Sollte „Ernährung“ als Fach in den Schulen eingeführt werden?

20. Mai 2018

Und wieder soll etwas auf die Erzieher und Pädagogen abgeschoben werden, was eigentlich Aufgabe des Elternhauses ist

Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) will nun das Fach „Ernährung“ einführen. Anlass war eine Studie, derzufolge rund zwei Millionen Kinder in Deutschland zu dick sind – Tendenz steigend. Für mehr Aufklärung bei dem Thema Ernährung soll nun ein eigenes Schulfach sorgen. Das fordern der Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft Christian Schmidt und TV-Koch Tim Mälzer.

Die Ernährungsbildung muss schon bei den Kleinsten beginnen, um nachhaltige Erfolge zu erzielen. Was gehört zu einer gesunden und ausgewogenen Ernährung? Wie verarbeitet man Obst und Gemüse zu leckeren Gerichten? Diese Fragen sollen jetzt in der Schule beantwortet werden. Dabei dürfe neben der theoretischen Ernährungslehre besonders eines nicht fehlen: der Spaß! „Wir wollen den Kindern keine dogmatischen Regeln aufzwängen sondern erreichen, dass sie wieder eine Verhältnismäßigkeit zum Essen bekommen“, erklärt Tim Mälzer. Junge Menschen achten seiner Meinung nach oft nicht auf den Nährstoffgehalt von Lebensmitteln sondern essen stattdessen nach dem Lustprinzip. Einen passenden Namen für das geforderte Schulfach gebe es auch schon: „Wir könnten es „Verbraucherkunde“ nennen. Familiäre Konstrukte sind schwächer geworden und es wird mit der nächsten Generation noch schlimmer. Familien essen kaum noch gemeinsam. Deswegen muss die Schule hier einspringen und den Kindern gesunde Ernährung vermitteln“, so der TV-Koch.

Das Problem ist, dass es wohl als Wahlfach aufgenommen wird, an dem die Kinder teilnehmen, die sich eh gesund ernähren. Als Hauptfach wird es sich nicht durchsetzen. Viele Schulen bieten schon „gesundes Frühstück“ an. Gesund ernähren ist auch gleich teurer. Wenn ich berechne, was ich in der Woche für Obst ausgebe, kommt viel zusammen. Aber Ernährung fängt Zuhause an. Wir haben zum Beispiel ein Gemüsebeet. Da lernen die Kinder gleich, wo die Lebensmittel herkommen – Jessica Reese aus Hollige

Ich finde es überfällig, weil das Elternhaus es oft selbst nicht gelernt hat, sich gesund zu ernähren und kann es daher folglich nicht vermitteln. Gearbeitet wurde immer, das ist kein Argument. In den letzten Jahren wurde das Thema viel zu sehr vernachlässigt. Rechnen und Schreiben ist wichtig, aber auch das Thema Ernährung. Bereits im Kindergarten sollte damit begonnen werden. Ich selbst habe als Erzieherin in den 70er und 80er Jahren gesunde Ernährung vermittelt – Jutta Richter aus Bomlitz

Ja, dann käme mal Ordnung rein und die Kinder würden nicht nur Süßigkeiten mit in die Schule bekommen. Oft bekommen sie auch nur Geld in die Hand gedrückt, damit sie sich etwas kaufen können. Viele Elternteile müssen arbeiten, haben wenig Zeit und fertigen so einfach und schnell ihre Kinder ab. Das sieht man auch, wie die Kinder ernährt werden. Ich habe für meine Kinder immer selbst gekocht. Wir hatten eigenes Gemüse. Sie lernten es von klein auf. Damals hat man sich mehr Zeit für die Kinder gelassen – Isolde Müller aus Walsrode

Ich fände es als reguläres Unterrichtsfach nicht geeignet, weil es nicht für alle etwas ist. Aber als AG wäre es sehr sinnvoll und viele, ich selbst auch, würden mitmachen. Meine Mutter ist berufstätig. Daher bekoche ich mich schon mal selbst. Da koche ich einen Auflauf oder oft gibt es Nudeln und einen Salat dazu. Das Kochen habe ich von meiner Mutter gelernt. Wir kochen frisch und abwechslungsreich. Wenn man es nicht gelernt hat, wäre es als Fach in der Schule sinnvoll. Aber man kann immer noch dazulernen – Calvin Arp aus Walsrode

Die Verantwortung liegt eindeutig im Elternhaus. Selbst im Kindergarten bestand bei den Eltern kein Interesse zum Vortrag „Gesundes Frühstück“. Man muss den Kindern schon zu Hause möglichst früh Obst und Gemüse anbieten, sonst lernen sie es nicht kennen und ebenso gesund zu kochen. In der Schule können sie viel erzählen, es muss aber praktisch umgesetzt werden, und das ist nicht möglich. Es bringt auch nichts, wenn die Eltern nicht mitziehen. Ebenso ist es, wenn eine „Zuckersteuer“ erhoben werden würde – Julia Wolff und Jessica Jaworski aus Visselhövede

Es ist das Allerwichtigste heutzutage. Es gibt immer mehr übergewichtige Kinder. Die meisten Leute interessieren sich wenig für das Thema und haben meistens keinen Bock, sich damit zu beschäftigen. Daher muss es in der Schule unterrichtet werden. Ich bin alleinerziehender Vater und ernähre meine Tochter sehr gesund. Ich koche immer frisch und kaufe im lokalen Gemüseladen. Da schmeckt eine Paprika noch nach Paprika – Johannes Brandt aus Walsrode

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