Sollte eine Impfpflicht eingeführt werden, oder gegebenenfalls nur fürs Pflegepersonal?

17. Januar 2021

Die Zahl der Corona-Impfungen in Deutschland näherte sich Ende vergangener Woche der halben Million, doch regional sind die Zahlen unterschiedlich.

Ganz hinten liegen Sachsen und Thüringen. Bayern belegt einen Mittelfeldplatz. Einsame Spitze ist Mecklenburg-Vorpommern. Die Impfstoffe gegen das Coronavirus sind in Rekordzeit entwickelt worden – ein riesiger Erfolg nicht nur aus Sicht von Politikern und Wissenschaftlern. Doch wenn es ums Thema Impfen selbst geht, hält sich die Euphorie bei Teilen der Bevölkerung in Grenzen. Zurückhaltung gibt es offenbar auch beim medizinischen Personal, das zu den ersten Geimpften gehören soll. Die Gründe dafür sind vielfältig, und nicht immer steckt dahinter eine Skepsis gegenüber den Vakzinen.

Die Impfbereitschaft sei beim Pflegepersonal sehr unterschiedlich, sagte Bernd Meurer, der Präsident des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste. „Wir haben Einrichtungen, wo sich fast 100 Prozent der Mitarbeiter impfen lassen. Und das reicht bis dahin, dass sich zwei Drittel nicht impfen lassen.“ Es sei im Moment schwer, ein klares Bild zu zeichnen. Dass medizinisches Personal bei Impfungen zurückhaltend reagiert, ist keine Besonderheit. Auch gegen Grippe haben sich laut Robert-Koch-Institut zuletzt nur 79 Prozent der Ärzte und knapp 47 Prozent der Pfleger impfen lassen.
Gegen Corona wollten sich im Dezember in Deutschland rund 73 Prozent der Ärzte und knapp 50 Prozent der Pfleger impfen lassen. Die verhaltenen Zahlen stimmen viele nachdenklich, immerhin haben die Gruppen eine Art Vorbildfunktion. Das medizinische Personal sei nachweislich der wichtigste Ansprechpartner für die Impfentscheidung. Dabei sind die Impfstoffe vielversprechend. Biontech/Pfizer gibt für ihren Impfstoff eine 95-prozentige Wirksamkeit an, ernste Nebenwirkungen sind selten. Im Moment bringe eine Impfung gegen das Virus keine berufliche Erleichterung. Die Pfleger müssten auch nach einer Immunisierung eine FFP2-Maske tragen. Grund ist unter anderem, dass nicht klar ist, ob man trotz der Impfung andere mit dem Coronavirus anstecken kann.

Ich bin im Wesentlichen dafür, dass für das Pflegepersonal eine Impfpflicht bestehen sollte, weil sie sich in einer verantwortungsbewussten Position gegenüber anderen befinden. Es gibt viele verschiedene Meinungen. Bei einer Impfpflicht, würde die Frage gar nicht mehr im Raum stehen, und man steht der Gesellschaft gegenüber auf der sichereren Seite. Bei der Pockenimpfung stellte sich damals auch nicht die Frage. Da wurden einfach alle geimpft. Wir haben unser Impfzentrum in Zeven. Bedauerlich ist, dass es erst ab dem 1. Februar in Betrieb genommen wird. Das hätten sie auch zwei Wochen früher auf die Reihe bekommen können. Man wird angeschrieben und muss dann einen Termin vereinbaren. Ich werde mich auf jeden Fall impfen lassen. Ich hoffe, dass wir alle bis dahin gut durch die Coronazeit kommen – Inge Pietrek aus Visselhövede

Ich glaube nicht, dass es richtig ist, eine Impfpflicht einzuführen. Damals, bei der Impfung gegen Kinderlähmung, haben aber auch alle ja gesagt. Da gab es keinen Einwand von den Eltern. Aber jeder sollte für sich überlegen, wie wichtig es ihm ist, gesund zu bleiben. Sicherlich ist die Überlegung richtig, dass die Impfung noch in den Kinderschuhen steckt, aber ich habe noch nie von einem „Impftoten“ gehört. Ich hadere schon lange mit mir, aber die 100-prozentige Entscheidung treffe ich erst, wenn es so weit ist. Bis dahin lasse ich mir ein kleines Türchen offen, ob ich mich impfen lasse oder nicht. Ich bin noch zwiegespalten und muss für mich und meinem Umfeld gucken, wie wichtig es ist – Monika Kleiber aus Bomlitz

Ich bin grundsätzlich gegen eine Impfpflicht, weil ich finde, dass jeder über seinen Körper selbst bestimmen soll. Ich persönlich würde mich sofort gegen Corona impfen lassen. Ich finde es anmaßend, dass man es von den Großeltern und Eltern erwartet, aber für sich selbst nicht in Betracht zieht. Wenn ich also will, dass meine Eltern sich impfen lassen, dann muss ich auch dazu bereit sein. Fairerweise sollten die Personen, die sich nicht impfen lassen wollen, erst dann wieder unter Menschen, wenn alle Impfwilligen geimpft sind. So bringen Impfgegner andere nicht in Gefahr. Wichtig ist, dass alle Meinungen toleriert und akzeptiert werden. Impfung ist nun mal der beste Schutz und auch der effektivste, den wir gegen das Virus haben. Also, entweder müssen alle Personen geimpft sein, die gepflegt werden oder das Personal – Brian Mac Gowan aus Nindorf

Es sollte nicht zur Pflicht werden, sondern jeder sollte für sich entscheiden, ob er sich impfen lässt. Wir leben in einer Demokratie. Beim Pflegepersonal in Krankenhäusern und Pflegeheimen, also für bestimmte Berufsgruppen, ist es eine andere Geschichte. Da steht man in der Pflicht, die Menschen zu schützen. Da kann selbst eine normale Erkältung die zu Pflegenden gesundheitlich schädigen. Daher sollte man in den Berufsgruppen an die Vernunft appellieren, sich impfen zu lassen. Aber wir halten nichts von Zwangsimpfungen. Wir selbst haben uns noch nicht entschieden, ob wir uns impfen lassen. Wir halten uns immer an die Regeln, halten Abstand, tragen Schutzmasken und halten im Restaurant Desinfektionsmittel parat – Maria und Piero Salis aus Walsrode

Impfen sollte freiwillig bleiben, aber ich wäre dafür, dass das Pflegepersonal sowie die Betreuungskräfte in der Tagespflege, zu denen ich auch gehöre, die ersten sind, die geimpft werden. Wir sind täglich mit den älteren Menschen zusammen. Mir geht es auch darum, dass ich diese Leute anstecken könnte! Dass ich das Virus in mir habe, aber keine Symptome zeige, heißt nicht, dass ich es nicht weitergeben kann. Das verkennen viele. Ich selbst werde mich auf jeden Fall impfen lassen, wenn ich an der Reihe bin, da ich schließlich Verantwortung trage – Sabine Sündermann aus Rosebruch

Ich werde mich impfen lassen, wenn es soweit ist. Ich möchte, wenn es gut läuft in 2021, spätestens 2022, wieder ein weitgehend normales Leben führen und bin bereit, dafür alles zu tun, was hilft. Ich möchte vor allem wieder nach Calpe, Spanien, reisen können. Auch die ständige Distanz und jemanden nicht direkt begrüßen oder in den Arm nehmen können, nervt und fällt mir schwer. Unter der aktuellen Situation, dem Lockdown, leidet die Wirtschaft, von der wir auch betroffen sind. Aber wenn es keine andere Lösung gibt, müssen wir da durch. Der Großteil der Pflegekräfte wartet auf die Impfung. Deshalb wäre es nicht in Ordnung, wenn sie dazu verdonnert würden. Ob sie sich impfen lassen oder nicht, sollten sie immer noch selbst entscheiden können. Wenn es eine generelle Impfpflicht gäbe, wäre es okay. Aber übers Knie brechen würde ich es nicht so schnell – Stephan Cordes-Kallenberger aus Visselhövede

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