Sollte der Umwelt zuliebe auf Osterfeuer verzichtet werden?

14. April 2019

Wenn es um den Schutz des Klimas geht, verstehen die Grünen keinen Spaß.

Der Feind heißt Feinstaub und lauert bekanntlich überall. Dieselfahrzeuge, Flugzeuge, Nutztiere – all das ist schädlich und sollte am Besten gleich verboten werden. Lange vor der Osterzeit rückt nun das Brauchtum ins Visier der Politiker. Die haben die Osterfeuer als weiteren Schadstoffverursacher ausgemacht, denn die traditionellen Feuer am Karsamstag oder Ostersonntag produzieren Feinstaub, CO2-Emissionen und andere Giftstoffe. In ihrem Antrag für die Stadtvertretung Norderstedt fordern sie ein Verbot der privaten Osterfeuer.
Statt 180 privater Feuer wie im vergangenen Jahr, sollen es in diesem nur noch drei oder vier offizielle sein. Viel zu groß sei sonst die Luftverschmutzung. Selbst Laien bekämen die Giftstoffe am Osterwochenende zu spüren, zu riechen, zu schmecken und zu sehen. Hier sehen die Grünen die Politik in der Pflicht, die Bürger zu schützen und das ungesunde Treiben zu verbieten.

Feinstaubwerte von 800 Mikrogramm im Halbstunden-Mittelwert sind vielerorts keine Seltenheit. Die andere Seite der Medaille ist die lange Tradition, die das Vertreiben des Winters symbolisiert. Für die Christen ist das Osterfeuer das Symbol der Auferstehung Jesu Christi.
Am Feuer der katholischen Kirchen, wird am Ostersonntag die Osterkerze angezündet und mit dem Symbolen A für Alpha und O für Omega – Anfang und Ende – sowie den vier Nägeln gezeichnet, die an das Leiden Christi erinnern. Hiernach wird das Licht in die dunkle Kirche getragen. Die brennende Kerze versinnbildlicht dabei Christus als Licht der Welt.

Es ist eine Tradition, die einmal im Jahr erhalten bleiben soll. Es muss ja nicht in jedem kleinen Ort ein Feuer geben, sondern es könnte zentral reihum von den Dörfern ausgerichtet werden. Das käme auch den Vereinen zugute. So hat jeder etwas davon, und die Mitglieder werden entlastet, weil sie nicht jedes Jahr die Arbeit haben. Es gibt generell viele Umweltdiskussionen. Da will jeder ein E-Auto fahren, aber die Herstellung der Liquid-Batterien ist viel umweltschädlicher. Dann lieber generell mehr Rad und dafür weniger Auto fahren. Wenn, dann gehen wir zum Osterfeuer nach Hodenhagen – Sören Busch aus Hodenhagen

Eigentlich muss man die Osterfeuer erhalten. Es ist immer schon so gewesen und somit eine schöne Tradition. Wir selbst bringen kein Grünschnitt zum Osterfeuer, nur wenn uns der Nachbar darum bittet, etwas abzugeben. Ich bin schon lange nicht mehr beim Osterfeuer gewesen, habe sie aber in guter Erinnerung. Die Organisatoren sollten mehr darauf achten, was verbrannt wird. Hausmüll und Plastik gehören da nicht drauf. Sie müssten schärfer kontrollieren. Bei uns wird das Holz eine Woche vorher angeliefert und entsprechend umgeschichtet – Edeltraut Bunke aus Verden

Es ist eine tolle Möglichkeit Leute kennenzulernen und man kann sich beim Osterfeuer prima unterhalten und alte Bekanntschaften pflegen. Ich gehe immer zum Walsroder Osterfeuer in die Eckernworth, das die Feuerwehr ausrichtet. Da gibt es leckere Bratwurst. Alkohol interessiert mich gar nicht, das brauche ich nicht, um lustig zu sein. Ich finde die kleineren Feuer schön und sie erfüllen auch ihren Zweck. Wichtig ist, dass der Brauch weiter gepflegt wird. Der Umwelt zuliebe sollte besser an anderer Stelle gespart werden. Osterfeuer sind Tradition – Wolfgang Bißen aus Walsrode

Ich fände es nicht toll, wenn die Osterfeuer abgeschafft würden. Für meinen Sohn ist es eine Gelegenheit, bei der er auch mal nachts durch die Gegend laufen kann. Außerdem lernt man sonst keine Leute aus dem Dorf kennen, wenn man nicht gerade in der Feuerwehr oder im Schützenverein ist. Das Feuer wärmt und die Kinder können mit anderen durch die Gegend laufen. Für uns Erwachsene ist es sehr gesellig. Wir werden dort auch immer gut unseren Strauchschnitt los. Wenn jede Familie ihr eigenes kleines Feuer machen würde, käme es von der Feinstaubbelastung her auf dasselbe hinaus – Miriam Müller mit David aus Hasberg

Ich gehe immer mit meiner Familie zum Osterfeuer nach Hamwiede, das die Feuerwehr organisiert. Ich kann mir vorstellen, in die Feuerwehr einzutreten. Das Tolle daran ist, dass das ganze Dorf dabei ist. Man trifft Freunde und wenn das Feuer abgebrannt ist, schmieren wir uns und andere mit der Kohle ein – sehr zum Ärger der Eltern. Der Umwelt wegen muss nicht darauf verzichtet werden. Es ist nur einmal im Jahr und macht Spaß. Ich bin schon umweltbewusst und fahre lieber mit dem Rad, als dass ich mit dem Auto gefahren werde – Jonas Schulze aus Hamwiede

Bei uns in der Region sind Osterfeuer nicht üblich. In den Alpen lassen sie brennende Strohballen den Berg runterrollen oder bilden Feuerfiguren. Das fördert den Tourismus, weil es ein wahres Schauspiel ist. Sonst würde auch etwas im Bereich Tradition und Brauchtum fehlen. Viele Dörfer machen daraus ein Ortsfest. Ob es in jedem Dorf ein Feuer geben muss, ist fraglich. Auch wenn jeder Bauer sein Grünabschnitt verbrennt, belastet es die Umwelt sehr. Das muss nicht sein. Ich selbst besuche keine Osterfeuer, das wäre eine zu weite Fahrt mit dem Auto und stünde in keinem Verhältnis – Hartmut Keens aus Nettetal

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