Sollte es aufgrund der Wasserknappheit ein Verbot zum Wassersprengen geben?

28. Juli 2019

Wasserversorger machen sich mancherorts Sorgen um Trinkwasser-Reserven.

Im zweiten trockenen Sommer und nach Hitzerekorden wie zuletzt im Juni stehen Regionen wie die Lausitz vor einem Problem: Wenn es weiter so wenig regnet, könnten Wasservorräte knapp werden. Für Deutschland ist das völlig neu. Zu übersehen ist die Lage nicht: Elbe und Oder führen schon vor Beginn des Hochsommers so wenig Wasser, dass Sandbänke und Felsen freiliegen. Mitten in Magdeburg konnten Anfang Juli keine Schiffe mehr festmachen, in Dresden war Güterverkehr auf dem Wasser nicht mehr möglich.

Von flächendeckendem Wasserstress in Deutschland will das Umweltbundesamt noch nicht sprechen. Die Bundesrepublik habe eine Süßwasserressource von 188 Milliarden Kubikmetern, sagt Jörg Rechenberg, Wasserexperte beim Umweltbundesamt. Damit sei sie, verglichen mit Südeuropa, reich an Grund- und Oberflächenwasser. Deutschland entnehme diesem Vorrat bisher auch nur rund 13 Prozent pro Jahr. Von Knappheit wäre erst bei mehr als 20 Prozent Entnahme die Rede. Regional kann das aber anders aussehen.

Rasensprenger verbrauchten bis zu 800 Liter Wasser in der Stunde, sagt Karsten Specht, Vizepräsident des Verbands Kommunaler Unternehmen. Das ist rund siebenmal soviel wie jeder Bundesbürger pro Tag aus dem Wasserhahn zapft. Jörg Rechenberg denkt schon über mögliche Sparszenarien nach. „Wir wollen keine Abstriche bei der Hygiene machen“, betont er. Duschen sei aber schon mal besser als ein Vollbad. „Die meisten Leute haben ohnehin schon Spararmaturen installiert, zum Beispiel bei der Toilettenspülung.“ Das Bewusstsein sei gut verbreitet, lobt er. Viele Bundesbürger gingen bereits sensibel mit Wasser um.

Manche Pflanzen benötigen einfach Wasser. Ich habe keinen Garten, nur eine Eigentumswohnung mit Terrasse. Aber die Blumen da drauf gieße ich einmal am Tag, damit sie am Leben bleiben und schön aussehen. Man sollte nicht alles verbieten. Es ist ein Unterschied, ob man den Rasen mit Wasser sprengt oder Pflanzen gießt, in die man investiert hat. Die möchte man erhalten. Ich habe vom Baumarkt ein Fallrohr und ein Fass zum Wasser auffangen besorgt, sodass ich das Wasser zum Gießen verwenden kann. Das spart 85 Euro im Jahr. Das sollte jeder Garten- und Hauseigener tun – Ardian Buttler aus Walsrode

Die Pflanzen brauchen Wasser. Ich selbst würde den Rasen nicht sprengen. Wenn, dann gießen wir ganz früh am Morgen die Blumen, dann nehmen die Pflanzen das Wasser am Besten auf. Ich wohne in einem Internat. Da kümmere ich mich um einen kleinen Garten und passe auf, dass die Beet- und Balkonpflanzen gut aussehen und immer Wasser haben, sodass man sie auch verkaufen kann. Wir haben auch Pflanzen, die kein oder kaum Wasser benötigen. Der Gesetzgeber sollte aber beim Rasensprengen einschreiten, sonst sinkt das Grundwasser noch mehr – Patricia Böker aus Hodenhagen

Der Rasen muss nicht gesprengt werden und gesetzlich muss auch nicht immer alles verboten werden. Da sollte der Verstand einsetzen. Ich gehe sparsam mit dem Wasser um und gieße lediglich meine Tomatenpflanzen und die Blümchen. Das sind rund zehn Liter am Tag. Wir haben einen alten Heizöltank, der fasst 7000 Liter. Wenn der voll ist, muss sogar abgepumpt werden, da von 90 Quadratmetern Dachfläche das Regenwasser gesammelt wird. Im Tank ist eine Pumpe eingebaut, sodass nach Bedarf das Wasser gefördert werden kann. Ich brauche zum Gießen kein Trinkwasser verwenden – Rainer Bansner aus Bomlitz

Wir haben einen Garten von über 1000 Quadratmetern. Die Hälfte davon Rasen, die andere Blumenbeete. Da wir viel investiert haben, gießen wir an heißen Tagen morgens und abends eine Stunde per Zeitschaltuhr. Wir wohnen aber in einem Feuchtgebiet, wo der Grundwasserspiegel sehr hoch ist. Sonst hätte ich ein schlechtes Gewissen. Wir haben auch vier 200 Liter-Tonnen, um Regenwasser aufzufangen. Damit werden die Beete und Topfblumen bewässert. In Landkreisen, wo das Wasser knapp ist, ist es logisch, dass Verbote zur Wasserentnahme ausgesprochen werden – Sascha Schwerdtfeger aus Marklendorf

Wenn nicht gegossen wird, verbrennt alles, und die Feuergefahr ist sehr groß. Ich sprenge meinen Rasen nicht und habe auch keinen Pool. Das wäre reiner Luxus. Bei den Temperaturen will man sich aber auch abkühlen, doch mir fehlt die Zeit, da ich viel arbeite. Wenn, dann werden die Gemüsepflanzen, Tomaten und Blumen gegossen, aber auch nicht übermäßig. Manche sprengen morgens um fünf Uhr schon ihren Garten, trotz Verbot im letzten Jahr. Da sollte der Gesetzgeber einschreiten. Wenn kein Wasser mehr da ist, ist das Geschreie groß – Claudia Meyer aus Bad Fallingbostel

Wir haben rund 1000 Quadratmeter und gießen nur die Pflanzen, die kurz vor dem Absterben sind. Wir haben auch keinen Pool und fangen so viel Regenwasser wie möglich aus der Regenrinne und dem Fallrohr in Tonnen auf und haben auch Zinkwannen aufgestellt. Aber das ist bei uns in der Siedlung so üblich. Da ist keiner, der unnötig sein Wasser verplätschert oder das Auto wäscht, was eh nicht erlaubt ist. Ich hätte nichts dagegen, wenn es per Gesetz verboten wird, aber man muss nicht alles gesetzlich anordnen. Dann lieber an den gesunden Menschenverstand appellieren und aufklären – Ralf Brockmöller aus Bad Fallingbostel

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