Schrecken die Horrorbilder auf Zigarettenschachteln ab?

29. Mai 2016

Ziel ist es, die Raucherquote von Jugendlichen und die Zahl vorzeitiger Todesfälle zu senken.
Offene Raucherbeine, eine vom krebsbefallene Lunge oder geschwärzte Zahnstümpfe – diese Gruselbilder sind als abschreckende Warnungen auf den Zigarettenschachteln ab Mai auf zwei Drittel der Vorder- und Rückseite zu finden. Damit soll den Deutschen die Lust  am Rauchen vergehen. Das erhofft sich die EU von den neuen Vorgaben. Auch die Warnhinweise auf Zigarettenschachteln wurden vergrößert. Hinzu kommen aufklärende Texte.
Etwa 110.000 Todesfälle pro Jahr seien in Deutschland unmittelbar auf das Rauchen zurückzuführen. Die Zigarettenindustrie pochte auf eine längere Frist zur Umstellung ihrer Produktion von Verpackungen mit kombinierten Warnhinweisen und -bildern. Sie argumentierte, dies sei bis Mai nicht mehr zu schaffen.
Um Schockbilder wurde in Deutschland lange gestritten, ihre Einführung immer wieder verschoben, obwohl ihre Einführung für 2010 angekündigt worden war. Dass die Fotos erst 2016 kommen, gilt auch als Erfolg der Tabaklobby. Die Grünen warfen der Regierung vor, keine Gesamtstrategie zur Reduzierung des Tabakkonsums zu verfolgen. Der Sprecher für Drogen- und Suchtpolitik der Grünen-Fraktion, Harald Terpe, sagte: „Werbebeschränkungen für Tabakprodukte sind längst überfällig.“
Deutschland sei neben Bulgarien das einzige Land in der EU, das Außen- und Kinowerbung für Tabakprodukte immer noch erlaube. Die Bundesregierung muss sich endlich von den Interessen der Industrie freimachen. Arbeitsplätze und Steuereinnahmen sind keine Argumente, wenn es um Menschenleben geht. Zigarettenpackungen ohne Schockfotos  dürfen nur noch ein Jahr im Handel verkauft werden.

Für Kinder und Jugendliche ist es abschreckend. Sie denken auf jeden Fall nach. Ich selbst rauche eine Schachtel am Tag, mich schrecken die Bilder nicht ab. Ich habe schon ans Aufhören gedacht, aber der Wille ist nicht da. Wir rauchen nicht im Auto oder bei Schulveranstaltungen. Wenn, dann gehen wir grundsätzlich nach draußen. Meine Kinder sind 17 und 18 Jahre alt und rauchen beide nicht. Wir haben sie aufgeklärt und gesagt, dass es viel kostet und gesundheitsschädlich ist. Mir wäre Antiwerbung auf Alkohol lieber. Da ist die Gefahr viel größer – Reinhold Weiß aus Walsrode

U-Reinhold-Weiss

Es schreckt höchstens die „Ersttäter“ ab, aber die wahren Raucher absolut nicht. Ich rauche auch, zirka 15 Zigaretten am Tag und gucke einfach weg. Wenn mein Sohn soweit ist und die Bilder realisiert, werde ich die Zigaretten auch in ein Etui tun, so dass er die Fotos nicht sieht. Ich habe auch schon darüber nachgedacht aufzuhören, es fällt aber schwer. Auf Facebook gibt es die Vorschläge, nun auch auf Lebensmittel, wie Schokolade, Fotos von Übergewichtigen zur Abschreckung  zu kleben – Denise Otremba mit Charlie aus Oerbke

U-Denise-Otremba

Ich glaube nicht, dass die Bilder viel nützen. Wer raucht, der raucht weiter und wird die Bilder einfach abdecken. Wir hoffen immer, dass die Kinder nicht mit dem Rauchen anfangen. Es kommt aber immer drauf an, mit wem sie  zusammenkommen. Die Jüngeren, bis 14 Jahre, werden die Bilder wohl noch abschrecken, aber mit 18 Jahren ist man schon durch die Medien abgebrüht. Ich selbst rauche nicht. Mein Sohn raucht und versucht immer wieder mal aufzuhören. Er dreht sich seine Zigaretten selbst und steckt sie ins Etui. Meine Tochter und die Enkel rauchen zum Glück auch nicht – Renate Kornetzke mit Enkel Adrian aus Oerbke

 

U-Renate-Kornetzke

Ich finde die Antiwerbung auf den Zigarettenschachteln gut. Ich selbst war 50 Jahre lang starker Raucher. Bis eines Tages eine Sendung im Fernsehen mich zum Nichtraucher machte. Es wurde erläutert, warum Raucher ständigen Hustenreiz haben. Es muss vom Kopf her kommen, von daher geben die Bilder Anreiz zum Nachdenken. Aus eigener Erfahrung würde ich aber sagen, dass die Bilder nicht abschreckend sind – wohl eher für die „Ersttäter“ – Friedrich Musmann aus Uetzingen 

U-Friedrich-Musmann


Ja, die Antiwerbung schreckt diejenigen ab, die Kinder haben. Man muss die Zigarettenschachteln vor den Kindern verstecken. Mein Mann und ich sind Raucher und wir werden eine Möglichkeit finden, um die Packungen abzudecken. Unsere Kinder sind fünf und acht Jahre alt und wir sagen ihnen, dass Zigaretten viel Geld kosten und schaden. Sie fragen auch schon  „Warum raucht ihr?“ Aber wir sind noch nicht so weit, um aufzuhören. Aber irgendwann kommen wir auch davon los – Simone Peon-Baranda aus Bomlitz  

U-Simone-Peon-Baranda


Ich habe mal geraucht, aber seit 16 Jahren rühre ich keine Zigarette mehr an. Bei einer dicken Erkältung mit Mandelentzündung und Fieber riet mir mein Hausarzt, nun sei der beste Zeitpunkt, damit aufzuhören. Man muss es vom Kopf her wollen, sonst hört man nicht auf. Die Bilder auf den Packungen gehen den Jugendlichen in den Kopf. Ältere Raucher sind abgestumpfter und sagen: Was soll das. Man hat seine Laster und will nicht davon los. Antiwerbung auf Alkohol ja, aber auf Lebensmittel geht zu weit – Andreas Baule aus Bad Fallingbostel 

U-Andreas-Baule

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