Sehen Sie die Corona-Krise auch als Chance, kann man ihr etwas Gutes abgewinnen?

5. April 2020

Die Krise kann die Geburtsstunde für eine neue Form des Miteinanders sein.

Schiffe liegen zurzeit nicht nur in italienischen Häfen fest, aber endlich werden wieder Delfine in Küstennähe gesichtet. Sie erobern sich ihren natürlichen Lebensraum zurück. Fische schwimmen wieder dort, wo man sie lange nicht gesehen hat. Die Menschen müssen zurzeit in ihren Häusern und Wohnungen verweilen, aber sie werden kreativ – musizieren, basteln, handwerkeln und spielen wieder Gesellschaftsspiele.

Klar, man darf im Moment nicht mehr Reisen, und der Flugverkehr liegt lahm, aber wann war der Himmel so schön blau und Kondensstreifen frei? Kindergärten und Schulen bleiben vorerst geschlossen. Das bedeutet für die Eltern eine große Herausforderung. Aber sie entdecken auch, wie viel Spaß man mit den Kindern haben kann, und man lernt sich beim Spielen, Malen, Basteln und Backen noch besser kennen. Die Jüngsten lernen bei Mama und Papa gehen und die ersten Worte, nicht bei einer auswärtigen Erzieherin. Die Wirtschaft erleidet einen immensen Schaden. Doch wir merken, was wirklich wichtig ist in unserem Leben, und das ist nicht das ständige Wirtschaftswachstum einer Konsumgesellschaft, sondern unsere Gesundheit. Wir lernen unsere Händler und heimischen Produkte vor Ort zu schätzen! Noch nie hat man in den letzten Wochen so oft die Worte gehört: „Bleiben Sie gesund!“
Die Krise ist auch eine Chance für einen Wandel, der die Natur aufatmen lässt, die Kinder mit längst vergessenen Werten in Kontakt bringt und die Gesellschaft und uns entschleunigt. Die Erde ist schnell bereit, zu regenerieren, wenn wir Menschen Rücksicht auf sie nehmen und wieder atmen lassen. Wir werden wachgerüttelt, weil wir nicht bereit waren, es selbst zu tun. Denn es geht um unserer Zukunft – global denken und handeln. Globale Kooperation statt Wettbewerb von Staaten ist gefragt sowie soziale und ökologische Kompetenz.

Natürlich fehlt mir das tägliche Schwimmtraining in Walsrode oder Bad Fallingbostel. Als Ausgleich wandere ich täglich über zwei Stunden mit dem Fernglas durch Wald und Flur. Ich beobachte vor allem Greifvögel und freue mich, über die schon in Blüte stehenden Büsche und Bäume. Es ist sehr erholsam und man erhält friedvolle Gedanken, nicht nur für die Zeit des Wanderns. Kleine Empfehlung – Walsrode hat auch wunderschöne Gebiete, wie den Sunderwald, die Eckernworth, den Benzer Sunder und Uhlenbusch – Richtung Rödershöfen, Düshorn. Ich telefoniere viel mit meinen Kindern und Enkelkindern und lerne täglich WhatsApp besser kennen. Dabei habe ich das Smartphone erst im Dezember zum Geburtstag erhalten – Inge Coors aus Bomlitz

Ich bin kein Pessimist. Vom Seniorenbeirat mussten wir natürlich alle Veranstaltungen bis Juni absagen, da unser Klientel zur gefährdeten Gruppe gehört. Da möchte ich nicht die Verantwortung übernehmen. Bei mir selbst kommt keine Langeweile auf, da wir hier auf dem Dorf alle Möglichkeiten haben, uns die Zeit zu vertreiben. Da sieht es in der Stadt schon anders aus. Da fällt einem leicht die Decke auf den Kopf, je kleiner die Wohnung ist. Die Krise trägt dazu bei, dass einige die Hilfsbereitschaft entdecken, auch aus der Distanz, zum Beispiel, um ältere Menschen anzurufen. Die wiederum haben die Chance, neue Techniken wie Smartphone und Skype kennenzulernen – Helmut Sündermann aus Rosebrock

Das Virus ist zwar eine existenzbedrohende Krise für viele Selbstständige, aber mächtige Firmen sind gleichermaßen betroffen. Für die Natur ist es ein Vorteil. Die kann jetzt endlich mal aufatmen und sich freuen. Sie wird nicht wie sonst immer verschmutzt. An der Situation ist zu erkennen, wie leicht es ist, CO2 einzusparen. Ich hoffe, dass es allen Menschen bewusst wird und nicht jeder nach der Krise den nächsten Billigflug nach Thailand bucht. Des Weiteren sehe ich die Krise als Chance für Pflegekräfte. Ich hoffe sehr, dass sich für sie die Arbeitsbedingungen endlich zum Besseren wenden. Wenn man deren Arbeit realistisch betrachtet, ist es klar, dass sie keine Pralinen oder mediale Anerkennung des Gesundheitsministers brauchen, sondern mehr Lohn und ein entprivatisiertes Gesundheitssystem – Ronja Beszon aus Hannover

Dadurch, dass ich im Homeoffice arbeite, vertreibe ich mir zu Hause mit meinen Liebsten um mich herum die Zeit und habe zwei Stunden weniger Fahrtzeit. Das bedeutet mehr Zeit, um mit dem Hund rauszugehen und in der Natur zu sein. Das ist superschön! Positiv ist auch, welche Auswirkungen es auf die Umwelt hat. Wir merken es besonders, da wir in der Nähe des Flughafens Tegel wohnen. Auch wenn man Daten aus China und den USA sieht, freut man sich, wie sich die CO2- Emission deutlich verringert haben. Ich habe auch das Gefühl, die Leute werden ruhiger. Man kommt wieder runter und macht sich über ganz andere Sachen, wie die Gesundheit, Gedanken. Kleine Probleme werden nicht mehr so aufgebauscht und die Pflegekräfte erfahren mehr Wertschätzung. Das zeigt, dass Menschen im Gesundheitswesen deutlich wichtiger sind, als zum Beispiel Manager – Theresa Dahms aus Berlin

Man schafft Sachen, die sonst liegen blieben. Ich habe jetzt alle meine Fotoalben vorgenommen und Bilder eingeklebt. Ich bin noch nicht fertig, aber die Krise ist ja auch noch nicht zu Ende. Man liest mehr und erholt sich. Die Ruhe tut überhaupt gut. Wenn man bedenkt, wie klar der Himmel ist – ohne Flugzeuge und ohne Kondensstreifen – einfach nur blauer Himmel! Ich telefoniere viel mit unserem Sohn. Es ist schade, dass man sich nicht zu den Geburtstagen treffen kann. Die Feiern mussten abgesagt werden. An Geburtstagen denkt man an die Leute und ruft an. Mehr geht nicht. Die Feten werden in Form von Grillfeiern nachgeholt – je nachdem wie lange die Krise dauert. Es heißt Ruhe bewahren und nicht verzagen, einfach hinnehmen. Wir können es nicht ändern – Beate Kirchner aus Visselhövede

Ich sehe sie durchaus als Chance, in der eine Entschleunigung stattfindet. Wir sind auf einem hochaktiven Niveau und haben eine grenzenlose Verfügbarkeit. Wir können durch die ganze Welt jetten. Nun tritt eine Besinnlichkeit ein, die auch eine positive Wirkung für die Natur durch weniger Verkehr und Flugverkehr hat, nicht nur in China. Es macht sich eine neue Nachdenklichkeit breit. Wir merken, dass diese Krise nur in globaler Kooperation bewältigt werden kann. Ich hoffe, dass auch ein Nachdenken bezüglich unseres Konsumverhaltens stattfindet. Globale Kooperation statt Wettbewerb von Staaten ist gefragt! Soziale und ökologische Kompetenz ist gefragt und vor allem regionale Wirtschaft, um nicht so anfällig für Krisen zu sein – Harald Gabriel aus Visselhövede

Schlagworte:




Comments are closed.

Back to Top ↑