Sind sie ein Vereinsmensch?

17. September 2017

Früher hieß es: „Treffen sich drei Deutsche, gründen sie einen Verein!“

Doch laut Vereinsrecht müssen es mindestens sieben Mitglieder sein, um ins amtliche Register eingetragen zu werden. Aber das ändert nichts am Wahrheitsgehalt: Im Kern ist und bleibt der Deutsche ein Vereinsmeier. 580.000 Vereine sind registriert, siebenmal so viele wie vor 50 Jahren und es werden immer mehr. Dabei gehören die Pfadfinder zu den ältesten Vereinen in Deutschland.

Mit ihrem „Zivi-Survey“ haben Forscher erstmals die gesamte Zivilgesellschaft unter die Lupe genommen, also auch jene Gruppierungen, die nicht im engeren Sinne wirtschaftlich tätig sind. Die Forscher haben, neben den Daten des Statistischen Bundesamtes, die Vereinsregister von 280 Amtsgerichten durchforstet, Gründungszahlen von Stiftungen ausgewertet, die von gemeinnützigen GmbHs und Genossenschaften erhoben. Am Ende waren es 616.154 Organisationen, vom Sport- über den Förderverein für die Grundschule bis zur freiwilligen Feuerwehr. Genau gesagt sind es 580.294 Vereine, 17.352 Stiftungen, 10.006 GmbHs und 8502 Genossenschaften, in denen 23 Millionen Mitglieder mal mehr, mal weniger aktiv sind.

Das starke Wachstum wird auch als wesentlicher Grund dafür gehalten, dass vier von zehn Vereine Probleme hätten, Vorstandsposten zu besetzen. Mit dem starken Zuwachs der Vereine sei der Bedarf an Personen gestiegen, die bereit seien, Verantwortung zu tragen. Der häufig beklagte Mangel von Ehrenamtlichen ist daher eine Begleiterscheinung des Wachstums zivilgesellschaftlicher Strukturen.

Ich bin seit fast 30 Jahren im Schützenverein Vorbrück. Die Geselligkeit ist toll und ich mache auch einiges ehrenamtlich. Aber im Moment bin ich keine aktive Schützin. Da herrscht bei mir Flaute, aber ich gehe trotzdem noch hin. Man genießt das Miteinander. Dazu gehören auch Karten spielen, Kaffee- und Geburtstagsrunden. Durch den Verein entstehen viele Kontakte. Wenn etwas anfällt, helfe ich. Nachwuchssorgen hat jeder Verein. Es wird einfach zu viel geboten und die Jugend hat andere Interessen – Irene Hector aus Walsrode

Ich war im Schützenverein Hutbergen. Bereits als Kind bin ich da eingetreten und wurde auch mit 15 Jahren Schützenkönigin. Ich war rund zehn Jahre im Verein. Ich war auch lange Zeit im Turnverein und Tischtennisverein. Jetzt sind mir die Fahrwege zu lang und die Arbeitszeiten haben sich verändert. Als kaufmännische Angestellte komme ich erst um 20 Uhr raus. Da brauche ich nicht mehr los. Jetzt mache ich zu Hause Yoga und gehe aufs Ergometer-Rad bei freier Zeiteinteilung. Kurse wie Yoga sind auch teuer geworden – Gerlinde Kind aus Bendingbostel 

Ich bin im Turnverein Jahn Walsrode in der Damengymnastikgruppe. Mit Unterbrechungen schon ganz lange, jetzt bereits seit zehn Jahren wieder. Die Geselligkeit wird bei uns ganz groß geschrieben. Vorrangig ist natürlich auch die Bewegung. Wir sind eine kleine Gruppe, aber schon sehr lange zusammen. Wir werden nicht mehr, aber auch nicht weniger. Zu jedem Geburtstag gibt es einen Umtrunk. Wir machen einmal im Jahr eine Fahrradtour und eine Wanderung. Zur Weihnachtsfeier gibt es ein Mitbringbüfett – Annemarie Wiechers aus Walsrode 

Ich bin in der SG Bomlitz. Dort mache ich seit sechs, sieben Jahren wieder in der Gymnastikgruppe Sport und Ausdauertraining mit. Das findet einmal die Woche in einem Raum in der Turnhalle der Oberschule statt. Man bleibt fit, ist hinterher zwar kaputt, aber freut sich, dass man etwas für sich getan hat. Mit dem Nachwuchs geht es einigermaßen. Ein Ehrenamt im Verein hatte ich nicht inne. Ich mache nur meinen Sport, halte mich dadurch fit und der Mitgliedsbeitrag ist in Ordnung. Jeder sollte sich sportlich betätigen – Gilda Reinefeld aus Bomlitz 

Ich bin Mitglied im SV Kirchboitzen. Durch die fünf Kinder haben wir eine Familienmitgliedschaft. Im Moment bin ich aber nur passives Mitglied. Seit Mitte des Jahres mache ich nach meiner Herz-OP beim TV Jahn Walsrode Rehasport. Aber da muss man kein Mitglied sein. Für ein Dorf sind Vereine wie Schützenverein, Feuerwehr und Landfrauenverein wichtig. Man kennt sich und vertraut einander. Die Gemeinschaft trägt einen. Und bei Dorffesten sind alle eingebunden – Heinz Zündorf aus Kirchboitzen

Ich war lange Zeit Mitglied im SV Böhme. Da war ich auch Kassen-wartin und Mädchen für alles. Es ging um Geselligkeit, Spaß und man hatte auch Verantwortung und sozialen Kontakt. Nun bin ich altersbedingt nicht mehr dabei. Das Vereinsleben ist auch nicht mehr so schön wie vor 25 Jahren. Damals hieß es noch „Einer für alle, alle für Einen“. Heute hat man nur noch viel Amt, wenig Ehr´. Es sind immer die Gleichen, die etwas machen. Keiner will mehr Verantwortung übernehmen – Elfriede Kny aus Groß Häuslingen

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