der Schule sollten die Kinder etwas Sinnvolles lernen. Wir haben das Problem, dass die Grundlagen fehlen. Die Lehrer ziehen ihren Stoff durch, die Kinder sind auf sich gestellt. Statt „Benimm“, sollte mehr an den Hauptfächern gearbeitet werden. Es gibt zum Beispiel den Hauswirtschaftsunterricht, in dem Bereich könnten Benimmregeln mit einfließen. Bei uns gibt es das Frühstückbüfett. Da wird auch mit „Bitte“ und „Danke“ gearbeitet. Unseren Kindern wurde es von klein auf beigebracht, ebenso wie das Grüßen – Nadine Krohn mit Leon aus Walsrode

Nadine-Krohn

Es ist eine Aufgabe des Elternhauses. Aber leider sieht die Realität oft anders aus. Da geht die Schere auf beiden Seiten auseinander. Auf der einen Seite gibt es die gleichgültigen Eltern, auf der anderen Seite die „Übereltern“. Wenn es als Unterrichtsfach eingeführt wird, dann für alle Schüler, nicht nur als AG für die schlechten Schüler. Achtung und Respekt vor anderen Menschen ist oft nicht mehr gegeben. Diese Werte sollten Eltern den Kindern schon früh mit auf den Weg geben – Elke Brunow aus Buchholz/Schwarmstedt

Elke-Brunow

Im Grunde sollten schon die Eltern dafür verantwortlich sein. Aber es ist leider nicht so. Daher ist es nicht das Verkehrteste, in den Schulen „Benimm“ im Unterricht mit einfließen zu lassen. Es sollte aber kein extra Fach sein. Ich habe drei Enkel, die oft erzählen, was für unnützen Kram sie lernen. Oft können die Schüler das was fürs Leben nützlich ist nicht. Es gibt sehr nette Jugendliche, aber es gibt auch die Kehrseite. Es kommt immer darauf an, was für einen Umgang sie haben. Gutes Benehmen finde ich wichtig – Christa Volmer aus Honerdingen  

Christa-Volmer

Bei manchen Schülern ist es leider nötig. Benehmen sollte im Unterricht mit einfließen. Es ist wahr, das viel Unnützes gelehrt wird. Es sollte aber mehr an den Grundlagen, wie Mathematik und Deutsch gearbeitet werden. Ich bin im Studienkreis tätig und sehe es täglich selbst, dass bei vielen die Grundlagen in der Rechtschreibung, aber auch in Mathematik, fehlen. Besonders in den  Grundschulen sollte da mehr hingearbeitet werden – Sabine Latter aus Walsrode

Sabine-Latter

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