Sollte die deutsche Sprache geschlechtsneutraler werden?

10. Februar 2019

Nach der Geburt fragt die Nachbarin den frisch gebackenen Vater: „Und, was ist es denn geworden, Junge oder Mädchen?“ „Ach“, antwortet der stolze Papa, „das soll das Kind später mal selbst entscheiden!“ Ein alter Witz, ein alter Hut? Sicherlich, aber im Moment aktueller denn je, denn die „Gender-Sprache“ ist in aller Munde, im wahrsten Sinne des Wortes. Ob die Nutzung geschlechtsneutraler Sprachformen wirklich eine sinnvolle Maßnahme zur Gleichstellung aller Geschlechter ist? So könnte es zukünftig heißen: Der Täter*in, Lehrende statt Lehrerinnen und Lehrer oder Redepult statt Rednerpult. In einigen Städten soll künftig geschlechtsneutrale Sprache in der Verwaltung genutzt werden. So sollen auch diejenigen angesprochen werden, die sich selbst nicht als Frau oder Mann beschreiben. Eine gute Idee? Die Mehrheit der Deutschen findet das nicht. Rund 67 Prozent hält es nicht für eine sinnvolle Maßnahme zur Gleichstellung aller Geschlechter, ergab eine Umfrage. Nur rund 22 Prozent halten die geschlechtsneutrale Sprache für sinnvoll, gut 11 Prozent sind in der Frage unentschieden. „Geschlechtsumfassend zu formulieren steht weder der Sanierung von Straßen im Wege, noch behindert es den sozialen Wohnungsbau, es kostet kein Geld und nicht mehr Zeit“, so die stellvertretende Gleichstellungsbeauftragte Hannovers, Maren Gehrke. Die Empfehlungen seien nur ein Bruchteil dessen, was in Hannover für Geschlechtergerechtigkeit getan werde. Eine Umfrage zeigt nun, dass es unter Anhängern keiner Partei eine Mehrheit für das Vorgehen gibt. Am meisten Zustimmung findet die Maßnahme bei der SPD (36 Prozent), den Grünen (35 Prozent) und den Linken (29 Prozent). Von den Anhängern der FDP halten nur 14,5 Prozent geschlechtsneutrale Sprache für ein sinnvolles Mittel, bei Anhängern von CDU/CSU nur 13 Prozent. Am größten ist die Ablehnung bei Anhängern der AfD: Nur drei Prozent halten das Vorgehen für richtig.

Wenn ich sage, ich gehe zum Bäcker, muss sich keiner auf den Schlips getreten fühlen. In dem Fall gehe ich in ein Geschäft und nicht zu einer bestimmten Person. Ansonsten soll sich jeder aussuchen, wie er sein möchte. Bei Stellenangeboten ist es in Ordnung, wenn „Diverse“ als Person dabei steht. Doch teilweise finde ich es übertrieben. Wenn ich ein Mann sein möchte, gehe ich aufs Männerklo, da braucht es kein „Zwischending“. Das dritte Klo wäre ein bisschen übertrieben. Es ist auch nicht schlimm, wenn es nur „Mitglieder“ im Anschreiben heißt. Es muss nicht alles so thematisiert werden. – Anne Berndt aus Gilten

Die deutsche Sprache muss nicht verweichlicht werden – „ichlein, michlein“ – das ist für kleine Babys, das müssen Erwachsene nicht mitmachen. Ich bin für die Gleichberechtigung und koche zu Hause auch leidenschaftlich gerne das Essen, aber bei der Sprache muss nichts geändert werden. Da bleibt es für mich „das Kotelett“ und nicht „Kotelettine“. Die deutsche Sprache muss man nicht umschreiben, wenn man weiß, was los ist. Bei den Ansprachen reicht es, wenn es „Mitglieder“ heißt, da gehören auch die Frauen dazu. Es soll jeder leben, wie er will, aber da braucht es kein „Es“ auf einer dritten Toilette. – Manfred Hudler aus Walsrode

Das kann jeder für sich selbst entscheiden, wie er es gerne handhaben möchte. Man muss aber nicht so ein Brimborium darum machen. Bei der zusätzlichen Toilette für Leute, die sich unsicher sind, was sie nun sind, hört es meiner Meinung nach auf. Ich finde, es gibt größere Probleme, als das Frau-Mann-Ding. Bei uns in der Landjugend oder der Feuerwehr heißt es auch „Vereinsmitglieder“. Da fühlen sich alle angesprochen. In den öffentlichen Bewerbungsanzeigen ist es ja schon so verfasst. Die Gender-Sprache wird sich durchsetzen, da sich immer mehr Leute damit befassen. – Roxana Plat mit Greta aus Jarlingen

Unsere Sprache soll so bleiben, wie sie ist. Die Umstellung würde viel bürokratischen Aufwand bedeuten und große Kosten verursachen. Da hängt so viel dran, besonders in der Verwaltung. Das hat auch nichts mit Gleichberechtigung zu tun. Es ist gut, dass es Gleichstellungsbeauftragte gibt, weil es immer noch viele Vorurteile und Ungerechtigkeiten gibt, wie zum Beispiel gleiche Arbeit bei Mann und Frau für weniger Lohn und viele Positionen und Ämter werden von mehr Männern als Frauen bekleidet, obwohl sie die gleiche Qualifikation haben. – René Meder aus Hodenhagen

Die Toiletten in der Grundschule müssen so bleiben, wie sie sind. Da müssen sich die Jungs und Mädchen doch noch gar nicht orientieren. Für die älteren Menschen ist es schwieriger, sich umzustellen. Bei Versammlungen fühle ich mich als Frau auch bei der Formulierung „Mitglieder“ angesprochen. Es ist jedem überlassen und es sollte jeder für sich handhaben, wie er, sie oder es es will. Die Diskussionen um das Thema sind für die Menschen, die es betrifft, wichtig. Es muss aber nicht übertrieben werden. Wir als Frauen wissen, wer wir sind und brauchen nicht unbedingt eine schriftliche Bestätigung. – Renate König aus Benefeld

Im Sinne der Gleichberechtigung ist es schon sinnvoll, gewisse Berufe zu transgendern, zum Beispiel Maurer/Maurerin. Selbst in den Vereinen und im Privatgebrauch sollte es eingeführt werden. Und auch als Mann sollte man sich darauf einstellen und die neue Sprache annehmen. Ich kenne einige Personen, die das dritte Geschlecht haben. Die suchen sich die jeweilige öffentliche Toilette aus, wie es passt. Ich finde, der Hype um die Transgender ist gerechtfertigt. Ich bin sehr für die Gleichberechtigung. Meine Frau und ich teilen uns auch die Betreuungszeit des Kindes. – Sebastian Gnad mit Ben aus Bad Fallingbostel

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