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Resonanz der Kunden wiegt die Strapazen der Reise auf

10. November 2019

Armin Meyer deckt mit seinen Fahrten schon lange nicht mehr nur den Eigenbedarf ab

„Obwohl es kein Urlaub, sondern harte Arbeit ist, macht es viel Spaß. Zudem legen wir viel Wert darauf, gesunde Nahrung zu uns zu nehmen.“ Seit 2006 fährt der Walsroder Armin Meyer mehrmals im Jahr nach Sizilien, um frisches Obst und Gemüse von der Südküste aus dem kleinen Städtchen Ribera nach Deutschland zu bringen. Dies schon lange nicht mehr nur für den Eigenbedarf, zahlreiche Stammkunden warten schon auf die Rückkehr des 59-Jährigen mit seinem 40-Tonner, der sich am morgigen Montag zusammen mit seiner Frau Claudia Dominick wieder auf den Weg nach Italien macht.
„Es ist der Geschmack, sie sind sehr saftig und besonders aromatisch.“ Armin Meyer kommt ins Schwärmen, wenn er von den sizilianischen Orangen erzählt. Dabei war der 59-Jährige jahrelang der festen Überzeugung, dass die besten aus Marokko kommen. „2005 habe ich einen Sizilianer kennengelernt, der davon erzählt, dass in seiner Heimat viele marokkanische Gastarbeiter beschäftigt sind. Meinen Wunsch, ob er die nicht einmal fragen könnte, ob sie mir eine Kiste mitbringen, lehnte er ab. Stattdessen brachte er mir eine mit Orangen aus Sizilien mit.“ Das Probieren überzeugte Armin Meyer, und auch seine Bekannten und Freunde schwärmten nach dem Genuss dieser Südfrüchte.
Und so machte sich der Walsroder auf die rund 2700 Kilometer lange Fahrt, lud seinen VW-Bus voll und brachte die frischen, unbehandelten Früchte in den Heidekreis. Dort sprach sich schnell die gute Qualität der Orangen herum, sodass Armin Meyer sich bald nach einem größeren Fahrzeug umsehen musste. Nachdem auch die Ladefläche eines Sprinters nicht mehr ausreichte, ist der 59-Jährige seit 2010 mit einem 40-Tonner unterwegs, der Platz für 1300 Kisten bietet.
Von November bis März macht sich Armin Meyer zusammen mit seiner Frau einmal im Monat auf den Weg an die sizilianische Südküste, wo sich das Tal von Ribera zum Meer nach Süden hin öffnet und somit neben einem sehr nährstoffreichen Boden hervorragende klimatische Bedingungen für den Anbau von Zitrusfrüchten bietet. Dreieinhalb Tage dauert die Fahrt auf die größte Insel im Mittelmeer. In Ribera suchen die Deutschen Kleinbauern auf, mit denen Meyer seit 14 Jahren zusammenarbeitet. „Sie pflegen ihre höchstens 2000 Quadratmeter großen Gärten sehr intensiv, da sie auf die Einnahmen angewiesen sind.“ Eine Woche vor dem Liefertermin wird damit begonnen, die Orangen zu pflücken, die letzten werden noch kurz vor der Abfahrt geerntet und verpackt. „Damit erhalten unsere Kunden frische und ausgereifte Früchte vom Baum.“ Von dem Zustand der Ware überzeugen sich Armin Meyer und Claudia Dominick selbstverständlich, schließlich erwartet ihre Kundschaft „Spitzenqualität“.
Dies ist auch ein Grund dafür, warum die beiden immer wieder die Reisestrapazen auf sich nehmen. „Wir haben schon versucht, uns die Ware schicken zu lassen. Doch dann waren einige Kisten leer oder nur die oberste Schicht hatte eine gute Qualität.“ In der Regel laufen die Touren aber problemlos ab. „2012 habe ich einmal 24 Stunden im Schneechaos bei Rimini festgesessen“, erinnert er sich. Pech hatte er auch im März 2016, als ein Unwetter auf Sizilien, die Orangenernte vernichtete. Es war bislang das einzige Mal, wo er ohne die begehrten Südfrüchte zurückkehrte. Doch sein Angebot beschränkt sich nicht nur auf verschiedenen Formen der Orangen. Unter anderem Zitronen, Cedri, Grapefruit, Weintrauben, Tomaten, Fenchel, sizilianisches Gebäck und Käse bringt er ebenfalls frisch mit und bietet sie bei Wind und Wetter an seinem Lkw an.
Der Verkauf beginnt bereits in der Nähe von München, ehe das Paar nach drei weiteren Stationen zurück im Norden ist. An insgesamt 14 Stationen – im Heidekreis und Umgebung – wird mittlerweile Halt gemacht. „Wir wollen versuchen, hier unseren Kundenkreis zu erweitern, um dann im Süden weniger Stationen zu haben und direkt nach Hause fahren zu können“, plant Armin Meyer. Der 59-Jährige, der als Straßenkontrolleur bei der Gemeinde Schwarmstedt beschäftigt ist, opfert für seine Touren und den Verkauf seinen Urlaub und bummelt Überstunden ab. „Mittlerweile bleibt finanziell auch etwas übrig“, erinnert er sich an seine Anfangszeiten. „In den ersten fünf bis acht Jahren habe ich immer alles wieder investiert.“
In der Vergangenheit fuhr der Walsroder auch noch von Mai bis September einmal im Monat nach Sizilien, zuletzt noch im Mai und Juni. „Das lohnt sich aber nicht, da zu dieser Zeit bei uns frisches Obst und Gemüse aus der Region zu bekommen ist.“ Deshalb wird er sich zukünftig auf die „Wintersaison“ konzentrieren.
Etwas wehmütig blickt der 59-Jährige in die Zukunft, da ein Nachfolger fehlt. „Wenn einer da wäre, könnte man das Geschäft ausbauen, denn das Potenzial ist auf jeden Fall da.“ Für Armin Meyer und seine Frau Claudia Dominick steht aber auf jeden Fall fest: „Solange es möglich ist, fahren wir weiter.“ Denn zu gerne genießen die beiden die Früchte aus Ribera und sind von deren Qualität überzeugt, daher blieben „Abwerbversuche“ anderer Regionen erfolglos.
Weitere Information und die Verkaufsstellen sind im Internet auf www.spezialitäten-aus-sizilien.de zu finden.

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