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„Rethem ist ein fantastischer Ort“

7. Mai 2017

Schweizer Autor Pierre Maurice recherchiert für seine Romanreihe „Vita Caroli Pauli“ auch im Aller-Leine-Tal

„Eigentlich war es die Figur, die mich fand“, erzählt Pierre Maurice, wenn er über seine Hauptfigur Carolus spricht. Den jungen Mönch aus dem Kloster St. Maurice d’Agaune im Wallis hat der 61-jährige Schweizer Autor jetzt im Rahmen seiner Romanserie „Vita Caroli Pauli“ in dem Buch „Tempus Invocationum“ auf seine erste Reise geschickt und die führt ihn auch ins Aller-Leine-Tal des 13. Jahrhunderts.

Pierre Maurice weiß noch ganz genau, wann und unter welchen Umständen ihm der Grundgedanke für sein Werk gekommen ist. Am 28. Oktober 2009 war er auf dem Lötschenpass in seiner Heimat im Wallis unterwegs, als ihn ein Wintereinbruch überraschte. In Sommerkleidung mühte er sich durch Eis und Schnee ins Tal mit der Frage nach Gott. Und die beschäftigt auch seine Romanfigur, die wie viele Walliser auch den festen Willen hat, zu reisen. Dabei sucht er Antworten auf Grundfragen des katholischen Glaubens: Was ist richtig, was falsch, was muss man müssen, was darf man genießen? Er lernt Menschen und das „Reich“ seiner Zeit kennen, wird in „Mögliches und Unmögliches“ verwickelt.

Neben einer Vielzahl weiterer Interessen beschäftigt sich der Autor viel mit Geschichte und ihren Gestalten und geht dabei der Frage nach: Was von damals prägt uns noch heute? In „Vita Caroli Pauli“ stehen aber nicht die historischen Fakten im Vordergrund – für die Richtigkeit hat Maurice in Archiven von Universitäten, Büchereien, Kirchen und Klöstern unter anderem in Oxford, Bern, Novara, Freiburg, Celle und Lübeck gestöbert. „Es ist ein Roman und kein Geschichtsbuch“, betont der Autor. Für den 61-Jährigen steht im Vordergrund, den „Leser zu beeindrucken, ihn mitzunehmen“. Daher hat sich Maurice auch auf den Weg gemacht, die Stationen, die Carolus durchläuft, selbst zu erkunden.

„Rethem ist ein fantastischer Ort, hat schon fast etwas Mystisches“, zeigt sich Pierre Maurice von der Allerstadt begeistert. Dort habe es im 13. Jahrhundert einen Fährbetrieb und somit einen der wenigen Übergänge über den Fluß gegeben. Auf Feldern und Wiesen ist der 61-Jährige nahe am Fluß gewandert und hat versucht, die Umgebung „fast schon zu ertasten“. Auch Hodenhagen hat es dem Schweizer angetan mit seinem „kleinen und großen Bach“. Am Zusammenfluß von Meiße und Aller hat er früh morgens die Atmosphäre genossen und Bilder getankt, die er an den Leser weitergeben will. Eine dramtische Wendung wird es für Carolus auf seiner ersten Wanderung in Bleckmar geben, nahe der heutigen Gedenkstätte Bergen-Belsen. „Vielleicht so etwas wie eine Vorahnung“, meint Pierre Maurice angesichts der Gräueltaten, die knapp 700 Jahre später dort passierten.

Der erste Teil der „Vita Caroli“ wird mit vielen Abenteuern, einer Menge Erkenntnisgewinn und Schmerzen nach 1283 Kilometern enden, die der junge Mönch zu Fuß zurücklegt. In jedem der sieben Bände wird Carolus 180 Tage unterwegs sein, so dass er nach rund dreieinhalb Jahren wieder zurück sein wird. Dann wird er aber noch nicht zur Ruhe kommen. Reisen nach Italien und auch nach China warten noch und somit auch ein Treffen mit dem venezianischen Händler Marco Polo, der ebenfalls im 13./14. Jahrhundert gelebt hat, so der Plan des Autors. Pierre Maurice hat sich bereits erkundigt, was eine Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn in das Reich der Mitte kostet, schließlich gilt es auch dort vor Ort zu recherchieren.

Wie der Reisebeginn des jungen Mönches mit dem 22. April 1247 fest terminiert ist, so weiß sein „Erfinder“ auch bereits, dass er im Alter von 84 Jahren, nachdem er die „Riesenperle“ seines Reifeprozesses gefunden hat, sterben wird. Denn das Ende hat er – ähnlich wie es Harry-Potter-Autorin Joanne K. Rowling gemacht hat – bereits vorab geschrieben. Bis dieses Geheinmis aber gelüftet wird, warten auf den Leser noch viele Erlebnisse und Erfahrungen, die Carolus auf seinen Reisen im Mittelalter machen wird.

(rie)

 

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