Sollte der Sonntag ein gesetzlicher Ruhetag bleiben?

4. Juli 2021

Seit der Weimarer Republik ist der Sonntag geschützt als „Tag der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung“.

Davon ist nicht allzu viel geblieben, auch wenn sich seit 2011 eine „European Sunday Alliance“ für den Erhalt des arbeitsfreien Sonntags einsetzt. Die Weimarer Reichsverfassung legte im Jahr 1919 fest: Der Sonntag und die staatlich anerkannten Feiertage bleiben als Tage der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung gesetzlich geschützt. Nach Artikel 140 des Grundgesetzes von 1949 ist dieser Artikel der Weimarer Verfassung „Bestandteil dieses Grundgesetzes“.

Das deutsche Wort „Sonntag“ bedeutet wörtlich „Tag der Sonne“. Dies geht zurück auf die alten Germanen, die die griechisch-römische Benennung der Wochentage nach den Planetengöttern übernahmen. Das deutsche Wort „Samstag“ kommt vom jüdischen Sabbat. Viele der Traditionen, die dem Sonntag zugeordnet werden, haben ihre Wurzeln im Sabbat. Was uns laut Grundgesetz zusteht, wird allerdings durch neuere Arbeitsgesetze zunehmend unterhöhlt. So entschied erst Ende 2013 ein britisches Gericht, dass christliche Arbeitnehmer Sonntagsarbeit nicht unter Verweis auf ihren Glauben ablehnen dürfen. Dagegen regt sich Widerstand: 2011 hat sich die europäische Sonntagsallianz, die „European Sunday Alliance“, gegründet. Gewerkschaften, Kirchen, Sportverbände und Sozialorganisationen setzen sich damit für den Erhalt des arbeitsfreien Sonntags als Teil des europäischen Kulturerbes ein. Darin sind sich auch deutsche Katholiken und Protestanten einig.
Der Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche Deutschlands beklagt zum Beispiel, dass wir die Gestaltung des Lebens immer mehr der Wirtschaft unterordnen. Berühmt geworden ist die Geschichte des Leichtathleten Eric Lidell aus Schottland durch den Film „Die Stunde des Siegers“. Lidell war tief gläubiger Christ. Bei den Olympischen Spielen 1924 in Paris sollte er an einem Sonntag im Vorlauf zu seiner Spezialdisziplin, dem 100-m-Lauf, antreten. Eric Lidell weigerte sich, denn am Sonntag wollte er nicht arbeiten, das widersprach seinem Glauben. Später, an einem Werktag wurde er immerhin noch Weltrekord-Sieger im 400-m-Lauf.

Ich finde es gut, wenn der Sonntag gesetzlich geschützt bleibt. Für mich ist es ein Familientag, an dem in der Regel alle frei haben und sich treffen können. Es sollte nicht anders geregelt sein. Es gibt sowieso Berufe, die ausgenommen sind, wo es sich nicht vermeiden lässt, sonntags zu arbeiten. Grundsätzlich finde ich es gut und wichtig, wenn so ein freier Tag erhalten bleibt. Unabhängig davon, dass ich immer viel zu tun habe, aber am Sonntag schlafe ich gerne mal aus und frühstücke ausgiebig mit der Familie. Es ist schön, zur Ruhe zu kommen und die Hektik des Alltags hinter sich zu lassen. Es ist alles sehr schnelllebig, von daher finde ich es gut, dass es den Tag gibt, den jeder so gestalten kann, wie er möchte. Das heißt aber nicht, dann den Rasen zu mähen – Ulrike Grischke aus Benzen

Ich finde es nicht gut, wenn der Sonntag nicht mehr geschützt wäre. Die Leute haben kaum noch einen Tag, an dem sie frei haben. Selbst am Sonnabend kann man bis 22 Uhr einkaufen gehen. Wer es bis dahin nicht schafft, muss am Sonntag auch nicht einkaufen. Diejenigen, die sonntags arbeiten müssen, haben in der Woche einen Ausgleichstag, aber wer will das in der Woche? Auch wenn nur einmal im Jahr verkaufsoffener Sonntag ist, gehe ich nicht hin. Ich finde es schön, den Tag der Ruhe zu haben. Was man daraus macht, ist eine andere Sache. Ich glaube auch nicht, dass es die Wirtschaft ankurbeln würde. Nur die Gastronomie kann an dem Tag einen Umsatz verbuchen. Ich nutze den Sonntag oft, um bei mir klar Schiff zu machen – Britta Strockhoff-Wenzel aus Blender

Ich bin der Meinung, wenn die Leute die ganze Woche arbeiten und sich um die Kinder kümmern, dann sollte der Sonntag arbeitsfrei bleiben. Man wird schon so von der Regierung entmündigt und bekommt nur noch Vorschriften und wird in seiner Freiheit eingeschränkt. Da sollte man den Familien das freie Wochenende gönnen. Da ich nicht mehr berufstätig bin, habe ich genug Freizeit. Ich möchte gerne reisen, doch leider geht es durch die Coronakrise nicht. Corona hat die Menschen mürbe gemacht. So besuche ich sonntags gerne Freunde und wenn das Wetter mitspielt, gehe ich der Gartenarbeit nach und genieße sonntags dort auch die Ruhe – Herbert Kohn aus Walsrode

Es ist zwiespältig. Ich finde, dass der Sonntag für die Familie da sein sollte. Berufsbedingt, durch die Schichtarbeit, ist das oft nicht möglich. Aber die Familie genießt auch die verkaufsoffen Sonntage, wo sie gemeinsam etwas unternehmen kann. Das sind die Ausnahmen, und das genießen dann auch die Männer. Ich genieße auch den freien Sonntag, weil mein Freund da auch frei hat. Wir führen eine Fernbeziehung und haben nur den Sonntag für uns. Da muss ich auch nicht im Fitnessstudio arbeiten. Das sollte auch so bleiben. Besonders Frauen wollen sonntags nicht zum Fitness, um die Zeit mit der Familie zu haben. Auch am Sonnabend ist weniger los. Der Sonntag sollte geschützt bleiben, aber Ausnahmen bestätigen die Regel – Heike Siewert aus Düshorn

Der Sonntag sollte auf jeden Fall heilig bleiben! Es hat nicht unbedingt etwas mit der Familie zu tun. Ich unterrichte Yoga und versuche meine Teilnehmer runterzuholen, weil sie in der Woche viel Stress haben. Außerdem muss für mich nicht zusätzlich gearbeitet werden, nur damit ich einkaufen kann. Zu Coronazeiten ist man viel spazieren gegangen und hat neue Orte entdeckt, eine geschenkte Zeit. Der Sonntag sollte nicht zu einem normalen Tag werden. Die Menschen brauchen einen Tag, um zur Ruhe zu kommen und um das Familienleben zu genießen. Ich gehe an dem Tag mit meinem Mann viel spazieren, und wir haben viel Spaß mit den Enkeln und frühstücken gerne mit ihnen sonntags im Bett – Susanne Dzionsko aus Bad Fallingbostel

Ich finde, der Sonntag ist heilig. Durch meinen Partner war das nicht immer so, da er durch die Schichtarbeit auch sonntags arbeiten musste. In der Woche musste ich arbeiten. Durch Corona hat er nun wenigstens am Wochenende frei für Freunde, Freizeit, Fahrradtouren und das, was man in der Woche nicht schafft. Sonntags schoppen gibt es auch, aber die Verkäuferinnen haben auch Familie. In der Woche einen Ausgleichstag zu bekommen, ist etwas anderes. Dann ist Alltag! Ich nutze den Sonntag, um in den Garten zu gehen, Freunde zu besuchen oder in die Sauna zu gehen. Das schaffe ich in der Woche nicht und man kann etwas zusammen unternehmen. Auch das Fitnessstudio ist sonntags nicht auf, denn in der Ruhe liegt die Kraft – Claudia Linke aus Bad Fallingbostel

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