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„Schuld hatte die neue Straße!“

17. Juni 2018

Wie aus einer Anliegerversammlung eine jahrzehntelang bestehende Gemeinschaft wurde

„Schuld“ hatte die neue Straße! Am 9. Juni jährte sich das Bestehen der Gemeinschaft „Küsterberg“ in Düshorn zum 45. Mal. Diese Entwicklung hatte wohl niemand der Anlieger für möglich gehalten, als sie im Jahr 1974 ihr erstes „Bergfest“ feierten. Denn dieses Fest war aus der puren Not heraus geboren.

Im Jahr zuvor plante die damals noch selbstständige Gemeinde Düshorn, die Straße am Küsterberg „auszubauen“ und dazu lediglich das bestehende Kopfsteinpflaster mit einer Bitumenschicht zu überziehen. Die Anlieger allerdings forderten einen weitergehenden Ausbau zu einer vollwertigen Straße inklusive einer Regengosse. Die Männer des Küsterbergs folgten geschlossen der Einladung zu einer Anliegerversammlung im „Düshorner Hof“ und überzeugten dort sehr schnell die Gemeindevertreter von ihren Vorstellungen.
Dieser Erfolg musste gefeiert werden und mit einem zufällig anwesenden Busfahrer (samt Bus!) fuhren alle zum Heideblütenfest nach Meißendorf. Die Begeisterung ihrer Ehefrauen über den erzielten Erfolg hielt sich jedoch in Grenzen, als sie erst im Morgengrauen wieder zurückkehrten. Als Wiedergutmachung beschlossen die Männer, die neue Straße mit einem Fest für ihre Frauen zu eröffnen.

Im Sommer 1974 begann die Zeremonie mit einer Ansprache durch Irmgard Schmidt, bevor Willi Riefling in Frack und Zylinder ganz stilecht feierlich das Band durchschnitt und damit den Weg für einen von der „Küsterberg-Kapelle“ angeführten Ummarsch freimachte. Das anschließende Fest versöhnte die Frauen so sehr, dass es nun jährlich wiederholt werden sollte.

Doch damit nicht genug – ein regelmäßiger Frühschoppen wurde eingeführt, der bis heute einmal im Monat am Sonntagmorgen abgehalten wird. Hier werden Neuigkeiten ausgetauscht und neue Aufgaben organisiert. Dazu gehört seit vielen Jahren auch das Aufstellen einer Sitzbank im Frühjahr („Bankauftrieb“) und deren Abbau im Herbst („Bankabtrieb“). Auf dem höchsten Punkt des Straßenzuges informiert ein Stein über die exakte Höhe des Küsterberges über dem Meeresspiegel und auch ein Planwagen gehört mittlerweile zum Bestand der Gemeinschaft.

Doch der Zusammenhalt dieser Gemeinschaft beschränkt sich nicht auf das Feiern. Bei größeren Projekten wie dem Neueindecken eines Daches oder der Pflasterung von Hof und Ein-fahrt kann sich jeder auf die Unterstützung der anderen verlassen. In den örtlichen Vereinen sind die Küsterberger in großer Zahl vertreten und stärken die Düshorner Dorfgemeinschaft. Erst im letzten Jahr organisierten sie das Düshorner Erntefest, das mit einem Gottesdienst zum Erntedankfest am Sonntagmorgen zu Ende ging.
Natürlich hat sich die Gemeinschaft in all den Jahren verändert. Einige sind verstorben oder haben den Küsterberg verlassen, andere sind in die Gemeinschaft hineingeboren oder zugezogen. Mit einer Mischung aus Engagement und Feiern ist die Gemeinschaft über die Jahrzehnte so attraktiv geblieben, dass sich alle schnell integriert und den Geist des Küsterberges am Leben erhalten haben. Und die „Ehemaligen“ bleiben oft fester Bestandteil und nehmen weiterhin am Geschehen teil.

Das 45-jährige Jubiläum am vergangenen Wochenende begann mit einem Auftritt in der „Plattenkiste“ bei NDR 1 Radio Niedersachsen. Helmut Schmidt, Frank Schmidt und Cord-Herbert Hellmers fuhren in das Landesfunkhaus nach Hannover und berichteten von ihrer Gemeinschaft. Am Sonnabend starteten die Küsterberger dann zu einer Fahrradtour rund um Düshorn, an die sich eine Feier im Zelt anschloss. Fotos aus alten Alben brachten Erinnerungen zurück und manche Anekdote machte die Runde. Und so hat der Übermut der Männer vor 45 Jahren den Küsterbergern viele schöne und „versöhnliche“ Stunden beschert. Inzwischen sind die Straße von einst und die Gemeinschaft in die Jahre gekommen und gespannt auf ihre zukünftige Entwicklung.

(jpe/rie)

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